20. März 2020 / 17:04 Uhr

HSG-Nord-Trainer appelliert zu Aufstiegsrelegation

HSG-Nord-Trainer appelliert zu Aufstiegsrelegation

Matthias Preß und Christian Meyer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Regionsliga-Handballerinnen der HSG Nord Edemissen II (blau-weiß) hoffen, trotz der Corona-Krise als Tabellendritter noch aufsteigen zu können.
Die Regionsliga-Handballerinnen der HSG Nord Edemissen II (blau-weiß) hoffen, trotz der Corona-Krise als Tabellendritter noch aufsteigen zu können. © Ralf Büchler
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„Wie soll die Handball-Saison bei einem Abbruch aufgrund der Corona-Krise gewertet werden?“, wollte die PAZ-Sportredaktion von Peiner Trainern wissen. Edgar Rot, Trainer der drittplatzierten Regionsliga-Handballerinnen der HSG Nord hofft zumindest auf eine Aufstiegsrelegation, andere wünschen sich, dass es keine Absteiger gibt.

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Das nennt man dann wohl eine Vollbremsung: Während Peines Handballer noch um Auf- und Abstieg bangen, haben der Vorstand der Handball-Bundesliga der Frauen und der Landesverband Hessen aufgrund der Corona-Krise bereits Fakten geschaffen. In Hessen entscheidet die aktuelle Tabelle vor der Punktspiel-Zwangspause über Auf- und Abstieg, die Frauen-Bundesliga gab dagegen bekannt, dass es keine Absteiger geben wird.

Peines Trainer haben unterschiedliche Wünsche, wie die Saison gewertet werden soll. Aber so wie PSG-Coach Lutz Benckendorf denken wohl alle: „Ich beneide die Leute nicht, die darüber gerade entscheiden müssen, obwohl sie nichts dafür können."

HSG Nord Edemissen II

Ihre jüngsten Ausrutscher in der Regionsliga wollten die derzeit drittplatzierten Edemisserinnen unbedingt noch wettmachen und den Aufstieg in die Regionsoberliga herauswerfen. Würde die Saison annulliert oder der derzeitige Tabellenstand eingefroren, wäre der Aufstiegstraum geplatzt. „Das wäre fatal für uns. Ich bin ein absoluter Gegner dieser Regelung, damit würde unsere nachhaltige Arbeit nicht gewürdigt", betont HSG-Trainer Edgar Rot, der auch die A-Juniorinnen der Spielgemeinschaft coacht. Und vor allem an die denkt er bei seinem Einwand. Die HSG Nord will aufsteigen, um den Talenten in einer adäquaten Spielklasse Spielzeit bei den Erwachsenen zu geben, die nicht auf Anhieb den Sprung ins Landesliga-Team schaffen. „So können wir sie besser heranführen."

Deshalb appelliert Edgar Rot an den Verband, zumindest eine Aufstiegsrelegation durchzuführen. Wird das nicht berücksichtigt, würde sein Team sogar noch für faires Verhalten bestraft werden. Denn: „Wir haben mehrere Spiele auf Wunsch des Gegners verlegt, die sonst schon in der Wertung wären", erläutert Rot, der derzeit aber täglich merkt, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als den Sport. Rot absolviert ein duales Studium bei der Stadt Braunschweig, da gerade vorlesungsfreie Zeit ist, hilft er am Service-Corona-Telefon des Gesundheitsamts aus. Und das schellt fast durchgehend. „Die Bevölkerung ist sehr verunsichert."

MTV Groß Lafferde I

„Es ist noch zu früh, um über einen Saisonabbruch zu entscheiden“, sagt MTV-Trainer Dennis Bühn. „Eine solche Entscheidung nach Paragraf 52 der Spielordnung setzt voraus, dass die Spielleitung alle Möglichkeiten geprüft hat, um nach ihrem Ermessen so zu entscheiden.“ Und vielleicht gäbe es ja noch andere Wege.

Seiner Mannschaft kommt die Zwangspause zurzeit zugute. „Unsere Verletzten kehren zurück.“ Bei einem Saisonabbruch würde Bühn die „Null-Wertung“ bevorzugen. „Das träfe einige allerdings ins Mark, wie den Oberliga-Spitzenreiter MTV Braunschweig. Der Verein hat viel Geld in die Hand genommen und darf dann nicht aufsteigen.“ Andererseits würde die Wertung nach der Hinrunde zum Nachteil einer Mannschaft wie HSG Nienburg II in der Verbandsliga werden. „Die standen nach der Hinrunde unten. Und jetzt nicht mehr.“ Bühn ist froh, dass er diese Entscheidung nicht treffen muss.

Das Training geht indes weiter – nur nicht gemeinsam. „In der ersten Woche nach der Sperre sollten die Jungs zwei Läufe á 40 Minuten machen. In der zweiten Woche wird das etwas erhöht auf dreimal 30 Minuten. Die Ergebnisse schicken sie mir über eine App.“ Obendrein soll jeder individuell mit Theraband oder ähnlichem trainieren. Es kann ja sein, dass doch noch mal gespielt wird.

