22. Juli 2021 / 16:07 Uhr

Harry Bähre wird 80: Die HSV-Legende über Meistertitel, seine Hamburg-Zeit und die Entwicklung des Klubs

Harry Bähre wird 80: Die HSV-Legende über Meistertitel, seine Hamburg-Zeit und die Entwicklung des Klubs

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Harry Bähre gilt als erster Bundesliga-Spieler der Geschichte.
Harry Bähre gilt als erster Bundesliga-Spieler der Geschichte. © Thorsten Fuchs
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Harry Bähre war der erste Akteur in der Bundesliga. Beim Hamburger SV spielte er unter anderem mit Uwe Seeler zusammen. Anlässlich seines 80. Geburtstags spricht er im SPORTBUZZER-Interview über seinen verlorenen Spielerpass mit der Nummer 001 und die Entwicklung des HSV.

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Der erste Spieler der Fußball-Bundesliga war vor dem Telefontermin beim Arzt. Er sei unter die Hypochonder gegangen, sagt Harry Bähre und lacht. Nur ein Routinecheck, fügt der Hamburger an, der an diesem Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert. Bähre hat seinen Platz im Geschichtsbuch der Bundesliga sicher: In der Mannschaft des Hamburger SV um Uwe Seeler erhielt der spätere Unternehmer 1963 zur Liga-Gründung den Spielerpass mit der Nummer 001. Warum, erzählt er im Geburtstagsinterview.

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SPORTBUZZER: Herr Bähre, wie sind Sie zu dem Spielerpass mit der Nummer 001 gekommen?

Harry Bähre (80): Der HSV war der erste Klub, der für die Bundesliga gemeldet hatte. Und da mein Nachname im Alphabet als Erstes kam, habe ich die 001 bekommen. Ich habe das erst später erfahren. Ein Journalist sagte mir: Herr Bähre, wissen Sie, dass Sie der erste Fußballprofi Deutschlands sind? Ich gehe in die Geschichte ein, ohne etwas dafür zu können.

Gibt es den Pass noch?

Wir haben jahrelang geforscht, aber der muss in den Schredder gekommen sein. Leider. Der würde heute im Fußballmuseum ausgestellt sein.

Wie verlief der Übergang in die neue Zeit mit der Bundesliga?

In Oberligazeiten waren wir fast immer Norddeutscher Meister, plötzlich waren wir Lizenzspieler. Wir haben zweimal in der Woche trainiert, zur Endrunde der Deutschen Meisterschaft dreimal. Die Mannschaften im Westen, Dortmund, Schalke, waren damals schon so etwas wie Vollprofis. Wir waren die feinen Hamburger Jungs, immer in Maßanzügen, der Verein hatte ja Geld, durfte uns aber kaum etwas bezahlen. Bei meinem ersten Vertrag gab es 360 Mark, pro Sieg 50 Mark. Bei internationalen Freundschaftsspielen haben wir eine geheime Sonderprämie bekommen – heute darf ich steuerrechtlich darüber reden. Als die Bundesliga gegründet wurde, bekam ich im Monat 1200 Mark. Siegprämie waren 250 Mark. Viel Geld! Allerdings nicht vergleichbar mit heute. Ein Uwe Seeler würde heute 15 bis 20 Millionen Euro verdienen.

Mussten Sie sich an das Niveau der Bundesliga anpassen?

Ich sag mal so: Wenn wir damals einen richtigen Trainer gehabt hätten und mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie beispielsweise Borussia Dortmund zu Werke gegangen wären, hätte diese Mannschaft, mit einem Uwe Seeler, mit einem Charly Dörfel, vier-, fünfmal Deutscher Meister werden müssen.

Per Anhalter zum Endspiel um die deutsche Meisterschaft

Was ist Ihre liebste Anekdote?

1960 beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft gehörte ich zum Kader. Aber glauben Sie mal nicht, dass man mich als jungen Dachs mit 18, 19 Jahren mitgenommen hätte zum Endspiel gegen Köln in Frankfurt. Da bin ich per Anhalter hingefahren.

Um auf der Tribüne zu sitzen?

Nein, Stehplatz. Unbegreiflich heute … Ein HSV-Fan hat mich mitgenommen. Nicht einmal eine Karte habe ich vom Verein bekommen. Trainer Günter Mahlmann war ein Hierarch. Im Nachhinein weiß ich, wie pädagogisch wertvoll das war: Die Jungen mussten sich erst mal beweisen.

Mit Blick auf den heutigen HSV muss Ihnen das Herz bluten.

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Traurig! Der Verein hat mich in den vergangenen Jahren so oft enttäuscht. All diese Jungmanager. Die Zukunft sehe ich düster. Der HSV ist nach wie vor eine Wohlfühlgesellschaft. Das schöne Stadion, die schöne Stadt – den Spielern geht es zu gut. Meine Theorie ist, dass manche gar nicht aufsteigen wollen, weil sie über Bord gehen würden, wenn der Aufstieg geschafft ist. Ich hoffe, dass der HSV endlich Kontinuität in der Führung bekommt.