29. April 2018 / 20:14 Uhr

Holstein Kiel wirft Frauenteams aus dem Verein: "Schlag ins Gesicht"

Holstein Kiel wirft Frauenteams aus dem Verein: "Schlag ins Gesicht"

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Die Holstein Women bejubeln einen ihrer Treffer in der Frauen-Regionalliga Nord. Ein Bild, das es in Zukunft nicht mehr geben wird?
Die Holstein Women bejubeln einen ihrer Treffer in der Frauen-Regionalliga Nord. Ein Bild, das es in Zukunft nicht mehr geben wird? © Paar
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Die KSV will keine Frauenteams mehr, um den Etat zu schonen. Spielerinnen von Holstein Kiel protestieren. Ob die Frauen zum VfB Kiel wechseln, ist unklar.

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Das 2:1 am Sonntagnachmittag in der Frauen-Regionalliga bei ATS Buntentor geriet zur Nebensache. Bei den Fußballerinnen von Holsten Kiel, den Holstein Women, geht es in diesen Tagen allein um die Frage: Was wird aus der Mannschaft? Und unter welchem Vereinsnamen tritt sie – wenn überhaupt – in der kommenden Saison an?

Holstein Kiel will "die Kräfte bündeln"

Am Freitagabend verkündete die KSV Holstein per Pressemitteilung, dass sich das Präsidium dazu entschieden hat, „die Kräfte zu bündeln, um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen.“ Die Frauenfußballabteilung schließe sich deshalb zur kommenden Saison dem VfB Kiel an. Betroffen seien drei Mannschaften: die Regionalliga- und Landesliga-Damen sowie die B-Juniorinnen.

Das Regionalliga-Team reagierte geschockt. „Ich war davon total überrascht. Eine vorherige Rücksprache hat es nicht gegeben“, so Trainer Bernd Begunk, der sich seit 2005 im Holstein-Frauenfußball engagiert. „Es ist so, als wenn ein Lebensabschnitt zu Grabe getragen wird.“ Ob sich die Abteilung, wie von beiden Vereinen forsch angekündigt, tatsächlich dem VfB Kiel anschließt, lässt Begunk offen. „Mit uns ist noch nicht gesprochen worden. Wir wollen nicht unbedingt zum VfB, suchen einen Verein, der uns als vollwertige Abteilung aufnimmt und entsprechende Trainings- und Umkleidemöglichkeiten bietet.“

Mehr Frauenfußball

Die Spielerinnen können ihren Rausschmiss aus dem Verein nicht glauben. Die 26-jährige Trainer-Tochter Sarah Begunk, im Winter auf Rang zwei bei der Wahl zur Fußballerin des Jahres 2017 gewählt, erklärt: Ich war sprachlos und schockiert. Ich habe so viel investiert. Zeit und Herzblut. Ich kann es immer noch nicht fassen. Das fühlt sich alles nicht wie die Wirklichkeit an.“ Regionalliga-Torfrau Victoria Bendt, seit 2005 dabei, spricht von einem „Schlag ins Gesicht“. Die 25-Jährige: „Was aus uns wird, ist fraglich. Es geht jetzt vor allem darum, die Mannschaft und die Abteilung zusammen zu halten.“

Spiel wird nach Sitzstreik abgebrochen

Die Partie gegen Buntentor absolvierte die Mannschaft demonstrativ ohne KSV-Klub-Emblem auf dem Trikot. Die zweite Damen-Mannschaft protestierte während ihres Landesliga-Spiels gegen ATSV Stockelsdorf mit einem Sitzstreik. Nachdem sich die Gegnerinnen solidarisierten, wurde die Partie abgebrochen.

Sitzstreik bei den 2. Holstein-Damen

Frauenfußball hat sechsstelligen Etat

Nach Informationen des Sportbuzzers verschlingt der Etat der Frauenfußball-Abteilung einen sechsstelligen Betrag im Jahr. Geld, dass der Verein künftig ins Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) stecken will, um im Unterbau der Zweitliga-Fußballer konkurrenzfähig zu bleiben. Bisher ist das NLZ vom DFB mit nur einem von drei möglichen Sternen zertifiziert. Der Verein plant die Einstellung hochqualifizierter und hauptamtlich tätiger Jugendtrainer.

Reaktionen

Grüne stellen Fördergelder infrage

Aminata Touré, gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, will eine „Macho-Haltung des KSV-Vorstandes“ erkannt haben und unterstellt den Störchen „ein gleichstellungspolitisches Verständnis aus dem vorletzten Jahrhundert“. Die Grünen wollen nun die bereits bewilligten staatlichen und städtischen Fördergelder für den Ausbau des Holsteinstadions auf den Prüfstand stellen. Touré: „Das Land übernimmt rund 7 Millionen und damit zwei Drittel der Gesamtkosten für den Ausbau des Holstein-Stadions. Diese Förderung muss nun aus gleichstellungspolitischer Sicht neu bewertet werden.“

Sarah Begunk (hier im Duell gegen Julie Steckhan vom TSV Limmer) erzielte den Ausgleichstreffer für die Holstein Women gegen den Bramfelder TS.
Die Holstein Women stehen in der Regionalliga Nord auf Platz 6. © Peter
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"Die Entscheidung ist weder frauenfeindlich noch altertümlich"

Holstein-Präsident Steffen Schneekloth: „Ich habe totales Verständnis für die Enttäuschung in der Frauen-Fußballabteilung. Aber unsere nachvollziehbar harte Entscheidung ist weder frauenfeindlich noch altertümlich, sondern bedeutet lediglich die Konzentration unserer Kräfte auf den Herrenfußball.“ Der ehemalige Berater der deutschen Nationaltorhüterin Almuth Schult (VfL Wolfsburg) erklärt: „Von allen 36 Profi-Fußballklubs sind wir der Kleinste mit den geringsten finanziellen Mitteln. Weil wir keine gestandenen Profis nachkaufen können, müssen wir den Nachwuchs stärken, um junge Talente an unsere Profis heranführen zu können.“

Fakt ist: Die KSV wird ein weiteres Jahr die Frauen-Mannschaften finanziell unterstützen. Schneekloth verspricht: „Wir versuchen, die Entscheidung so sozialverträglich wie möglich zu gestalten und die Spielklassenzugehörigkeit aller Mannschaften für die kommende Saison zu sichern.“ Und weiter: „Sie haben nun die Chance, aus dem Schatten der Profis herauszutreten und sich selbst vermarkten zu können.“

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