15. Dezember 2016 / 09:26 Uhr

Horrorunfall von Mohamad Saade: Versicherung lehnt Schadenersatzanspruch ab

Horrorunfall von Mohamad Saade: Versicherung lehnt Schadenersatzanspruch ab

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mohamad Saade im Krankenhaus.
Mohamad Saade im Krankenhaus. © Privat
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Gesundheitlich geht es Arminias Mohamad Saade nach seinem Unfall beim SSV Jeddeloh wieder etwas besser. Doch Schmerzen hat er noch immer. Und nun schockt ihn ein Versicherungsschreiben.

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Mehr als einen Monat liegt der Horrorunfall von Mohamad Saade nun schon zurück - am 5. November war der Stürmer des Fußball-Oberligistens SV Arminia Hannover im Punktspiel beim SSV Jeddeloh unter eine Werbebande gerutscht. Beim Versuch, den Ball noch im Spiel zu halten, erlitt er wegen einer scharfen Metallkante an der Bandenunterseite schwere Verletzungen. Wie geht es Saade, in dessen Fuß bei dem Vorfall zwei Sehnen durchtrennt wurden, heute?

"Mo" Saade hat noch immer Schmerzen

"Es ist schon etwas besser geworden. Ich habe jetzt einen Spezialschuh, mit dem ich auch gehen kann - auch wenn das irgendwann sehr anstrengend wird, der Schuh ist sehr schwer. Die Krücken nehme ich aber auch immer mit." Das war es aber auch schon an Mobilität. Fast täglich muss er zur Physiotherapie, "dorthin muss ich immer gefahren werden". Und die Schmerzen im Fuß, sowie im zusätzlich verletzten Knie, sind immer noch da.

Spätestens bis Weihnachten, hofft der 25-Jährige, kann er den Schuh abnehmen. "Dann soll ich eine Bandage bekommen, dann kann ich auch endlich wieder einen normalen Schuh anziehen." Laut Prognose seines Arztes kann er in acht bis zehn Wochen wieder mit dem Lauftraining beginnen – schließlich will er in der Rückrunde wieder Fußball spielen und sich für eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags empfehlen. Dennoch wird von medizinischer Seite von einem sogenannten Invaliditätsgrad gesprochen. "Das bedeutet, dass alles möglich sein kann - irgendwann ist alles wieder in Ordnung, oder ich verspüre in zehn Jahren wieder Schmerzen und mein Fuß schwillt an."

Schadensersatzanspruch abgelehnt

Soweit der sportliche Aspekt, wie geht es nun rechtlich weiter? Während Saade zuletzt noch sagte, „dass mein Anwalt sich darum kümmert und ich mich nicht weiter dazu äußern möchte“, hat ihn jetzt ein Schreiben schockiert, das die Sportversicherung ARAG, bei der der SSV versichert ist, an Saades Anwalt Jürgen Scholz geschickt hat. „Dort stand drin, dass die Anlage sicher ist, es der erste Vorfall dieser Art war und deswegen ein Schadensersatzanspruch abgelehnt wird“, berichtet Saade.

Dabei gab es 2015 einen ähnlichen Fall, als in einem Kreisliga-Spiel auf der Jeddeloher Anlage ebenfalls ein Spieler in die Werbebande gerutscht war und sich schwer am Knie verletzt hatte. „Das kommt mir so vor, dass man diesen Unfall so abtut, als ob das ja mal passieren kann und es ein normaler Vorgang war – und man mich mit meinem Schaden allein lässt, dabei hätte ich daran sterben können.“ Daher wolle er nun mit Scholz alle Rechtsmittel ausschöpfen und klagen.

"Tut uns sehr leid, was Herrn Saade passiert ist"

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt Jürgen Ries, Vorsitzender des SSV Jeddeloh, einen ähnlichen Vorfall im Vorjahr. „In dieser Hinsicht hat das die ARAG falsch formuliert.“ Der grundsätzlichen Rechtsauffassung der Sportversicherung einer sicheren Anlage stimme man als Verein aber zu, denn die Anlage sei vom Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) geprüft und abgenommen worden. „Dennoch tut uns natürlich sehr leid, was Herrn Saade passiert ist.“

Im Jahr 2013 erhielt der SSV für seine Anlage die Genehmigung für den Oberliga-Spielbetrieb. Zur NFV-Prüfungskommission gehörte dabei auch Bernd Kettmann. „Wir bekommen aber natürlich nicht auf allen Plätzen in den verschiedenen Bezirken jede noch so kleine Veränderung mit und prüfen dann erneut. Dafür sind die Oberliga-Vereine selbst in der Pflicht mit ihren Sicherheitsbeauftragten. Gerade dann, wenn es einen Vorfall gab, müssen sie reagieren“, sagt Kettmann.