25. Januar 2017 / 13:20 Uhr

Holstein Kiels Gegner: Das neue Leben nach dem Abstieg

Holstein Kiels Gegner: Das neue Leben nach dem Abstieg

Thomas Pfeiffer
Dresdner Neueste Nachrichten
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Pragmatiker: Frankfurts Coach Roland Vrabec. © Imago
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FSV Frankfurt muss sich neu finden

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*Ein kleines Zahlenwerk verdeutlicht mehr als viele Worte, was ein Abstieg aus der Zweiten Fußball-Bundesliga für jeden betroffenen Klub bedeutet: Die Einnahmen aus den TV-Rechten sinken von 6,5 Millionen auf knapp 800 000 Euro.
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Ein Verlust, den auch der FSV Frankfurt im vergangenen Jahr nach achtjähriger Zweitklassigkeit verarbeiten musste. Die Hessen, die am Sonnabend (14 Uhr) zum Rückrunden-Auftakt der Dritten Liga Holstein Kiel empfangen, sind noch mittendrin, sich sportlich und wirtschaftlich zu konsolidieren. Folgerichtig ist der direkte Wiederaufstieg für den Tabellenzwölften derzeit mehr heimlicher Wunsch und weniger offizielle Option. Die Saison 2015/16 wurde mit einem Minus von knapp 830000 Euro abgeschlossen, der Profi-Etat für die laufende Spielzeit von 6,4 auf

rund 2,7 Millionen Euro abgesenkt. „Der Abstieg hat uns alle hart getroffen“, befand Präsident Julius Rosenthal bei der Jahreshauptversammlung im November. Auch sportlich folgte eine harte Zäsur. Zur neuen Saison löste Roland Vrabec Ex-Holstein-Trainer Falko Götz ab, Roland Benschneider kam von Energie Cottbus als neuer Sportdirektor, der Kader wurde nahezu komplett ausgetauscht (26 Abgänge, 20 Zugänge).

Die Konsequenz aus der Runderneuerung war laut Vrabec „eine Vorrunde der absoluten Extreme“. Die Achterbahnfahrt: Dem 1:1 zum Auftakt in Kiel folgte ein Absturz auf den letzten Tabellenplatz am 6. Spieltag, danach gelang dem Team eine Serie von neun Partien ohne Niederlage. Wieder bergab ging’s mit zwei Niederlagen und einem Remis, ehe das Jahr 2016
dank des 3:1-Derbysiegs über den SV Wehen Wiesbaden halbwegs versöhnlich endete. „Das Fitness-Gefälle war bei den 20 Zugängen groß. Außerdem braucht es seine Zeit, bis man einem komplett neu formierten Kader die Art vermittelt hat, wie man Fußball spielen will“, begründet der gebürtige Frankfurter Vrabec das Leistungsloch zu Saisonbeginn. Trotz aller Probleme bezeichnet der 42-jährige Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Trainingslehre und Sportmedizin den FSV als „attraktive Adresse für ambitionierte Drittliga-Spieler“. Zu denen gehört auch der vom SC Freiburg ausgeliehene Stürmer Fabian Schleusener, mit acht Treffern der beste Hinrunden-Torschütze am Bornheimer Hang. Der 25-Jährige erlitt allerdings im Testspiel gegen die Würzburger Kickers Anfang Januar einen Kreuzbandriss und fällt für den Rest der Saison aus. „Das war natürlich ein großer Schock für uns. Aber jetzt müssen eben andere Spieler zünden“, bleibt Vrabec zuversichtlich. Die Hoffnungen ruhen dabei in erster Linie auf Winter-Transfer Smail Morabit. Der 28-jährige Angreifer mit französisch-marokkanischer Staatsbürgerschaft
kam vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Beim Thema Zweite Liga bewegen sich die Hessen auffällig nah an der (offiziellen) Haltung der KSV Holsten. „Einen Aufstiegsplatz zu erreichen, ist nicht unrealistisch, aber nicht unser vorrangiges Ziel. Wenn wir als Sechster oder Siebter einlaufen, wäre ich als Trainer nicht unzufrieden“, hält der FSV-Coach den Ball bewusst flach, um beim Thema Holstein in die allgemeinen Lobpreisungen der Drittliga-Trainer einzustimmen. „Ein Kader mit Potenzial, Erfahrung und geringem Leistungsgefälle“, meint Roland Vrabec, hält aber doch eine Einschränkung parat: „Genau wie bei uns ist auch in Kiel mangelnde Konstanz ein Stichwort.“ Wohl wahr.