28. Mai 2021 / 13:13 Uhr

Kampf gegen Homophobie: "Wir wollen den gleichen Respekt wie alle"

Kampf gegen Homophobie: "Wir wollen den gleichen Respekt wie alle"

Bastian Aschemann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Louis Steinle und Christoph Hertzsch spielen für die Streetboys München.
Louis Steinle und Christoph Hertzsch spielen für die Streetboys München.
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Als einzigen homosexuellen Verein im deutschen Ligabetrieb haben es die Streetboys München nicht immer leicht. Sie berichten über Diskriminierung, ihre internationalen Erfolge und erzählen im #GABFAF-Video, was jeder Verein gegen Homophobie im Amateurfußball unternehmen kann.

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#GABFAF on tour ist eine Aktion der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Die Streetboys München bilden die Fußballmannschaft des queeren Sportvereins Team München e.V. und sind der einzige Verein für Homosexuelle, der am Ligaspielbetrieb des DFB teilnimmt. Christoph Hertzsch spielt schon seit vielen Jahren für die Streetboys und hat so einiges miterlebt. „Bei den Streetboys ist jeder willkommen. Im Team spielen neben homosexuellen Männern auch heterosexuelle und transsexuelle Männer mit.“ Sein Mitspieler Louis Steinle spielt seit einem Jahr für die Streetboys, beziehungsweise tut er das nicht: „Seit ich mich den Streetboys angeschlossen habe, konnte ich pandemiebedingt leider noch kein Spiel für die Mannschaft bestreiten.“

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Aktuell sieht der Verein sich noch als Auffangbecken für Sportler, die sich in anderen Vereinen unwohl fühlen, aber langfristig hoffen sie, dass die Sexualität bei der Vereinswahl keine Rolle mehr spielen muss. „Jeder Mensch sollte in dem Verein spielen können, wo er möchte - unabhängig von der sexuellen Orientierung“, sagt Hertzsch. Bis es soweit ist, nehmen sie weiterhin gerne jeden auf.

#GABFAF on tour bei den Streetboys München: Das Video

Erfolgreich auf internationalen Turnieren

„Dadurch, dass wir es schaffen, konstant in der Kreisliga C zu spielen, kennen viele unsere Gegner uns schon und wissen, wer wir sind“, erzählt Christop Hertzsch lächelnd, mit dem Wissen, dass die Kreisliga C die unterste Spielklasse in München ist. Vor einigen Jahren wagten die Jungs einen Ausflug in den Kreisliga B, merkten aber schnell, dass sie sich in der Kreisliga C wohler fühlen.



Neben dem regulären Spielbetrieb nehmen die Jungs auch regelmäßig an internationalen Turnieren für homosexuelle Mannschaften teil. „Bei den Euro-Games in Helsinki haben wir sehr souverän den Sieg geholt und auch sonst sind wir oft nicht unerfolgreich“, berichten die beiden.

Homophobes Verhalten der Gegner und Zuschauer ist für die Streetboys keine Seltenheit: Viele Gegner werden in den Zweikämpfen überhart, werfen mit homophoben Beleidigungen um sich oder fordern zu Abstand auf. „Es passiert, dass Gegenspieler eine Distanz aufbauen wollen, obwohl Fußball ja doch ein Kontaktsport ist“, berichtet Hertzsch. Aber auch die Fans der Streetboys sind häufiger mal Opfer homophober Attacken: „Unsere Fans sind oft lauter, bunter und etwas schriller als andere Fans. Das scheint nicht allen zu gefallen.“

An seinem größten Hobby wird Christoph Hertzsch auch weiterhin festhalten. „Ich bin mit mir selbst und meiner Sexualität so im Reinen, dass mich nichts davon abhalten kann, für die Streetboys aufzulaufen", sagt Hertzsch selbstbewusst.

Aufklärung ist wichtig!

„Wir wollen im Amateurfußball den gleichen Respekt wie alle anderen auch erfahren. Da ist es dann auch egal ob jemanden mal ein Satz wie ,Spiel nicht so einen schwulen Ball' rausrutscht. Da stehen wir alle drüber“, sagt Louis Steinle selbstbewusst. Im Kampf gegen die Homophobie sollten Vereine ihren Mitgliedern Informationsmaterial zur Verfügung stellen. „Aufklärung ist der beste Weg, um Homophobie zu vermeiden“, sagt Hertzsch. Das Informationsmaterial kann von Vereinen kostenlos beim Verband angefordert werden.

Die Streetboys spielen gerne Fußball, und die dritte Halbzeit ist fast wichtiger als die ersten beiden. Damit sind sie nichts Besonderes im Amateurfußball, und genau so sollten sie auch behandelt werden. Der Fußball ist für alle da und bietet keinen Platz für Diskriminierung jeglicher Art und Weise.

Das ist #GABFAF on tour

Mit unserem Videoformat #GABFAF on tour waren wir in München und haben die Streetboys besucht. Das Video findest Du oben im Artikel ebenso wie auf Instagram und Facebook.

Wenn es bei dir im Verein auch besondere Menschen, spannende Projekte, eine außergewöhnliche Aktion oder eine interessante Geschichte gibt, über die wir berichten sollten, schreibe uns einfach an, und wir kommen mit #GABFAF on tour auch zu deinem Verein. Den Kontakt findest Du auf gabfaf.de.