17. April 2018 / 06:00 Uhr

Horst Hrubesch wird 67: "Du, der Alte hat nicht gelogen. Der meinte das Finale"

Horst Hrubesch wird 67: "Du, der Alte hat nicht gelogen. Der meinte das Finale"

Raimund Hinko
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hrubesch damals und heute: Nach der EM 1980 mit dem Pokal und jetzt als Trainer.
Hrubesch damals und heute: Nach der EM 1980 mit dem Pokal und jetzt als Trainer. © imago/Getty
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Mit zwei Toren im EM-Finale 1980 schreibt Horst Hrubesch Geschichte. Heute feiert das einstige Kopfballungeheuer, das aktuell noch als Interimstrainer der DFB-Frauen aktiv ist, seinen 67. Geburtstag. Im SPORTBUZZER-Interview für die Serie „Diese eine Sekunde“ verriet Hrubesch 2016, was Karl-Heinz Rummenigge den Fotografen vor seinem entscheidenden Tor im EM-Finale 1980 zugerufen hat – und welche Rolle Papst Johannes Paul II. gespielt hat. Das steht aber erst am Ende. Als Höhepunkt. 

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Was ein schöner Schluss sein könnte, sei hier zu Beginn erwähnt. „Ich möchte bleiben, wie ich bin – ein bescheidener Mensch“, hat sich Horst Hrubesch auf dem Höhepunkt seiner Karriere gewünscht.

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Wenn Gerd Müller der Bomber der Nation ist, Thomas Müller der geschmeidige, torjagende Rhetoriker, Mario Götze, Andreas Brehme und Helmut Rahn Schützen entscheidender WM-Final-Tore, so ist Horst Hrubesch der Mister Europameister – vor allem wegen seines Auftritts 1980. Da rutscht er in letzter Sekunde, weil sich der Schalker Klaus Fischer das Bein gebrochen hatte, in den EM-Kader – und dann schießt er auch noch seine beiden ersten Länderspieltore. Nicht in irgendeinem Vorrundenspiel, sondern im römischen Olympiastadion beim 2:1 im Finale gegen Belgien. Und das auch noch mithilfe des damaligen Papstes Johannes Paul II.

Aber das steht am Ende des Interviews. Als Höhepunkt.

SPORTBUZZER: Herr Hrubesch, erst mit 24 sind Sie in die Bundesliga gekommen.

Horst Hrubesch: Ausschlaggebend dafür war ein 3:1-Sieg gegen den Wuppertaler SV, als ich zweimal traf. Da habe ich aus 15 Metern ein Kopfballtor gemacht, der Ball schlug ein wie der Blitz. In der Zeitung stand: „Achtung, Bundesliga – das Kopfballungeheuer kommt.“

Hrubesch, das Kopfballungeheuer. Im Zweitligajahr 1977/78 traf er für Rot-Weiss Essen sagenhafte 42-mal – Rekord im deutschen Profifußball. Über das Zusammenspiel mit Außenverteidiger Manfred Kaltz beim HSV und in der Nationalmannschaft prägte der wuchtige Mittelstürmer die Worte: „Manni Bananenflanke, ich Kopf – Tor!“

Kommen wir zur Mutter aller Hrubesch-Spiele, dem Finale von Rom bei der EM 1980. Eckball für Deutschland, Karl-Heinz Rummenigge nimmt den Ball, sagt zu den Fotografen: „Schaut in eure Linsen, jetzt fällt das Siegtor.“ Und dann kam Ihre Sekunde!

Kalles Worte haben wir alle mitbekommen. Wir hatten das trainiert. Kalle wusste, wo die Bälle hin mussten – und ich wusste, wo ich hinlaufen musste. Ich musste mich nur darauf konzentrieren, dass ich eher am Ball bin als Belgiens Torwart Jean-Marie Pfaff.

Im Finale sorgt Hrubesch (10. Minute) durch einen Schuss von der Strafraumgrenze für die Führung. René Vandereycken (75.) gleicht per Foulelfmeter aus. Hrubeschs große Sekunde kommt in der 88. Minute. Rummenigge Ecke, Hrubesch Kopf – Tor!

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Ich habe in Essen mit 1800 Mark Grundgehalt angefangen. Habe 15 000 Mark Jahresleistungsprämie gekriegt. Das war weniger als mein Gehalt, das ich als Dachdecker bekam. Später wurde der Vertrag angehoben auf 80 000 pro Jahr. Ich war immer zufrieden. Heute schätze ich es, dass ich mir über meinen Lebensabend keine Gedanken machen brauche.

Boateng, Neuer, Höwedes, Hummels, Özil und Co., die Sie in den Auswahlmannschaften groß gemacht haben, loben Sie immer überschwänglich.

Ich bin Dienstleister. Ich versuche den Jungs mitzugeben, wovon ich überzeugt bin. Du musst einerseits Egoist sein, andererseits Mannschaftsspieler. Ich gehe öfter mal mit drei, vier Spielern um die Ecke auf eine Tasse Kaffee.

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Ein Thema muss noch sein – Ihre besondere Beziehung zu Papst Johannes Paul II.


Ich bin nicht katholisch, sondern evangelisch. Wir wollten 1980 während des EM-Aufenthalts in den Petersdom. Beim ersten Mal hatten die Frauen nur Tops an, wir kamen nicht rein. Beim zweiten Mal hatten wir Männer kurze Hosen an, kamen auch nicht rein. Beim dritten Mal standen wir in seiner Nähe. Unter Hunderten von Leuten. Der Papst hat zwei Finger hochgehalten, mit den Augen in unsere Richtung. Der Journalist Gerd Krall sagte: „Er hat dich angeschaut. Du machst zwei Tore.“ Nach dem Griechenlandspiel (ein 0:0 zum Abschluss der Gruppenphase, als Deutschland bereits fürs Finale qualifiziert war – d. Red.) sagte ich: „Der Papst hat gelogen, ich habe kein Tor gemacht.“ Nach dem Finale war das Geschrei groß: „Du, der Alte hat nicht gelogen. Der meinte das Finale.“