24. Januar 2019 / 15:16 Uhr

HSC-Erfolgstrainer Martin Polomka im Interview: "Der Verein beantragt die Lizenz für die Regionalliga"

HSC-Erfolgstrainer Martin Polomka im Interview: "Der Verein beantragt die Lizenz für die Regionalliga"

Mark Bode
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Polomka, Trainer des HSC Hannover, gibt Anweisungen.
Erfolgstrainer des HSC Hannover: Martin Polomka © Florian Petrow
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Er ist der Vater des Erfolgs beim HSC Hannover: Trainer Martin Polomka führte seine Mannschaft von der Landesliga bis auf Platz zwei der Oberliga. Damit sind sie ein ernsthafter Anwärter auf den Aufstieg in Regionalliga. Im ersten Teil des Interviews spricht er über die bisherige Saison, den Lizenz-Antrag für die vierte Liga und erklärt warum ein Zahnarzt seine Spieler besser macht.

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Herr Polomka, können Sie Ihren Erfolg mit Platz zwei zur Winterpause als Oberliga-Aufsteiger eigentlich richtig fassen?

Wir haben damit in keiner Weise gerechnet. Wir wollten erst einmal in der Liga ankommen und uns etablieren. Wir hatten viele Verletzte und konnten nur zweimal mit derselben Aufstellung spielen. Trotzdem haben die Jungs das ganz toll gemacht.

"Mannschaft funktioniert"

Und Sie setzen sehr auf junge Talente …

Wir haben in anderthalb Jahren 13 Spieler eingebaut, die unter 23 Jahren sind oder aus der eigenen Jugend kommen. Das hat kein anderer Verein auf diesem Niveau erreicht! Leider wird das medial kaum thematisiert.

Stattdessen heißt es von außen immer, dass wir uns nur namhafte Leute geholt haben. Christopher Schultz habe ich aus Misburg mitgebracht, der führt die Torjägerliste mit zehn Treffern an. Igor Antunovic ist durch ein Probetraining aus der Kreisliga bei Croatia zu uns gekommen.

Ladji Junior Doumbia hat in der 1. Kreisklasse in Peine gespielt, Fabian Weigel kam aus unserer eigenen Jugend. Björn Liebnau spielt mittlerweile beim FC Schalke 04. Das sind tolle Geschichten und es ist der Schlüssel zum Erfolg.

Fotos zum Stadtderby zwischen dem HSC Hannover und Hannover 96:

Noah Joel Sarenren Bazee im Laufduell mit Niklas Kiene und Steffen Von-Pless. Zur Galerie
Noah Joel Sarenren Bazee im Laufduell mit Niklas Kiene und Steffen Von-Pless. ©
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Denn die Mannschaft ist sehr hungrig, die Balance und der Teamspirit stimmen. Die Mannschaft funktioniert als Einheit hervorragend und Spieler wie Ferhat Bikmaz, Deniz Tayar oder Torben Deppe geben der Jugend mit ihrem großen Erfahrungsschatz die nötige Stabilität, um sich zu entwickeln.

Wann haben Sie gemerkt, dass für den HSC in der Saison mehr drin ist als nur der Klassenerhalt?

Nach fünf, sechs Spielen hatte ich das Gefühl, dass genügend Potential vorhanden ist um mit einer optimalen Vorbereitung jedes Team zu schlagen.

Hinzu kamen noch der Glaube und das Selbstbewusstsein der Jungs, sie gingen zwar mit Respekt, aber einer absoluten Überzeugung in jedes Spiel.

Sehr beeindruckend war das Spiel vor 1500 Zuschauern in Delmenhorst, wo wir die ersten Minuten extrem präsent und selbstbewusst aufgetreten sind. Was für einen Aufsteiger nicht selbstverständlich ist.

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Das gleiche war im Testspiel gegen Hannover 96 zu sehen, auch dort sind die Jungs raus und haben einfach Gas gegeben, obwohl Ihnen auf der anderen Seite ein übermächtiger Bundesligist gegenüberstand. Auch wenn der 2. Tabellenplatz sehr gut aussieht, war dieses für uns überhaupt nicht entscheidend. Wir wollten in der Liga Akzente setzen und das ist uns gelungen.

Sie haben unter anderem bei Eintracht Braunschweig II gewonnen. Nächstes Jahr könnte es gegen die erste Mannschaft gehen …

Das wäre natürlich ein Traum. Wir durften uns bei dem Spiel schon im Stadion umziehen, haben aber auf einem Nebenplatz gespielt. Als wir im Trainerteam nach dem 3:2 über den Platz des Stadions zurück in die Kabine gingen, haben wir uns umgeguckt und uns gesagt, dass es sich richtig lohnen kann, sich den Hintern aufzureißen.

