12. Mai 2019 / 21:00 Uhr

Kommentar zum Hamburger Debakel: Der HSV braucht eine neue DNA

Kommentar zum Hamburger Debakel: Der HSV braucht eine neue DNA

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Hamburger SV hat den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Für <b>SPORT</b>BUZZER-Redakteur Sebastian Harfst sind die Probleme des HSV hausgemacht.
Der Hamburger SV hat den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Für SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst sind die Probleme des HSV hausgemacht. © dpa
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Der Hamburger SV hat den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga klar verpasst. Das ist selbst verschuldet, weil dem Klub immer noch ein echtes Konzept fehlt, findet SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst. 

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Vor dieser Saison wäre diese Nachricht undenkbar gewesen. Der Hamburger SV scheitert am großen, ja dem einzigen Ziel, das er sich nach dem ersten Abstieg nach 55 Jahren Bundesliga gesteckt hatte: dem direkten Wiederaufstieg. Fans dieses einst so stolzen und erfolgreichen Klubs mögen das betrauern, ihre Emotionalität ist nur allzu verständlich. Immerhin steht der HSV für Meisterschaften, einen Europapokalsieg, Pokaltriumphe und Ikonen wie Uwe Seeler, Felix Magath und Horst Hrubesch.

Doch beim nüchternen Blick auf die vergangene Zweitligasaison und die vielen schwierigen Jahre zuvor müssen auch die hartgesottenen Fans ernüchtert feststellen: Dass der HSV nicht aufgestiegen ist, war keine Folge von fehlendem Glück.

50 ehemalige Spieler des Hamburger SV – und was aus ihnen wurde

Stig Töfting, Ruud van Nistelrooy, Anthony Yeboah und Rafael van der Vaart – vier absolute HSV-Legenden. Doch was machen sie heute? Wir haben die Wege von 50 ehemaligen Spielern des Hamburger SV weiterverfolgt – zum Durchklicken: DAS machen die Ex-Stars heute. Zur Galerie
Stig Töfting, Ruud van Nistelrooy, Anthony Yeboah und Rafael van der Vaart – vier absolute HSV-Legenden. Doch was machen sie heute? Wir haben die Wege von 50 ehemaligen Spielern des Hamburger SV weiterverfolgt – zum Durchklicken: DAS machen die Ex-Stars heute. ©
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Deshalb ist der Nichtaufstieg des Hamburger SV verdient

Der Schlamassel des Hamburger SV hat sich abgezeichnet und er ist auch verdient. Denn…

  • ... der HSV hat in einer schwachen 2. Liga sportlich einfach nicht überzeugt. Zehn Niederlagen und acht Unentschieden in bisher 33 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Dazu die desolate Tordifferenz: Der Klub, der sich in Liga zwei einen Millionenstürmer wie Pierre-Michel Lasogga leistet, hat nur 42 Tore geschossen und ebenso viele kassiert. 42:42 – ein Trauerspiel sowohl links wie rechts des Doppelpunktes. Dabei wäre es doch so einfach gewesen. Der bereits aufgestiegene und als Zweitligameister feststehende 1. FC Köln hat selbst neunmal verloren. Das ist eines Aufsteigers eigentlich unwürdig. Die 2. Liga wurde früher gern als beste 2. Liga der Welt beworben. Diese Zeiten sind vorbei – der HSV hat seinen Anteil daran.
Mehr zum HSV-Debakel
  • ... der HSV hat es nicht geschafft, Struktur in das Personalchaos der vergangenen Jahre zu bekommen. Der bemitleidenswerte Hannes Wolf, für den der HSV ein ganz bitterer Karriereknick darstellt, ist der zehnte Trainer in nicht einmal sechs Jahren. Allein in diesem Jahrzehnt waren 17 Trainer in Hamburg am Ruder. Zuletzt scheiterten der routinierte Ex-Profi Bruno Labbadia, der kühle Markus Gisdol, der hemdsärmelige Bernd Hollerbach, der Fußball-Wissenschaftler Christian Titz und nun der junge Wilde Wolf. Was zum nächsten Punkt führt, dass ...
  • ... der HSV seit Jahren erfolglos nach einem Konzept sucht. Welch große Namen sich da in verantwortlicher Position getummelt haben: Dietmar Beiersdorfer, Heribert Bruchhagen, Jens Todt, nun Ralf Becker und Bernd Hoffmann – keinem ist es bis hierhin gelungen, den Absturz dieses Klubs zu stoppen, geschweige denn, ihm eine wie auch immer geartete neue DNA, die über die Wahrung der großen Tradition hinausgeht, zu verpassen. Die Mannschaft? Ein wahllos zusammengestelltes Ensemble. Nur wie sollte das auch anders sein, wenn ständig die Führungskräfte und die Trainer ausgetauscht werden und somit niemals eine eigene Handschrift entwickelt werden kann. Dann schlingert der Klub halt weiter selbstverursacht durch die 2. Liga. Besserung? Nicht in Sicht.
  • ... der HSV hat es nicht geschafft, sich von Mäzen Klaus-Michael Kühne zu emanzipieren. Der schwerreiche Unternehmer buttert viel Geld in seinen Herzensverein und nimmt sich dafür das Recht heraus, die Abläufe im Klub zu kritisieren. Das mag nachvollziehbar klingen, sorgt aber regelmäßig für Unruhe und ist ein ständiger Stressfaktor. Übrigens auch, wenn Kühne mal wieder ankündigt, sein Engagement runterfahren zu wollen und in Hamburg deswegen die ganz große Existenzangst ausbricht.

HSV in der Einzelkritik gegen den SC Paderborn

Der Hamburger SV kann den Aufstieg in die Bundesliga nach der Niederlage beim SC Paderborn wegen der schlechteren Tordifferenz nicht mehr erreichen. Alle HSV-Spieler hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
Der Hamburger SV kann den Aufstieg in die Bundesliga nach der Niederlage beim SC Paderborn wegen der schlechteren Tordifferenz nicht mehr erreichen. Alle HSV-Spieler hier in der Einzelkritik. ©

So bleibt das Bild eines Vereins, der die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hat. Der lieber schönen Zeiten mit „uns Uwe“ hinterhertrauert, als den anstrengenden, arbeitsreichen Weg eines echten Neuaufbaus einzuschlagen. Denn nur der könnte den HSV langfristig wieder dorthin führen, wo er gefühlt irgendwie noch immer hingehört: in die Spitzengruppe der 1. Fußball-Bundesliga.

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