10. Dezember 2018 / 11:36 Uhr

Ex-HSV-Vorstand Katja Kraus beklagt Sexismus - und fordert Frauenquote im Fußball

Ex-HSV-Vorstand Katja Kraus beklagt Sexismus - und fordert Frauenquote im Fußball

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Katja Kraus will mehr Frauen in Führungspositionen im Profifußball.
Katja Kraus will mehr Frauen in Führungspositionen im Profifußball. © imago/Hartenfelser
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Harte Worte von Katja Kraus: Die ehemalige zweite Vorsitzende des Hamburger SV bezieht deutlich Stellung zu Sexismus im Profifußball. Außerdem spricht sie sich aus Mangel an Frauen in Führungspositionen für eine Quote aus.

Aktuell gibt es keine einzige Frau in einer Managementfunktion im deutschen Profifußball. Das Geschäft ist komplett in Männerhand. Aus Sicht von Katja Kraus ein Zustand, der sich schleunigst ändern muss. Es sei „nur durch Druck von außen, durch eine Quote“ möglich, dass Frauen überhaupt in verantwortungsvolle Positionen bei Vereinen kommen, sagt das Ex-Vorstandsmitglied des Hamburger SV im Interview mit t-online.de.

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„Ich bin überzeugt, das würde nicht nur den Fußball, sondern den gesamten Sport nach vorne bringen", betont Kraus. Es gäbe keine von sich aus bewegte "Motivation, Potenziale von Frauen zu nutzen.“ Aus diesem Grund muss aus ihrer Sicht eine Regelung von außen eingeführt werden. Das aktuelle Aufsichtsratsmitglied des Sportartikelherstellers Adidas hat bereits einen konkreten Vorschlag, wie die Frauenquote aussehen müsste. „So, wie in der Wirtschaft auch. Man könnte eine Quote für die Aufsichtsräte und Präsidien festlegen. Das operative Management folgt dann mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung.“

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Kraus erkennt Sexismusproblem im Fußball

Kraus selbst hatte als erste und bislang noch immer einzige Frau eine Führungsposition im Profifußball inne, als sie von 2003 bis 2011 beim HSV tätig war - zunächst im Vorstand für Marketing und Kommunikation, später als zweite Vorsitzende. Zuvor war die ehemalige Fußball-Nationaltorhüterin und Olympia-Teilnehmerin (1996) bereits von 1998 bis 2003 als Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt im Amt.


In der Zeit als Fußballfunktionärin hat Kraus prinzipiell positive Erfahrungen mit den männlichen Kollegen und Spielern gemacht, schildert sie: "Ich hatte nie das Gefühl, dass es für die Spieler problematisch war, mit einer Frau zu arbeiten. Es gab im Gegenteil manche Themen, die sie leichter besprechen konnten." Dennoch betont Kraus, dass der Fußball "klar" ein Sexismusproblem hat. "Schon weil das Revier so umkämpft ist. Es gibt diese archaische Symbolik. Das Trikot vom Leib reißen, um den muskulösen und tätowierten Oberkörper zu zeigen, zählt dazu. Sprache vor allem. Aussagen wie ‚schwule Pässe‘ oder ‚wir sind doch keine Frauen‘ sind Beispiele dafür.“

Zuletzt sorgte der Star-DJ Martin Solveig als Moderator des Ballon d'Or für Wirbel. Nach der Preisverleihung an Ada Hegerberg als weltbeste Fußballerin fragte er sie auf der Bühne in Paris, ob sie „twerken“ wolle, also tief in der Hocke mit dem Po wackeln.

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Kraus: "... erstaunlicherweise stellt das niemand infrage"

Aus diesem Grund fordert die aktuelle geschäftsführende Gesellschafterin einer Hamburger Sportmarketingagentur einen Wandel - und drückt ihr Unverständnis über die derzeitigen Ansichten aus. „Es gibt kein Bewusstsein für die Bereicherung durch Diversität. Einer der manifesten Glaubenssätze der Branche ist es, dass nur Menschen, die selbst Fußballprofis waren, die Eigenheiten dieses Geschäft vollständig zu verstehen imstande sind. Also Männer", kritisiert Kraus. "Frauen können das Land führen und Wirtschaftsunternehmen, aber Fußballmanagement wird zur Geheimwissenschaft erklärt. Erstaunlicherweise stellt das niemand infrage.“

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