04. Mai 2021 / 13:18 Uhr

HSV-Rochade kurz vor dem Saisonende: So lief der Trainer-Wechsel von Thioune zu Hrubesch

HSV-Rochade kurz vor dem Saisonende: So lief der Trainer-Wechsel von Thioune zu Hrubesch

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Daniel Thioune muss kurz vor dem Saisonende gehen. Horst Hrubesch übernimmt das Trainer-Amt beim HSV.
Daniel Thioune muss kurz vor dem Saisonende gehen. Horst Hrubesch übernimmt das Trainer-Amt beim HSV. © IMAGO/Michael Schwarz/Zink (Montage)
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Der Hamburger SV vollzieht einmal mehr einen Trainerwechsel. Daniel Thioune muss drei Spieltage vor dem Ende der regulären Saison seinen Hut nehmen. Die Hamburger setzen im Endspurt auf HSV-Legende Horst Hrubesch. So lief die Wachablösung auf dem Trainerstuhl.

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Zur Mittagsstunde, genau als Sportvorstand Jonas Boldt der Öffentlichkeit gerade erklären wollte, warum schon wieder ein Trainer beim Hamburger SV gescheitert ist, nahm Daniel Thioune in der Kabine im Volksparkstadion Abschied von seiner ehemaligen Mannschaft. Zwei Stunden später stand schließlich schon das erste Training mit Horst Hrubesch auf dem Plan. Die gerade 70 Jahre alt gewordene Vereinslegende des Fußball-Zweitligisten muss nun also versuchen zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist – den Aufstieg in die Bundesliga eben.

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„Bei nur drei oder maximal fünf Spielen machen andere Lösungen nicht viel Sinn“, erklärte Hrubesch, warum er nach intensiven Gesprächen am Wochenende nun doch wieder auf eine Trainerbank zurückkehrt: „Wir müssen alles daran setzen, den Mist, den wir verbockt haben, wieder geradezurücken.“ Schon beim DFB hatte Hrubesch mehrfach ausgeholfen, unter anderem in der U21 und beim Frauennationalteam.

Um 15.11 Uhr stieg Hrubesch im Kreis der Spieler die Treppe vom Stadion zum Trainingsplatz runter. Dann lief der Ball, alles normal. Nicht dabei war allerdings Aaron Hunt, der gegen den KSC einen Muskelfaserriss erlitten hat und somit wohl nie wieder für den HSV auflaufen wird.

Boldt-Ansprache in der Kabine

Zuvor hatte Boldt in der Kabine mit den Profis gesprochen, es ihnen persönlich erklärt, nachdem er sie am frühen Morgen telefonisch oder per Mailgruppe informiert hatte. Schon Freitag hatte er mit dem Mannschaftsrat geredet und stellte danach fest: „Zuletzt war bei Daniel die Führungskraft nicht mehr in diesem Maße vorhanden.“

So gibt es beim HSV also wieder die Geschichte eines Scheiterns. Zum dritten Mal in Folge versagt ein Trainer bei der Aufgabe, den Klub aus der 2. Liga wieder nach oben zu befördern. Dabei waren die Hoffnungen groß im Sommer: Thioune, der talentierte Trainer aus Osnabrück, sollte den neuen Hamburger Weg begleiten. „Ich habe die grundsätzliche Überzeugung, dass Daniel Thioune ein richtig guter Trainer ist“, sagte Boldt nun, der die Beurlaubung am Sonntag mit Sportchef Michael Mutzel entschieden hatte, „aber die Distanz zwischen ihm und den Spielern ist zu groß geworden, das hat man nach dem 1:1 gegen Karlsruhe gemerkt.“

„All in“ wollte er gehen, hatte Thioune vor der Partie gegen den KSC angekündigt. Da war der Verein schon in einer „Abwärtsspirale, die etwas mit den Menschen macht“ (Boldt). Entsprechend resigniert wirkte der Trainer nach der Partie: „Wir müssen nicht über Plätze und Mannschaften, die vor oder hinter uns stehen, reden. Das macht keinen Sinn mehr.“ Boldt hat eine andere Meinung: „Wir werden jetzt nicht alles abschenken. Es ist noch nicht zu Ende.“

Boldt: HSV-Zukunft mit Trainer Thioune war "nicht mehr möglich"

Doch, ist es. Für den Trainer. Das wurde den Verantwortlichen am Wochenende klar. Zunächst wollten sie ja versuchen, mit Thioune weiterzumachen. Das Bild vom Zustand des Teams und des Coaches ergab aber keine andere Lösung mehr als die Beurlaubung. „Ein unbelasteter Weg in die neue Saison, egal in welcher Liga, war nicht mehr möglich“, sagte Boldt.

Hrubesch war in die Überlegungen involviert, Sonntagabend war die Entscheidung nach einem „emotionalen Gespräch“ mit Thioune gefallen – er selbst macht es. „Ich kenne viele der Spieler und habe in dieser Saison mehrere Spiele gesehen“, sagte Hrubesch und kündigte sein Nothilfeprogramm an: „Trainingsdetails, Ansprachen, Machen.“