29. Juni 2020 / 17:22 Uhr

HSV erneut gescheitert: Das sind die Gründe des Hamburger Absturzes

HSV erneut gescheitert: Das sind die Gründe des Hamburger Absturzes

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Der HSV verpasste durch das 1:5-Debakel gegen Sandhausen erneut den Sprung in die Bundesliga.
Der HSV verpasste durch das 1:5-Debakel gegen Sandhausen erneut den Sprung in die Bundesliga. © imago images/Montage
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Der HSV wird nach einem blamablen Auftritt gegen den SV Sandhausen ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga verbringen. Ein Entkommen aus der Abwärtsspirale ist aktuell nicht absehbar. Der SPORTBUZZER nennt die Gründe des Hamburger Absturzes.

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Die Sonne strahlte am Montag über Hamburg, die Elbphilharmonie glitzerte silbern, die Alster verführte zum Bootfahren, die Straßencafés in der Schanze lockten schon am Vormittag zum Latte Macchiato, ein herrlicher Tag. Wenn man sich nicht für Fußball interessiert. Die aber, die mit dem Hamburger SV mitfiebern, die hatten keinen Sinn für die Schönheiten ihrer Stadt. „Ihr seid soooo doof“ schrie die Bild in großen Buchstaben stellvertretend für die Fans in Richtung des Vereins.

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Um zehn Uhr trafen sich am Tag nach der „historischen Blamage“ (Hamburger Abendblatt) gegen den SV Sandhausen das gescheiterte Trainerteam um Dieter Hecking mit den gescheiterten Spielern und dem gescheiterten Sportdirektor Michael Mutzel. Der gescheiterte Sportvorstand Jonas Boldt wird auch dabei gewesen sein. Danach ging es für die Profis in den Urlaub. Viele werden nicht zurückkommen. Ob das auch für den Trainer gilt, ist noch offen. Die sportliche Leitung will in den nächsten Tagen das erneute Versagen analysieren und dann Schlüsse ziehen, „ob es in der neuen Saison klappen kann“, wie Hecking sagte.

Nach allen „normalen“ Gesetzen des Fußballgeschäfts und insbesondere beim HSV müsste Hecking nun also mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werden. So wie im letzten Jahr, als der damalige Vorstandschef Bernd Hoffmann von „sportlichem Systemversagen“ sprach und Trainer Hannes Wolf und Sportchef Ralf Becker nach dem Nicht-Aufstieg gehen mussten. Zusätzlich kamen 15 neue Spieler. Dabei heraus kam das gleiche Versagen. „Wir alle sind im Großen und Ganzen gescheitert, auch die sportliche Leitung“, sagte Hecking.

50 ehemalige Spieler des Hamburger SV – und was aus ihnen wurde

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Was sind die Gründe für die seit elf Jahren anhaltende Abwärtsspirale beim HSV?

Das Druckproblem: Es ist ein Fall für gute Sportpsychologen. Denn Druck und Erwartungen sind riesig in Hamburg. „Das Trikot eines Traditionsvereins wiegt schwer“, sagte Ex-HSVer Dennis Aogo als Sky-Experte. Es hat sich um den Verein eine sich selbsterfüllende Versagensangst eingeschlichen, ein Fluch, eine dunkle Wolke. Begleitet von Häme und Schadenfreude von außerhalb. Die Angst vor der Niederlage schien bei vielen Spielern wieder größer als die Gier auf Erfolg. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist nicht gelungen.

Das Konzentrationsproblem: Entscheidende sechs Punkte hat der HSV in vier Spielen durch Gegentore in der Nachspielzeit in den Corona-Geisterspielen verschenkt. „Wir haben den Aufstieg nicht gegen Sandhausen verpasst“, sagte Hecking. „Die späten Gegentore haben viele mentale Körner gekostet, es kostet Kraft, sich immer wieder aufzubauen.“ Am Ende war diese Kraft nicht mehr da.

Das Spielerproblem: Profis wie Adrian Fein, Sonny Kittel oder Lukas Hinterseer, die eine starke Hinrunde gespielt haben, sind am Ende völlig eingebrochen. Ewerton und Louis Schaub waren komplette Fehleinkäufe. Nur Jeremy Dudziak und Tim Leibold überzeugten durchgehend, sie sind allerdings nun Verkaufskandidaten, um die leeren Kassen zu füllen. Ebenso wie Torwart Julian Pollersbeck. Der ausgeliehene Joel Pohjanpalo wird zu Bayer Leverkusen zurückkehren, Martin Harnik zum SV Werder Bremen.

Das Finanzproblem: Natürlich müssten die Kaderkosten (30 Millionen Euro) reduziert werden. Klaus-Michael Kühne muss überzeugt werden, weiterhin die Namensrechte für das Volksparkstadion zu bezahlen (4 Millionen Euro), Emirates sollte auf seine Ausstiegsklausel aus dem Sponsorenvertrag verzichten.

Die Trainerfrage: Hecking hat signalisiert, dass er weitermachen möchte, auch Boldt denkt in diese Richtung. Kontinuität, das wäre mal was Neues und einen Versuch wert. Denn dass dies die Basis für Erfolg ist, hat Heidenheim gezeigt.