MTV Groß Lafferde II

Auf Spiele mit dem Landesliga-Aufsteiger MTV hatte sich Trainer Eckhard Meyer nicht nur aus sportlichen Gründen gefreut – er sah dort auch regelmäßig seinen Sohn Sebastian. Jetzt arbeitet der Coach im Home-Office an seinem Arbeitsort in Hamburg und sein Rückraum-Schütze im Home-Office in Groß Lafferde. Und das wird aufgrund der Corona-Krise wohl auch noch Wochen dauern. Deshalb befürchtet Eckhard Meyer, dass er mit der MTV-Reserve den Klassenerhalt sportlich nicht mehr aus eigener Kraft schafft. „Mein Wunsch wäre natürlich, dass die Saison weitergespielt werden kann, aber das ist unrealistisch, es wird keinen Anpfiff mehr geben", sagt Meyer.

Nun hofft er zumindest, dass die Saison annulliert wird. „Aber realistischer ist wohl, dass die Hinspiele gewertet werden", ahnt der MTV-Trainer. Und dann könnte es passieren, dass die Groß Lafferder als Drittletzter absteigen müssen. Das sei vor allem ärgerlich, „weil in den letzten Spielen eine deutliche Leistungssteigerung zu sehen war, wir hatten zu unserem Spiel gefunden und hätten es noch geschafft", betont Meyer. Er ist sich jedoch sicher, dass die Mannschaft einen Abstieg mit Fassung tragen würde, kein Spieler deshalb den Verein verlässt und die MTV-Zweite den sofortigen Wiederaufstieg anpeilt. „Wir kriegen noch sehr gute A-Jugendliche dazu. Ich bin überzeugt: In der nächsten Saison sind wir noch stärker und machen uns sofort wieder auf den Weg nach oben."

Mehr regionaler Handball

PSG 04 Peine

Als Tabellenvorletzter der Regionsliga sind die PSG-Handballerinnen akut abstiegsgefährdet, doch nach der Entscheidung der Handball-Bundesliga der Frauen ist PSG-Trainer Lutz Benckendorf optimistisch, dass auch sein Team nicht absteigen muss. „Ich finde alle Lösungen schön, die uns in der Klasse halten. Ich vermute auch stark, dass es darauf hinausläuft, die Entscheidung der Bundesliga auf alle anderen Ligen zu übertragen", sagt er. Nicht nur aus sportlichen Gründen sei der Klassenerhalt wichtig für sein Team – sondern auch für die Außendarstellung. „Als Regionsliga-Team haben wir eine höhere Presse-Präsenz, als Regionsklassist erscheint nur noch eine Tabelle von uns", begründet Benckendorf.

Seinen Spielerinnen hat er empfohlen, in der trainings- und spielfreien Zeit zumindest zweimal pro Woche individuell zu trainieren, zum Beispiel zu joggen oder Stabilisationsübungen zu absolvieren. Den Jugend-Spielerinnen der PSG aus den D- und E-Juniorinnen will der Trainer zudem nächste Woche Balltechnik-Hausaufgaben schicken. Die Youngster sollen etwa zählen, wie oft sie den Ball in einer vorgegebenen Zeit zwischen den Beinen mit Handwechsel kreisen lassen können. „So eine Übung verbessert die Technik ungemein", sagt Benckendorf. Und die Eltern sind sicherlich froh über jede schöne Beschäftigung für ihr Kind.

SG Zweidorf/Bortfeld

Sigurt Grobe, Leiter der SG Zweidorf/ Bortfeld, geht davon aus, dass der niedersächsische Handballverband die Saison abbrechen wird so wie es der hessiche Verband vorgemacht hat. Grundlage dafür sei der Paragraf 52 der DHB-Spielordnung. Seinen Humor hat Grobe dennoch nicht verloren: Die Derby-Niederlage gegen die HSG Nord Edemissen in der Landesliga der Männer hätte dann ihre positive Seite, meint er. „Ich bin ja froh, dass wir nun drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter HG Elm haben und nicht nur einen. Dann müsste ich mich ja noch mehr ärgern!“

Die zweite Herrenmannschaft der SG ist zwar gerade auf den ersten Platz der Regionsoberliga geklettert, aber in die Landesliga aufsteigen könnte sie bei einem Saisonabbruch mit einem „Einfrieren“ der aktuellen Tabelle nicht. Denn die erste Mannschaft hätte keine Chance mehr, aus der Landes- in die Verbandsliga aufzusteigen. „Aber egal, wie es entschieden wird: Es würde immer mit Glück oder Pech für manche Mannschaften verbunden sein.“ Sportlich fair könne es bei einem Saisonabbruch so oder so nicht sein. „Aber so ist das dann eben“, stellt Grobe fest. „Was passiert, wenn ich mich darüber aufrege? Nichts!“

Größere Probleme als im Seniorenbereich würde es im Jugendbereich nach sich ziehen. „Die Saison zu wiederholen ginge da nicht, weil viele eine Altersklasse hochrücken.“ Ab dem 29. April sollte die Jugend-Relegation gespielt werden, bis zum 29. März sollten sich die Teams anmelden können. „Ich bin gespannt, wie das gehändelt wird.“

MTV Vater Jahn Peine

Für die Oberliga-Handballerinnen aus Peine wäre es egal, wie die Wertung bei einem Saisonabbruch ausfällt. Sie sind Spitzenreiter und wollen nicht aufsteigen. Für Trainer Marco Wittneben wäre eine Saisonabbruch dennoch „ein Gau“. „Wir könnten regulär Meister werden und sind im Final Four.“

Andererseits würde es für einige Mannschaften schwierig werden, wenn die Saison noch fortgesetzt wird. Fehlende Hallenkapazitäten oder geplante Urlaube könnten problematisch werden. „Über die Pause freut sich keiner“, sagt Wittneben. „Aber viele haben jetzt auch andere Sorgen, und der Sport ist zwei trangig.“