28. Juni 2020 / 13:17 Uhr

Der lange Weg zurück in den Alltag: So hat der HSC die Zwangspause überstanden

Der lange Weg zurück in den Alltag: So hat der HSC die Zwangspause überstanden

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Beim HSC geht es langsam wieder los - aber anders als vor der Corona-Zwangspause.
Beim HSC geht es langsam wieder los - aber anders als vor der Corona-Zwangspause. © Debbie Jayne Kinsey
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Die Corona-Pandemie hat die Sportvereine in Hannover unvorbereitet und hart getroffen. Nach und nach wird das Sportverbot zwar gelockert, die Auswirkungen spüren die Klubs aber durchaus heftig. Der Hannoversche Sport-Club von 1893 hat wenig Austritte zu vermelden, dennoch gibt es ein Loch im Haushalt.

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Die Corona-Zwangspause bereitete vielen Vereinen in Hannover Sorgen um die Zukunft. Sie mussten an ihre Geldreserven gehen, um die Mitgliedereinbußen aufzufangen. Krisensitzungen fanden im Digitalen statt. Der Hannoversche Sport-Club von 1893 ging einen anderen Weg. Der Vorstand vertraute auf die Solidarität seiner Mitglieder – und wurde nicht im Stich gelassen.

Froh, die Bremse mehr und mehr lösen zu können

Die Verantwortlichen bemühen sich um umsichtige Gelassenheit – und sie sind froh, die Bremse mehr und mehr wieder lösen zu können. Am 22. Juni fand die erste gemeinsame Vorstandssitzung statt. Eine willkommene Rückkehr zum Alltag. Generell hat der HSC die Zwangspause gut überstanden.

Ganz ohne Aufreger ging das natürlich nicht. Nichtmitglieder kletterten immer wieder über die Absperrung und nutzten den Kunstrasenplatz als Treffpunkt. „Da mussten wir ab und zu etwas lauter werden“, sagt Wolfgang Niggeweg, zweiter Vorsitzender. Das Pro­blem lösten schließlich die Beamten. „Die Polizei hat hier gelegentlich eine Streife vorbeigeschickt, um Eindruck zu schinden“, sagt der 61-Jährige.

Bilder vom Sport beim HSC Hannover in der Corona-Pandemie

Bereitet das coronagerechte Training vor: Julia Krajewski, Übungsleiterin der D-Juniorinnen vom HSC. Zur Galerie
Bereitet das coronagerechte Training vor: Julia Krajewski, Übungsleiterin der D-Juniorinnen vom HSC. ©

Nicht die einzige Unterstützung der Stadt, die dem HSC zugutekam. Der Verzicht auf die Hallenmieten nahm dem Verein den Druck vom Finanzkessel. „Wir ha­ben beispielsweise Handball und die Fitness- und Gymnastiksparte, die viele Hallenzeiten benötigen. Durch den Erlass sparen wir eine ganze Menge Geld. Das er­hält uns mit am Leben“, betont Niggeweg, der darüber hinaus Kurzarbeit für die Mitarbeiter anmeldete. Ein wirksames Mittel gegen die Insolvenz.

Der Sommeraufschwung bleibt aus

Der Vereinschef konnte sich auf den Rückhalt der Mitglieder verlassen. Weniger als ein Dutzend Austritte musste der HSC verkraften. Dass der turnusmäßige Sommeraufschwung mit rund 100 neuen Sportlern in diesem Jahr ausbleiben würde, damit rechnete Niggeweg ohnehin. Dieses Loch im Haushalt gilt es zu stopfen.

Die Zwangspause nutzten die Athleten derweil für Alternativen zum gewohnten Training. Beim Tennis trafen sich die Spieler in der freien Zeit für eine gemeinsame Laufrunde, für die Fußball-B-Junioren erstellte das Trainerteam um Bastian Aschemann regelmäßig Athletikpläne, und beim Boule-Petanqué traf man sich zum Eins-gegen-eins auf den öffentlichen Plätzen. Alles nach Corona-Spielregeln.

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Tennisspielerin Nuray Tasdelen dachte dabei kein einziges Mal darüber nach, den HSC zu verlassen: „Wir als Mitglieder haben kein Entgegenkommen des Vereins erwartet. Es ist einfach selbstverständlich, dass man ihn auch in den Zeiten einer Krise unterstützt.“

"Viel anspruchsvoller geworden, eine Einheit zu planen"

Fitness-Spartenleiterin Renate Mohrmann be­schreibt die Zeit seit dem Restart als „sehr arbeitsintensiv“ und sagt: „Wir mussten die Gruppen untereinander noch aufteilen und dann zusehen, dass alle unter der Einhaltung der Hygieneregeln einigermaßen bespaßt werden.“

Und gerade bei den Jugendmannschaften sind Wachsamkeit und Geduld entscheidend. „Es ist sehr viel anspruchsvoller geworden, eine Trainingseinheit zu planen, da wir für die kleinen Gruppen jeweils ein individualisiertes Programm vorbereiten müssen“, erzählt der 26-jährige Aschemann, „aber grundsätzlich klappt es wirklich gut, dass die Jungs nicht zu früh aufs Gelände kommen und dass man in kleinen Gruppen zum Platz geht.“