23. Oktober 2018 / 16:03 Uhr

Kommentar zur Titz-Entlassung: In Sachen Planlosigkeit bleibt der HSV erstklassig

Kommentar zur Titz-Entlassung: In Sachen Planlosigkeit bleibt der HSV erstklassig

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
HSV-Sportchef Ralf Becker hat die Trennung von Trainer Christian Titz bekanntgegeben.
HSV-Sportchef Ralf Becker hat die Trennung von Trainer Christian Titz bekanntgegeben. © imago/Team 2
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Die Entlassung von Trainer Christian Titz verdeutlicht einmal mehr, woran es dem Hamburger SV fehlt: Geduld und der Mut zu einem klaren Plan - meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Nun also Christian Titz. Flügeltür auf, Ex-Trainer hindurch geschoben, dann Hannes Wolf als neuen Coach herein gewunken. Wie sie das beim HSV in schöner Regelmäßigkeit so machen. Man kann das Verlässlichkeit nennen. Der Vokabel gegenüber wäre das aber unfair. Zur Erinnerung: Der HSV liegt in der 2. Liga zwei Punkte hinter Spitzenreiter 1. FC Köln, einen Zähler hinter Aufstiegsrang zwei. Der passende Zeitpunkt für den 18. Trainerwechsel seit Sommer 2008? Eher nicht. Zumal Titz bei den Hamburgern noch im vergangenen Mai als eine Art Erfinder des modernen Fußballs galt.

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Das war direkt nach dem Abstieg. "Big Titz", jubilierten sie in der Hansestadt dennoch und freuten sich diebisch über die Doppeldeutigkeit der Formulierung. Der Dino war tot, es lebe der Trainer, den man im Brustton der Überzeugung groß nennen konnte. Ob Titz nach dem gescheiterten Versuch mit Markus Gisdol und dem desaströsen Fehlgriff mit Bernd Hollerbach wirklich all das, was man sich von ihm versprochen hatte, auch halten kann, schien fast unbedeutend. Hoffnung musste her, Titz war da. Vier Siege hatte der Coach aus den abschließenden acht Bundesliga-Spielen geholt. Das war man in Hamburg nicht mehr gewohnt und es reichte für Euphorie sowie einen riesigen Vertrauensvorschuss.

Die HSV-Trainer seit 1997:

Frank Pagelsdorf: 1. Juli 1997 bis 17. September 2001 - 62 Siege, 53 Unentschieden, 57 Niederlagen. Zur Galerie
Frank Pagelsdorf: 1. Juli 1997 bis 17. September 2001 - 62 Siege, 53 Unentschieden, 57 Niederlagen. ©

Am Dienstag war dieser Kredit dann mal wieder aufgebraucht. Die Bosse meinten offenbar erkannt zu haben, dass die Spielidee des Trainers nur selten modern und zu oft Mittel zum Zweck war. Titz wollte anders sein, einen innovativen Stil prägen. Mit einem Torwart als Libero. Das ist gewagt und wurde in der laufenden Saison immer mal wieder bestraft. Und: Auch im Spiel nach vorn brachte es: Nun ja, zuletzt nichts. Das kann man Titz vorwerfen. Vielleicht muss man das sogar. Aber: Der Klubführung um Sportvorstand Ralf Becker war der risikoreiche Ansatz von Titz bewusst, als sie mit ihm bis 2020 verlängerte. Sie glaubte an seine Ideen.

Paukenschlag beim HSV: Titz ist raus, Wolf übernimmt

Wie sich nun herausstellt, jedoch lediglich für ein paar Monate. Dann griff wieder der alte HSV-Mechanismus: "Äh nein, doch nicht. Wir haben uns geirrt." Das kann passieren. Einzig die Geschwindigkeit des neuerlichen Sinneswandels verblüfft. Wolf, der übrigens bereits im vergangenen Sommer auf dem Markt war, muss nun eine "Aufholjagd" starten. Vielleicht grüßen die Hamburger demnächst von der Tabellenspitze. Ob dies mit Titz völlig ausgeschlossen gewesen wäre? Wohl kaum. Manchmal braucht man für die Umsetzung eines Plans Geduld - sonst bleibt Planlosigkeit. Viel Glück, Hannes Wolf!

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