Denn wir könnten die Chance bekommen, in diesem Stadion zu spielen. Da hatten alle ein Funkeln in den Augen.

"Da wurde mir bewusst, dass die Jungs es wollen"

Das Ziel lautete bislang Klassenerhalt. Wie lautet es nun?

Sportmanager Frank Kittel und ich haben mit den Spielern viele Einzelgespräche geführt, um ganz offen über die bisherige Saison zu sprechen. Die meisten haben sofort die Frage gestellt, ob wir die Lizenz für die Regionalliga beantragen. Da wurde mir bewusst, dass die Jungs es wollen. Daher wird der Verein die Lizenz beantragen.

Kann an der Constantinstraße denn Regionalligafußball gespielt werden?

Es gibt in Kürze eine Begehung auf der Anlage mit Vertretern der Stadt Hannover, dem Verband, der Feuerwehr und der Polizei. Dabei geht es darum, wie man das Stadion herrichten muss.

Das beinhaltet unter anderem einen separaten Gästeeingang, Sitzplätze, Toiletten und Verköstigung für Heim- und Auswärtsfans, Spielertunnel und Flutlicht. Das ist schon eine richtige Hausnummer. Der Verein ist jedoch auf einem guten Weg. Wobei für mich persönlich aktuell eher die sportlichen Belange im Vordergrund stehen.

Der HSC sieht sich als Breitensportverein. Wie ist das mit Leistungssport vereinbar?

Es ist Sache des Vereins, sich da intensiv Gedanken drum zu machen. Frank Kuhlmann und Frank Kittel sind seit Jahren aktiv. Für mich sind die beiden Visionäre, die mit Martin Mader und vielen anderen immer wieder neue Ideen entwickeln.

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LESENSWERT

Mir war wichtig, dass der Verein nicht nur redet, sondern wirklich handelt und das große Ziel Regionalliga verwirklichen will. Vielleicht braucht es etwas mehr Zeit und Planung, da man keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen möchte, dafür ist es langfristig und nachhaltig gedacht.

Der HSC ist von der Infrastruktur mit fast 2000 Mitgliedern und 35 Mannschaften schon sehr gut aufgestellt. Es haben sich schon viele Personen vor meiner Zeit Gedanken gemacht und vielleicht bin ich ein Stück weit zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gelandet um meine Vorstellungen und Ideen verwirklichen zu können(lacht).

Im Amateurbereich ist der HSC der beste Verein der Stadt.

Inwiefern profitieren Sie vom Abstieg aus der Oberliga vor zwei Jahren?

Ich profitiere sehr davon. Rainer Behrends und Frank Kittel haben sich damals um die Mannschaft gekümmert, Martin Mader als Teammanager um das Drumherum. Damals war der HSC einfach nicht optimal aufgestellt. Danach hat sich der Verein intensiv hinterfragt und festgestellt, die Oberliga geht nicht als One-Man-Show.

Wie sieht es jetzt aus?

Wir haben 15 Personen, die sich um die Mannschaft kümmern. Dieser Apparat hat auf jeden Fall Regionalliganiveau. Davon profitieren alle Spieler und das ist mir sehr wichtig. Nur so können wir die Jungs fördern und fordern.

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Wenn sich ein Spieler aus der U23 oder U19 verletzt, geht er zu einem unserer Physiotherapeuten. Mit Wego Kregehr haben wir eine Kooperation. Das ist Qualität. Das bringt uns mehr, als noch irgendwo einen Spieler wegzuholen. Ich würde Infrastruktur immer einem Transfer vorziehen.

"Wenn es an den Zähnen ein Problem gibt..."

Sie gehen manchmal kuriose Wege. Wo kam die Idee her, dass Ihnen ein Zahnarzt weiterhelfen kann, um die Spieler besser zu machen?

Das hat sich zufällig ergeben und wurde im Trainerteam thematisiert. Ich kam mit ihm mal ins Gespräch und er erzählte mir vieles über das Nervensystem, mögliche Entzündungen im Mundbereich und daraus resultierende Schwächen bei der Reaktionsschnelligkeit.

Zunächst war ich etwas skeptisch, aber es klang doch logisch. Und so haben wir vereinbart, dass alle Spieler zu ihm zur Untersuchung gehen.

Was hat denn eine Entzündung mit schlechterer Fußballqualität zu tun?

In dem Bereich von Oberliga aufwärts geht es meist nur um Kleinigkeiten. Deshalb kann es entscheidend sein, wie schnell ein Spieler in einer bestimmten Situation auf dem Spielfeld reagiert.

Grob zusammengefasst: Wenn es an den Zähnen ein Problem gibt, dann kann das ins Unterbewusstsein gehen und der Körper arbeitet. Dadurch verliert man Handlungsschnelligkeit und die ist in diesen Ligen existentiell.

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