13. Februar 2020 / 13:38 Uhr

HSV-Trainer Dieter Hecking über Hannover 96: "Da gibt´s nicht nur einen Verlierer"

HSV-Trainer Dieter Hecking über Hannover 96: "Da gibt´s nicht nur einen Verlierer"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kehrt am Samstag an die alte Wirkungsstätte zurück: Dieter Hecking.
Kehrt am Samstag an die alte Wirkungsstätte zurück: Dieter Hecking. © imago images/RHR-Foto
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Knapp drei Jahre stand Dieter Hecking bei Hannover 96 an der Seitenlinie, jetzt trainiert er den Hamburger SV. Am Samstag (13 Uhr) treffen die beiden Teams in der HDI-Arena aufeinander. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 55-Jährige über die aktuelle Situation bei den Roten und eine mögliche Rückkehr als Geschäftsführer.

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Dieter Hecking, wie haben Sie den angeschlagenen Dino wieder richtig ins Laufen gebracht?

Wir haben eine runderneuerte Mannschaft, 37 Transfers gemacht, 17 neue Spieler, 20 abgegeben. Das war ein Komplettumbruch, bei dem man nie weiß, was dabei herauskommt. Dann sind wir gut in die Saison gestartet, haben vor Weihnachten ein paar Dinge nicht so gut ge­macht, waren auch nicht mehr so frisch. Im Winter haben wir mit den Neuzugängen nachgerüstet mit dem Fokus auf den Schwachstellen, die wir ausgemacht hatten – und sind dann wieder gut reingekommen ins neue Jahr.

Diese Spieler spielten für Hannover 96 und den Hamburger SV

Beim VfL Bochum gelang <b>Vahid Hashemian</b> der große Durchbruch. Vorher hatte er allerdings von 1999 bis 2001 zwei Spielzeiten beim Hamburger SV verbracht. Über den FC Bayern München, wo sich der Iraner nicht durchsetzen konnte, wechselte er zu Hannover 96, wo weine Bilanz mit 11 Treffern in 85 Spielen verhalten ausfiel. Zur Galerie
Beim VfL Bochum gelang Vahid Hashemian der große Durchbruch. Vorher hatte er allerdings von 1999 bis 2001 zwei Spielzeiten beim Hamburger SV verbracht. Über den FC Bayern München, wo sich der Iraner nicht durchsetzen konnte, wechselte er zu Hannover 96, wo weine Bilanz mit 11 Treffern in 85 Spielen verhalten ausfiel. ©

Fühlen Sie sich nach vielen Jahren in der Bundesliga in der 2. Liga wie in der zweiten Reihe?

Nein, auf keinen Fall. Ich hätte es ja auch anders haben können. Es war eine bewusste Entscheidung für den HSV und die 2. Liga. Ich hatte nach 13 Jahren das Gefühl, mal was anderes machen zu müssen. Ich hätte im Sommer auch abwarten können, dann wäre ich im Herbst wieder aufs Karussell gehüpft. Dann hätte ich zum fünften Mal die gleiche Situation ge­habt, eine Mannschaft mit Problemen übernommen und wieder nach oben ge­bracht. Das wollte ich nicht. Als der HSV angefragt und sich einen Neuanfang mit mir gewünscht hat, war es genau das, was ich damals und jetzt gebraucht habe.

Wie genau ist Ihre Vertragslage beim HSV?

Beim Aufstieg ist es klar, dann bleibe ich. Wenn’s wirklich nicht klappen sollte, endet der Vertrag formell. Dann muss man sehen, inwieweit der HSV ein drittes Jahr in der 2. Liga verkraften könnte.

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Allgemein wird gelobt, Sie hätten den Chaos-Klub beruhigt. Was kann 96 von Ihnen lernen?

Das war ich ja nicht allein. Die Lobeshymnen kann man aufs Sportliche beziehen, aber der HSV hat es durch Klubchef Bernd Hoffmann und den Aufsichtsrat ge­schafft, dass nicht mehr alles nach außen sickert, dass man vertrauensvoll intern diskutieren kann. Das war ein erster großer Schritt. Mit Jo­nas Boldt haben wir einen Sportvorstand gewonnen, dem ich zutraue, ein richtig Guter in der Branche zu werden. Mit Michael Mutzel haben wir noch einen Sportdirektor, der sehr viel Detailarbeit leistet. Das macht zusammen einen sehr stimmigen Eindruck.

