18. Januar 2022 / 16:03 Uhr

HSC-Coach Vural Tasdelen über seine neue Aufgabe: "Ich habe lange überlegt"

HSC-Coach Vural Tasdelen über seine neue Aufgabe: "Ich habe lange überlegt"

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sein neues, altes Zuhause: Vural Tasdelen wechselt beim HSC von der Jugend zum Aushängeschild des Vereins.
Sein neues, altes Zuhause: Vural Tasdelen wechselt beim HSC von der Jugend zum Aushängeschild des Vereins. © Debbie Jayne Kinsey
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Zuletzt war Vural Tasdelen Jugendkoordinator beim HSC. Jetzt soll der 45-Jährige die Herren des Klubs von der Constantinstraße zum Klassenerhalt in der Regionalliga führen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der neue Trainer über diese Aufgabe - und erklärt sein Credo.

Herr Tasdelen, Ihr Name wurde schon im vergangenen Sommer beim HSC genannt. Was war dran an den Gerüchten?

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Ich denke, dass da viele Namen genannt worden sind. Dass dann mein Name gerade mit der entsprechenden Lizenz ins Spiel kommt, weil man viele Jahre im Verein ist, ist klar. Wir haben uns lose unterhalten, aber ich war nie darauf aus, irgendwann Trainer der 1. Herren zu werden. Das hat sich einfach entwickelt, und jetzt schauen wir, was wir daraus machen.

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Wo haben Sie Ihre Erfahrungen als Trainer gesammelt?

Ich bin durch und durch Jugendtrainer gewesen, habe beim HSC alle Jugendteams durch, von der G- bis zur A-Jugend. Das ist etwas, das nicht jeder von sich behaupten kann, hat mir unheimlich viel gegeben und mich geprägt. Ich möchte diese Zeit null Komma null missen.

Der HSC ist also Ihre erste Station als Herrentrainer...

Dass es dann gleichzeitig Regionalliga ist, macht die Sache natürlich sehr interessant. Das ist eine sehr große Herausforderung und eine Aufgabe, die ich mit sehr viel Respekt und Demut angehe. Aber ich bin in einer Zone, in der mich jeder kennt, in einer Komfortzone. Der Verein weiß, was er an mir hat, und ich weiß, was ich am Verein habe.


Bilder vom Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem HSC Hannover und Atlas Delmenhorst

Bilder vom Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem HSC Hannover und Atlas Delmenhorst Zur Galerie
Bilder vom Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem HSC Hannover und Atlas Delmenhorst © Debbie Jayne Kinsey

Haben Sie Angst, dass Sie sich etwas verbauen oder kaputtmachen könnten?

Nein, davor ist mir überhaupt nicht bange. Ich bin mir dann auch nicht zu schade, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, zu sagen, ich gehe wieder in den Jugendbereich. Aber ich freue mich jetzt erst mal auf diese neue Herausforderung.

Waren Sie der einzige Kandidat?

Kann sein, es kann aber auch sein, dass da noch andere mit im Roulette waren. Ich habe mich nicht beworben, wurde vom Verein direkt angesprochen und war, so wie ich es verstanden habe, der erste Ansprechpartner, weil sie bis zuletzt gehofft haben, dass ich es mache. Wobei ich lange überlegt habe, ob ich es mache.

Welche Rolle spielte die Familie?

Ich habe sie natürlich eingebunden in die Entscheidung. Das ist eine Sache, die zeitintensiv ist. Ich muss zusehen, dass ich das mit meinem Beruf in Einklang bringe. Das sind alles Dinge, die du dir durch den Kopf gehen lässt. Weil jeder, der mich kennt, weiß, wenn ich es mache, dann versuche ich, es so gut es geht zu tun, ich strebe keine Perfektion an, aber ich stecke da schon sehr viel Leidenschaft und Herzblut rein. Die Reaktion meiner Familie war: Papa, du musst das machen! Und das ist dann natürlich auch unterstützend.

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Was wird sich verändern?

Gleich bleiben wird auf jeden Fall der Trainerstab. Mein Ansatz ist, so wenig wie möglich zu verändern. Wenn sich der Trainer im Winter verändert, brauchst du da ein Stück weit auch eine Konstante. Dass ich ein anderer Trainertyp bin als Martin Polomka, das liegt in der Natur der Sache. Wie unterschiedlich die Spieler sind, so unterschiedlich sind auch die Trainer. In der Denke, in der Vermittlung der Dinge auf dem Platz. Da wird es schon die eine oder andere Veränderung geben.

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Inwiefern wird sich der HSC-Fußball in der zweiten Saisonhälfte von dem in der ersten unterscheiden?

Wir haben jetzt erst einmal eine sechswöchige Vorbereitungsphase, da werde ich versuchen, meine Ideen der Mannschaft zu vermitteln.

Die da wären?

Mein Spielstil ist offensiv denkend, nach vorne agierend, Fußball zu spielen, gegen den Ball auch kompakt zu agieren im Mannschaftsverbund und auf Balleroberung aus. Was für mich sehr, sehr wichtig ist, ist die Spielaktivität. Das ist elementar für das, was wir spielen wollen, dass wir immer aktiv im Spiel sind.

Haben Sie einen Leitsatz?

Ich habe ein Credo: Mach es deinem Mitspieler so einfach wie möglich. Das vermittelt auf der einen Seite sehr viel Demut, dass du von deinem Ego abtrittst und quasi als Dienstleister für deinen Mitspieler den Pass so spielen musst, dass er damit was anfangen kann. Aber auf der anderen Seite auch sehr viel Selbstbewusstsein. Um das machen zu können, musst du es auch können. Du musst von dir überzeugt sein. Dieses Credo halte ich für mich sehr hoch und das werden die Spieler wahrscheinlich bei jedem Training mindestens einmal hören.

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Erst hat Patrick Lehmann in Bavenstedt gepatzt, dann aber mit zahlreichen Glanztaten den Gegner in den Wahnsinn getrieben. Für seine starke Leistung beim 2:1 des TSV Pattensen ist der junge Torhüter mit 67,9 Prozent der Stimmen zum ersten Held der Woche der neuen Saison gewählt worden. ©

In die Abstiegsrunde geht es Anfang März mit nur neun Punkten – wenn der HSC die Klasse halten sollte, dann ...

... ist das sportlich ein sehr großer Erfolg. Die Mannschaft steht hundertprozentig hinter diesem Vorhaben. Das stimmt mich sehr zuversichtlich. Wir werden alles daransetzen, auch nächstes Jahr Regionalliga-Fußball an der Constantinstraße zu sehen.

Und wenn es nicht klappt?

Dann sehe ich das nicht als Scheitern an, sondern dann bedeutet das einfach einen Neustart in der Oberliga. Aber darüber habe ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken gemacht.

Wie lange haben Sie beim HSC unterschrieben?

Ich bin da total entspannt. Wir haben uns die Hände gereicht und schauen uns das jetzt erst einmal bis zum Saisonende an. Der Wunsch des Vereins ist, dass ich das über die Saison hinaus mache. Ob ich weitermache oder nicht, hängt auf jeden Fall nicht von der Liga ab.