09. April 2019 / 07:25 Uhr

Holstein Kiels Stefan Thesker: Warum immer er?

Holstein Kiels Stefan Thesker: Warum immer er?

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Rote Karte für Stefan Thesker (Mitte) von Schiedsrichter Felix Zwayer.
Rote Karte für Stefan Thesker (Mitte) von Schiedsrichter Felix Zwayer. © Paar
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27-jähriger Innenverteidiger ist der Unglücksrabe der bisherigen Saison – trotzdem zeigt seine Formkurve nach oben

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Vielleicht sollte sich Stefan Thesker mal bei Mario Balotelli erkundigen, ob der italienische Stürmer noch sein T-Shirt von damals hat. Es würde ihm stehen. Im Oktober 2011 hatte Balotelli beim Manchester-Derby für City gegen United gerade zum 1:0 getroffen, als er sich sein Trikot über den Kopf zog. Darunter in weißen Lettern auf himmelblauem Textil zu lesen: „Why always me?“ – Warum immer ich? Der als Skandal-Fußballer verschriene Balotelli hatte zuvor immer wieder mit Eskapaden Schlagzeilen gemacht. Nun gehört Holstein Kiels Innenverteidiger Thesker zu den seriöseren Vertretern seines Fachs. Doch treibt ihn dieser Tage zumindest sportlich dieselbe Frage um: Warum immer ich? Sonnabend, es läuft die 41. Minute zwischen Holstein und dem FC St. Pauli. Die KSV macht bisher eigentlich alles richtig, was auch für Thesker gilt. Er spielt souverän bei seinem fünften Startelf-Einsatz, zeigt gutes Stellungsspiel, sein Gespür für die Eröffnung. Und dann das: Stefan Thesker spielt in der Vorwärtsbewegung einen Fehlpass auf Waldemar Sobota, der sofort den Gegenangriff initiiert. Pass auf Marvin Knoll, der mit der Hacke weiterleitet auf Alexander Meier. Der Stürmer ist frei durch – und dann zupft Thesker, der diese Situation überhaupt erst verursacht hat, an dessen Trikot. Meier fällt, kriegt den Strafstoß. Thesker sieht Rot, Meier trifft. 0:1.

"Ich glaube aber nicht, dass Meier fallen muss", so Thesker

„Es war die richtige Entscheidung. Ich ziehe ihn ganz kurz, es war ein Reflex. Ich glaube aber nicht, dass er fallen muss“, sagte Thesker hinterher mit Verweis auf Alexander Meiers imposante physische Erscheinung. Und doch ist Meier gefallen, hat das Geschenk clever angenommen. Und Stefan Thesker einmal mehr in den Blickpunkt gerückt. An ihm klebt in dieser Saison das Pech wie an keinem zweiten Spieler. Warum immer er?

Schon seinem Debüt für die Störche war ihm – ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub SpVgg Greuther Fürth ein schlimmer Patzer unterlaufen. Mit einem kapitalen Fehlpass leitete er das 0:1 ein. In Paderborn trat Thesker nach neun Sekunden über den Ball und lud Babacar Gueye zum zweitschnellsten Tor der Zweitliga-Geschichte ein. Nun der nächste Schnitzer. Zum erneuten Male Protagonist wider Willen.

„Mir passiert in dieser Saison ab und zu mal so ein Ding. Der liebe Gott will es wohl so".

„Es fühlt sich scheiße an. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt“, sagte Thesker ein wenig gefrustet. „Mir passiert in dieser Saison ab und zu mal so ein Ding. Der liebe Gott will es wohl so. Solche Szenen kommen sonst vielleicht in jedem 15. Spiel vor, und bei mir...“ Pause. Abbruch des Gedankens. Und gleich wieder nach vorn schauen. Thesker: „Was soll ich machen? Soll ich sagen, ich komme morgen nicht mehr zum Training?“

Das wäre fatal. Denn eigentlich legte die Berufung in die Startformation Zeugnis darüber ab, dass Stefan Thesker noch nie so nah an der ersten Elf war. Er erhielt nicht nur den Vorzug vor Yann Aurel Bisseck, sondern auch vor Ersatzkapitän Dominik Schmidt. Keine Sperren, keine Verletzungen – Thesker profitierte einzig und allein von seinen guten Trainingsleistungen. „Er hat sich selbst überhaupt erst in die Position gebracht, dass er spielt“, sagte sein Trainer Tim Walter und erklärte: „Er hat eine super Entwicklung genommen.“

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zbigniew Ilski war über Jahre hinweg eine feste Größe bei den Kielern. Er bringt es auf 111 Einsätze und erzielte dabei sechs Tore. Zur Galerie
Zbigniew Ilski war über Jahre hinweg eine feste Größe bei den Kielern. Er bringt es auf 111 Einsätze und erzielte dabei sechs Tore. ©
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Und so war der Unglücksrabe selbst am Ende auch nicht ganz zu unglücklich. Was in erster Linie an der kollektiven Energieleistung, am taktischen Meisterstück der KSV lag, die den Gegner in Unterzahl überrumpelte und das Spiel drehen konnte. 2:1, Feierstimmung – auch bei Thesker. „Wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gespielt hat – das war schon Wahnsinn. Es hat richtig Bock gemacht“, sagte er.

Thesker hat nun zwangsfrei. Ein Spiel Sperre. In Ingolstadt (So., 13.30 Uhr) wird er fehlen. „Es ist Strafe genug, dass er vom Platz geflogen ist und jetzt aussetzen muss“, sagte Walter, der ansonsten Milde walten ließ. Denn er weiß, was er an ihm hat: Nicht nur einen Qualitätsspieler, sondern auch einen, der Punkte retten kann. Gegen Ingolstadt hatte Thesker zum 2:2 in letzter Minute getroffen, gegen Regensburg die Zitterpartie mit seinem Kopfball zum 2:0 beendet. Es waren die positiven Warum-immer-ich-Momente. Und vielleicht kommt ja noch der eine oder andere dazu. Mit oder ohne Balotelli-Shirt.

Opas Holstein-Talk bei Fritten-Andy: Stargast Thorsten Gutzeit

Weitere Infos zu Holstein Kiel

Der Saisonverlauf von Holstein Kiel in der Zweitliga-Spielzeit 2018/19.

1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). ©

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