16. November 2020 / 16:14 Uhr

Hubert Meyer: Zwei Tore am Tag vor der Hochzeit

Hubert Meyer: Zwei Tore am Tag vor der Hochzeit

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Hubert Meyer erinnert sich an das Ende der 70er-Jahre: Da war er Amisia Papenburgs Kapitän (rechts) und schüttelt Dietmar Demuth vor dem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli die Hand.
Hubert Meyer erinnert sich an das Ende der 70er-Jahre: Da war er Amisia Papenburgs Kapitän (rechts) und schüttelt Dietmar Demuth vor dem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli die Hand. © privat
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„Ich war ein Kämpfer“, sagte Fortuna Obergs Trainer Hubert Meyer, als er sich selbst als Fußballer beschreiben sollte. Tore schoss und köpfte er reichlich, und war auch international im Einsatz – als Co-Trainer von Ex-Nationalspieler Hans-Peter Briegel.

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Er kannte den legendären HSV-Trainer Ernst Happel gut, interviewte Argentiniens Weltmeister-Trainer Luis Cesar Menotti, quatschte stundenlang mit Christoph Daum über Taktik, hospitierte bei den Bundesligatrainern Felix Magath und Holger Stanislawski – und hat selbst die A-Lizenz als Trainer. Fortuna Obergs Coach Hubert Meyer hat von allen Trainern aus dem Kreis Peine am meisten von der Fußballwelt gesehen. Viele Jahre arbeitete er als Redakteur für das Kicker-Sportmagazin, war bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz und verfolgte jedes Wochenende Bundesliga-Spiele.

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Dennoch sagt der 66-Jährige: „Man muss sich als Trainer immer fortbilden.“ Ihm selbst habe es sehr geholfen, dass er beruflich die Spiele schriftlich analysieren musste. Später hatte er bei Felix Magath (damals Trainer des FC Fulham) und Holger Stanislawski (damals 1. FC Köln) hospitiert.

Weitere Folgen der Serie "Als ich noch Spieler war..."

Als Spieler hatte Meyer noch die Manndeckung kennengelernt, bevor Happel (1981 bis 1987 HSV-Trainer) den deutschen Fußball mit „Pressing“ und dem dafür notwendigen Verschieben revolutionierte. Meyer hatte als Verteidiger begonnen, „dann bin ich immer weiter nach vorn gerückt, bis ich Stürmer war“, sagt er. Ausgezeichnet habe ihn seine Sprungkraft und Antrittsschnelligkeit.

Erst kickte er nur in der zweiten Mannschaft seines Stammvereins Rasensport Lathen im Emsland. „Mit dem Vorsitzenden, der auch Trainer der Ersten war, hatte ich ein wenig Stress. Deshalb wollte ich nicht in der Ersten spielen“, sagt Meyer schmunzelnd. Bei einem Pokalspiel traf die Rasensport-Zweite auf Germania Papenburg, und Hubert Meyer glänzte so, dass ihn Germanias Orts-Konkurrent Amisia Papenburg, der Beobachter geschickt hatte, sofort für die erste Mannschaft verpflichtete. Die spielte in der Verbandsliga.

Als Meyer in Berlin Jura studierte, zahlte ihm Amisia jedes Wochenende den Flug nach Bremen, wo ihn seine damalige Freundin und spätere Ehefrau Christine abholte. Sie hatte es aus Delmenhorst nicht weit. Später wechselte er an die Uni Münster – und kickte dort auch noch in der Uni-Auswahl.

„Ich bin im positiven Sinne verrückt, was den Fußball angeht“, charakterisiert sich Meyer selbst. Als er Spieler war, habe er vom Anpfiff an unter Adrenalin gestanden. Er ließ sich vom Trainer am Polterabend bequatschen, am Tag vor seiner Hochzeit doch aufzulaufen, trotz Verletzungsgefahr. Die Beziehung der Meyers hat es überstanden. „Wir haben 2:2 gespielt. Ich habe beide Tore gemacht“, erinnert sich der heutige Klein Ilseder.

Er charakterisiert sich selbst als „Kämpfer. Ich habe alles gegeben, von der ersten bis zur letzten Minute.“ Der Lohn: Jede Saison 20 bis 30 Meyer-Tore. Deshalb würde er heute als Trainer einen solchen Typen auch sofort aufstellen. Allerdings: Der Fußball habe sich gewandelt. Konnte man früher mal eine kurze Laufpause einlegen, müsse beim heutigen Verschieben jeder Spieler immer konzentriert sein.

Dass junge Leute inzwischen oft nicht mehr die absolute Hingabe für den Fußballsport aufbringen, sei der Situation geschuldet. „Sie sind durch viele Dinge abgelenkt. Die Orientierung auf eine Sportart hin – damit haben sie Probleme.“ Als Trainer fordere er dennoch hundert Prozent Konzentration während des gesamten Spiels, denn: „Wer abschaltet, ist nicht gut.“ Der Fußball sei deshalb heute schwieriger und auch schneller. Eines war aber früher genauso wie heute: „Fußball sollte Spaß machen. Denn mit dem Spaß kommt der Erfolg.“

Fußball bestimmt auch die berufliche Karriere

Im Jahr 1979 begann Hubert Meyer als Sportredakteur beim „Kicker“ in Peine. Vom Fotografen, der den RSV Braunschweig trainierte, ließ er sich überreden, dort zu spielen. Wegen der vielen Fahrerei wechselte er als Spielertrainer zum MTV Vater Jahn Peine – der ersten von zehn Stationen im Kreis Peine. Es folgten Spielertrainer- beziehungsweise Trainerjobs beim TSV Essinghausen, TV Klein Ilsede, der SG Adenstedt und beim VfL Woltorf.

Dann wurde es international: Der Klein Ilseder profitierte von seinen vielfältigen beruflichen Beziehungen auch noch, als er bei dem Sportmagazin gekündigt und sich selbstständig gemacht hatte. Gute Beziehungen hatte er zum Beispiel zu Ex-Nationalspieler Hans-Peter Briegel. Und als der das Angebot bekam, Nationaltrainer des Bahrain zu werden, nahm er Meyer als Co-Trainer mit.

Das Engagement dort endete im Januar 2007. „Wir hatten uns durch den Sieg gegen Kuwait für die Asien-Games qualifiziert. Beim Golfturnier hat Briegel dann beschlossen, seinen Vertrag aufzulösen, weil die Scheichs vor unserer Mannschaftsbesprechung eine eigene Sitzung abhielten. Briegel war so sauer, dass er das Thema Bahrain sofort beendete“, schildert Meyer, der sein Engagement folglich ebenso beendete. Fünf Monate später verpflichtete der türkische Erstligist Ankaragücü das Duo Briegel/Meyer. Im Dezember war dort wieder Schluss, obwohl die Mannschaft auf Tabellenplatz 5 lag – so gut wie seit langem nicht.

Weitere Auslandseinsätze ging Meyer nicht mehr ein, stattdessen war Germania Blumenhagen seine nächste Trainerstation im Kreis Peine, dann folgten TSV Dungelbeck, VfB Peine, erneut Dungelbeck und seit 2016 Fortuna Oberg.

Von Matthias Press