17. Januar 2020 / 17:17 Uhr

HSC Hannovers Deniz Tayar über den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord

HSC Hannovers Deniz Tayar über den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord

Mark Bode
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Deniz Tayar vom HSC Hannover beim Kopfballduell (rechts im Bild).
Deniz Tayar vom HSC Hannover beim Kopfballduell (rechts im Bild). © Florian Petrow
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Gerademal einen Sieg kann der HSC Hannover nach 20 Spielen verbuchen. Die Mannschaft steht mit 11 Punkten auf dem letzten Platz der Regionalliga – kann der Klassenerhalt noch gelingen? Innenverteidiger Deniz Tayar gibt Antworten. 

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Der HSC wird in der Liga als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt – wie bewertet einer der erfahrensten Spieler in der Mannschaft die Situation?

Herr Tayar, Sie haben mit dem HSC in 20 Spielen nur einen Sieg geholt. Wieso sollte es noch mit dem Klassenerhalt in der Regionalliga klappen?

Es hat natürlich Gründe, warum wir dort unten stehen. Wir haben viele Spieler, die keine Regionalligaerfahrung besitzen. Dazu arbeiten wir alle noch hauptberuflich. Da haben wir natürlich gegenüber Teams, die unter Profibedingungen arbeiten, gewisse Defizite. Wir haben aber alle gelernt und können diese Erfahrung im neuen Jahr nutzen, um die Spiele erfolgreicher zu gestalten. Wir wollen mit Elan und Euphorie in die ausstehenden 14 Begegnungen gehen und die Liga rocken. Ich glaube zu 100 Prozent daran, dass wir die Liga noch halten können.

Wie soll das konkret aussehen?

Erst einmal ist jedem klar, dass wir als Absteiger Nummer eins gehandelt werden. Deshalb können wir befreit aufspielen. Wir müssen mit breiterer Brust auftreten, als es in der Hinrunde der Fall gewesen ist. Entscheidend wird sein, was wir in den ersten Spielen erreichen.

Da geht es gegen HSV II, Rehden, zu Werder II und gegen Norderstedt. Mit was für einer Ausbeute rechnen sie?

Es gab bislang – mit Ausnahme vom 0:6 bei St. Pauli II – keine Begegnung, in der wir klar unterlegen gewesen sind. Ich halte das für ein machbares Auftaktprogramm. Man weiß ja auch nie, wie gut die anderen Teams aus der Winterpause kommen. Wenn wir in diesen vier Partien mindestens sieben Punkte holen, besser wären natürlich zehn, dann wären wir wieder gut im Rennen. Das wäre für unser Selbstvertrauen verdammt wichtig. Wenn diese Euphorie erst einmal entfacht ist, dann setzt das ganz neue Kräfte beim Team frei.

Der Trainer hatte die mangelnde Fitness der Spieler als Mitgrund für das schlechte Abschneiden genannt und die Schuld dafür auf sich genommen. Wie sehen Sie das?

Wir hatten in der Tat eine sehr kurze Vorbereitung. Als wir mit dem Training begannen, waren viele andere Teams schon deutlich weiter. Es braucht eine gewisse Vorlaufzeit, bis die ganzen Automatismen und Abläufe funktionieren. Am Ende der jeweiligen Halbzeiten hatten uns teils die nötigen Körner gefehlt. Nach 25 Minuten kam oft eine Schwächephase.

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Coach Martin Polomka hat aus dem Fehler gelernt und startete sehr früh in die Wintervorbereitung. Dabei stand in den ersten Tagen reichlich Laufen auf dem Programm. Wie haben Sie das überstanden?

Natürlich schreit kein Fußballer „Juchu!“, wenn es in die Vorbereitung geht. Aber man weiß ja, wofür man sich da quält. Wenn man erfolgreich ist, dann hat sich die Schinderei gelohnt. Und ich bin überzeugt, dass es sich bei uns auch auszahlen wird. Natürlich sind die Beine nach rund 100 Kilometer Laufen etwas müde. Aber jeder Spieler ist auch für sich selbst verantwortlich und musste mit einer gewissen Basis in den Trainingsauftakt gehen.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich hatte vor einigen Jahren das Thaiboxen für mich als neue Leidenschaft entdeckt. In den vergangenen Monaten ist das zu kurz gekommen, das fehlte mir. Deshalb freue ich mich, das ich das jetzt wieder ausüben kann. Dazu bin ich laufen gegangen und habe mit Freunden im Soccerpark gekickt. Es gibt bei mir keinen Tag, an dem komplette Ruhe herrscht. Manchmal bin ich auch mit meinen beiden Jungs auf dem Bolzplatz.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Ich will für die jungen Spieler meiner Vorbildfunktion nachkommen. Das bedeutet: Ich will mit Leistungen vorangehen und dazu muss ich körperlich in einer guten Verfassung sein. Meine Erfahrung aus 17 Jahren Herrenfußball möchte ich weitergeben an Spieler, die lernwillig sind und auf mich zukommen.

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Ist das Team des HSC eine Einheit?

Wir kommen schon gut miteinander zurecht. Allerdings machen wir als Team noch zu wenig. Wir hatten im Sommer als Team eine Tischtennisplatte gekauft und machen da oft Rundlauf. Das ist aber viel zu wenig. Ein paar Spieler kommen vor dem Abschlusstraining an Sonnabenden zum Frühstück zusammen. Für mich als verheirateter Familienvater ist das aber nicht möglich.

Es gab in der Hinrunde gelegentlich Wortgefechte zwischen Spielern. Kommen die Spieler wirklich gut miteinander zurecht?

Ich finde diese Dinge gar nicht erwähnenswert. Wenn man in der Tabelle unten steht, dann kann doch niemand sagen, dass alles schön ist. Da kommen bei den Beteiligten auch mal die Emotionen raus. Aber das ist doch positiv zu bewerten. Das zeigt, dass die Mannschaft lebt und es ihr nicht egal ist, wenn sie ein Gegentor kassiert hat. Sich mal die Meinung zu geigen, ist völlig normal. Aber wenn man vom Platz runter geht, dann muss man sich immer noch die Hand geben und gegenseitig in die Augen schauen können.

Almir Kasumovic und Torben Deppe haben den Verein zum Winter verlassen. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde es sehr schade, dass die beiden gehen mussten. Ich wünsche ihnen nur das Beste. Ich werde beide vermissen.