03. März 2020 / 10:13 Uhr

Nach Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp: Was dürfen Fans im Stadion - und was nicht?

Nach Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp: Was dürfen Fans im Stadion - und was nicht?

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fankurven verschiedener Klubs haben am 24. Bundesliga-Spieltag Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp attackiert.
Fankurven verschiedener Klubs haben am 24. Bundesliga-Spieltag Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp attackiert. © imago images/Matthias Koch/Montage
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Die erneuten Schmähungen gegen Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim haben eine Frage aufgeworfen: Was ist im Stadion erlaubt - und was nicht? Der DFB und die Stadionbetreiber der Bundesliga haben dazu meist klare Regelungen.

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Die erneuten Beleidigungen und Schmähplakate gegen Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende haben die Debatte darüber verstärkt, was in deutschen Stadien erlaubt ist und was nicht. Die Partie der Hoffenheimer gegen den FC Bayern stand nach mehreren Unterbrechungen und einem beleidigenden Banner der Münchner Fans kurz vor dem Abbruch. Auch beim 1:0 von Borussia Dortmund gegen den SC Freiburg, beim 3:0 des 1. FC Köln gegen Schalke 04 und beim 2:2 von Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg gab es nach Anfeindungen gegen den Milliardär Unterbrechungen. Was also dürfen Fans im Stadion – und was ist verboten?

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Auslöser für Hopp-Eklat: Kollektivstrafe gegen BVB-Fans

Der DFB und die Stadionbetreiber – das sind teils die Vereine selbst, teils aus ihnen ausgegliederte Gesellschaften – haben dazu meist klare Regeln. Sie sind von Seiten des DFB in den „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ festgehalten und in dieser Form seit Dezember 2018 gültig. In Anlage 4 „Regelung der Sicherheit und Ordnung im Stadion“ ist den Zuschauern das Mitführen von rassistischem, fremdenfeindlichem, extremistischem, diskriminierendem und rechts- bzw. linksradikalem Propagandamaterial verboten, und zwar explizit „auch dann, wenn es strafrechtlich nicht relevant ist“.

Im Klartext: Wird beispielsweise ein gegen Hopp gerichtetes Plakat, Spruchband oder Banner von demjenigen, der das Hausrecht innehat – also dem Verein und/oder Stadionbetreiber – als diskriminierend und als Propagandamaterial angesehen, darf dieses nicht nur nicht gezeigt, sondern nicht einmal mitgebracht werden. Ganz zu schweigen von links- oder rechtsextremen Äußerungen. Politische oder religiöse Gegenständen dürfen laut der DFB-Richtlinie wie so vieles andere, zum Beispiel Waffen, ebenfalls nicht mit zum oder ins Stadion.

Auslöser für die erneuten Attacken gegen Hopp war die Bestrafung von BVB-Anhängern, die nach wiederholten Attacken gegen den Mäzen zwei Jahre lang keinen Zutritt zu den Auswärtsspielen in Sinsheim erhalten. Diverse Fankurven wendeten sich daraufhin gegen diese vom DFB verhängte Kollektivstrafe.

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Geldstrafen und Regressforderungen sind mögliche Sanktionen

Wer sich über diese Verbote hinwegsetzt, kann nicht nur mit einer Geldstrafe zwischen 5 und 1000 Euro wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt werden. Er oder sie muss außerdem befürchten, in Regress genommen zu werden, wenn der Verein oder die Stadiongesellschaft aufgrund der Verstöße von Verbänden wie der UEFA oder der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu Geldstrafen verurteilt wird. Auch Stadionverbote sind eine mögliche Sanktion. Der FC Schalke 04 hat derweil in einer Stellungnahme angekündigt, seine Mannschaft werde beim nächsten vergleichbaren Vorkommnis, vielleicht schon im DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern am Dienstag, geschlossen den Platz verlassen.

Die Stadionordnungen der einzelnen Bundesligisten sind im Wesentlichen an die DFB-Richtlinie angelehnt, gehen zum Teil aber mehr ins Detail. Sie sind maßgeblich dafür, was die Klubs als Veranstalter und Inhaber des Hausrechts zulassen und was nicht. So verbietet die Hausordnung der Münchener Allianz Arena ausdrücklich auch Kleidung, Fahnen und Transparente, „deren Aufschrift geeignet ist, Personen aufgrund ihrer/ihres Hautfarbe, Religion, Herkunft, Geschlechts oder sexuellen Orientierung zu diffamieren“. Der SC Paderborn spricht sich in seiner Stadionordnung darüber hinaus auch gegen homophobe Tendenzen aus.

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Stadionbetreiber hat das Hausrecht - und darf Fans ausschließen

Flächendeckend enthalten die Vorgaben auch einen Passus zu Zuwiderhandlungen. Demnach hat der Veranstalter im Zweifel die Option, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. Bedeutet: Wer gegen die genannten Verbote verstößt, muss damit rechnen, erst gar nicht ins Stadion gelassen oder ausgeschlossen zu werden. Das gilt auch und gerade für Zuschauer, die „bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, diskriminierende, gewaltverherrlichende, diffamierende oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind“. Möglich ist auch, dass die Klubs mitgebrachte Banner am Einlass auf ihren Inhalt überprüfen und gegebenenfalls beschlagnahmen.