14. Mai 2019 / 08:12 Uhr

Nur noch ein normaler Zweitligist: So plant der HSV das zweite Jahr Zweitklassigkeit

Nur noch ein normaler Zweitligist: So plant der HSV das zweite Jahr Zweitklassigkeit

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bleiben Trainer Hannes Wolf und Kapitän Aaron Hunt beim HSV? Nicht die einzige Entscheidung, die Sportvorstand Ralf Becker (l.) und Vorstandschef Bernd Hoffmann (r.) treffen müssen...
Bleiben Trainer Hannes Wolf und Kapitän Aaron Hunt beim HSV? Nicht die einzige Entscheidung, die Sportvorstand Ralf Becker (l.) und Vorstandschef Bernd Hoffmann (r.) treffen müssen... © imago images / Michael Schwarz / DeFodi
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Nach der verpatzten Rückkehr in die Bundesliga steht der Hamburger SV vor großen Einschnitten. Und Investor Klaus-Michael Kühne sägt öffentlich am Stuhl von Trainer Hannes Wolf. Ein Report über einen sprachlosen Verein, der sich in den nächsten Monaten stark verändern wird.

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Am Montag hatte es allen beim Hamburger SV die Sprache verschlagen. Jedenfalls nach außen. Von Trainer Hannes Wolf: Kein Wort. Von Sportchef Ralf Becker: Eisiges Schweigen. Vom Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann: Sprachlosigkeit. Die HSV-Spieler, die am Sonntag mit dem 1:4 in Paderborn auch die letzte realistische Chance auf die Rückkehr in die Bundesliga verspielt hatten: Sie liefen durch den nahen Volkspark. Ein Verein ging auf Tauchstation.

„Jetzt haben wir Gewissheit“, hatte Becker noch in Paderborn gesagt. Beinahe klang das schon froh, dass der dramatische Absturz von der Herbstmeisterschaft bis hinab auf Rang vier vorbei ist. Dass Finanzchef Frank Wettstein auch das Horrorszenario eines Verbleibs im Unterhaus bereits kalkuliert hat, wird aus der auflagenfreien Lizenzerteilung für die kommende Zweitligasaison deutlich. Ab sofort geht es also ans Abspecken.

Diese Stars schafften den Durchbruch beim HSV nicht

Alex Silva, Thiago Neves und auch Jonathan Pitroipa schafften den Durchbruch beim HSV nicht. Sie waren nicht die einzigen. Wer noch? Das erfahrt Ihr in der Bildergalerie. Zur Galerie
Alex Silva, Thiago Neves und auch Jonathan Pitroipa schafften den Durchbruch beim HSV nicht. Sie waren nicht die einzigen. Wer noch? Das erfahrt Ihr in der Bildergalerie. ©
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Dass Hauptsponsor Emirates verlängert, ist kaum vorstellbar

Es werden allein 20 Millionen Euro Fernsehgelder fehlen. Es ist auch nicht vorstellbar, dass Hauptsponsor Emirates seinen auslaufenden Vertrag verlängert, der in der Zweiten Liga 4,5 Millionen brachte, in der Bundesliga aber rund 7 Millionen. Welche Firmen ihre Businesssitze oder Logen zu welchen Konditionen verlängern, werden die nächsten Wochen zeigen. Das Gleiche gilt für die Anzahl der Dauerkarten und der Ticketverkäufe überall.

Das Erstaunliche war ja vor einem Jahr, dass es trotz des ersten Abstieges aus der Bundesliga dank Trainer Christian Titz und einer jungen Mannschaft so etwas wie eine Zweitliga-Euphorie gegeben hat. Durchschnittlich 50 000 Fans kamen zu den Partien. Nichts davon ist geblieben. Der Etat muss nun von 30 auf rund 25 Millionen Euro gesenkt werden. In der Bundesliga wäre mit 45 Millionen geplant worden.

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Dementsprechend wird sich das Gesicht des Teams ändern. Teure potenzielle „Erstligaspieler“ wie Pierre-Michel Lasogga, Lewis Holtby, Douglas Santos, Fiete Arp, Kyriakos Papadopoulos sowie die Leihspieler Leo Lacroix und Hee-Chang Hwan und möglicherweise auch Aaron Hunt und Gotoku Sakai müssen gehen. Die Zugänge etablierter Zweitligaspieler wie Jeremy Dudziak, David Kinsombi und Jan Gyamerah stehen schon fest. „Wir müssen uns im nächsten Jahr über die gesamte Saison anders präsentierten“, sagte Becker. „Wir haben klar das Ziel, wieder aufzusteigen.“

Becker und Wolf analysieren die Situation - geht es für den Trainer weiter?

Dieser Anspruch ist also trotz aller Einschränkungen schon wieder formuliert. Auch die Reporter diverser Rundfunk- oder TV-Stationen formulierten bei ihren Aufsagern am Montag Sätze wie: „Der HSV muss ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga bleiben“ – und vergaßen den Zusatz „mindestens“. Denn ab sofort ist der HSV nur noch ein normaler Zweitligist. Becker und Wolf haben am Montag vor dem Training bereits erstmals zusammengesessen und die Situation analysiert.

Trainer Wolf war unfähig, den Abwärtstrend zu stoppen, der spätestens nach der 2:3-Niederlage gegen Darmstadt 98 nach 2:0-Halbzeitführung einsetzte. „Wir haben seit Wochen versucht, gegen die Entwicklung anzukämpfen“ sagte er – und räumte damit auch sein Scheitern ein. Eine Zukunft über das Saisonende hinaus ist kaum vorstellbar.

HSV in der Einzelkritik gegen den SC Paderborn

Der Hamburger SV kann den Aufstieg in die Bundesliga nach der Niederlage beim SC Paderborn wegen der schlechteren Tordifferenz nicht mehr erreichen. Alle HSV-Spieler hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
Der Hamburger SV kann den Aufstieg in die Bundesliga nach der Niederlage beim SC Paderborn wegen der schlechteren Tordifferenz nicht mehr erreichen. Alle HSV-Spieler hier in der Einzelkritik. ©

Am Montag meldete sich bereits Investor Klaus-Michael Kühne via Hamburger Abendblatt zu Wort: „Ich habe schon am 26. Februar schriftlich empfohlen, den Trainer auszuwechseln. Die fehlende Handlungsbereitschaft der einschlägigen Gremien war aus meiner Sicht verhängnisvoll“, teilte der Milliardär mit. Jetzt muss gehandelt werden. Im Volksparkstadion wird bereits hinter den Kulissen viel geplant und gesprochen – nur noch nicht öffentlich.

Hier abstimmen: Gelingt dem HSV im nächsten Jahr der Aufstieg?

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