Es gab aber auch noch keine große Krise?

Es wird sich zeigen müssen, falls es sportlich mal nicht so rund läuft, wie fest das alles ist. Da war’s in Hamburg ähnlich wie in Hannover schnell unruhig. Ich hoffe, da sind wir inzwischen weiter.

Nerd-Wissen zu Hannover 96 gegen den Hamburger SV

Nerd-Wissen zum Nordderby: Hannover 96 gegen Hamburger SV Zur Galerie
Nerd-Wissen zum Nordderby: Hannover 96 gegen Hamburger SV ©

Was entscheidet unter den Topklubs Bielefeld, HSV und Stuttgart, vielleicht noch Heidenheim, über den Aufstieg?

Das werden Kleinigkeiten sein. Etwa, wer mit Verletzungen besser umgehen kann, Jeder hat so sein Thema, Bielefeld mit Voglsammer, wir mit Fein oder Stuttgart mit Kempf und Gonzales. Entscheidend wird auch sein, wer im Endspurt die Ruhe und nötige Konzentration aufs Wesentliche behält. Dann kommt das Spielglück dazu, wer schafft es, sich abzusetzen? Ich hatte sogar Fürth auf dem Zettel, aber durch die Niederlage gegen 96 sind sie zurückgeworfen worden.

Als alter 96-Fahrensmann – was fällt Ihnen zur Unruhe im Klub noch ein?

Es schadet allen, da gibt’s nicht nur einen, sondern viele Verlierer im Moment. Jetzt muss man versuchen, die Saison halbwegs zu retten. Dazu war der Sieg in Fürth ein wichtiges Lebenszeichen. Vom Kader her müsste die Mannschaft wie auch Nürnberg ja oben dabei sein. Wenn ich mir die Aufstellung anschaue, dann stehen da elf Bundesligaspieler auf dem Platz. Da muss irgendwas schiefgelaufen sein.

Das ist der komplette Kader von Hannover 96 in der Saison 2019/20

Tor: 
Martin Hansen (Rückennummer 25) Zur Galerie
Tor: Martin Hansen (Rückennummer 25) ©

Wann kommen Sie als Geschäftsführer zurück zu 96 – und sorgen auch bei diesem HSV für Ruhe?

(schmunzelt) Ich bin noch zu sehr mit Leib und Seele Fußballtrainer und habe eine sehr reizvolle Aufgabe in Hamburg. Dass ich irgendwann nicht mehr Trainer sein werde, ist auch klar. Inwieweit dann eine Rolle in verantwortlicher Position bei einem ambitionierten Verein zum Tragen kommt, wird man sehen müssen. Aber ich wohne seit 24 Jahren in der Gegend von Hannover. Dass mein Bezug zu diesem Verein immer da sein wird, ist doch klar. Man weiß nie, wann und ob der Zeitpunkt kommt, dass man da noch mal den Faden aufnimmt. Im Moment sehe ich es nicht.

Wie lange wollen Sie Trainer sein?

Ich habe mir keine Marke gesetzt. Das wird ähnlich sein, wie ich es als Spieler gespürt habe, dass der Tag X gekommen ist. Ich werde den Tag genau erkennen, wann es reicht.

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Kann 96 dem HSV am Samstag gefährlich werden?

Das Fürth-Spiel wird 96 Selbstvertrauen gegeben haben. Wir stellen uns auf höchste Gegenwehr ein, aber das ist für uns überall so. Wir werden versuchen, möglichst dominant aufzutreten. Dann werden wir unsere Chancen bekommen, die wir nutzen müssen.

Ausverkauftes Stadion, 96 gegen HSV, machst es da einen Unterschied, ob es 1. oder 2. Liga ist?

Nein, es ist immer noch ein Spiel, das die Massen an­zieht. Ich erwarte, dass es ein richtig gutes Spiel wird. Beide Mannschaften wollen Fußball spielen, das wird auch für 96 angenehmer sein, wenn sie nicht gegen eine Wand anlaufen müssen.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie in Stuttgart oder Hannover ins Stadion kommen?

In Hannover zu spielen, ist für mich immer, wie nach Hause zu kommen. Ich bin am Dienstag noch durch die Innenstadt gelaufen, es wird immer was Besonderes sein. Und wenn dann noch das Ergebnis passt ...