12. März 2020 / 16:02 Uhr

Minister Heil: Von diesem Fußball-Team kann die Politik eine Menge lernen

Minister Heil: Von diesem Fußball-Team kann die Politik eine Menge lernen

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Hubertus Heil (kleines Bild) gratuliert Frank Mengersen zum Bürgerpreis der deutschen Zeitungen: Diese Fair-Play-Aktion zeigt Anstand, Mitgefühl und Solidarität.
Hubertus Heil (kleines Bild) gratuliert Frank Mengersen zum Bürgerpreis der deutschen Zeitungen: "Diese Fair-Play-Aktion zeigt Anstand, Mitgefühl und Solidarität." © Ralf Büchler, dpa
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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil lobt im #GABFAF-Interview den Bürgerpreis-Sieger Frank Mengersen und seine Jugend-Kicker vom BSC Acosta Braunschweig für eine bundesweit beachtete Aktion mit Herz.

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Diese Geschichte über Uneigennützigkeit, Fairness und ganz viel Glück berührte auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Die C-Jugend-Fußballer des Landesliga-Spitzenreiters VfB Peine, die im Saison-Endspurt auf der Rückfahrt von einem Punktspiel mit ihrem Mannschaftsbus auf der Autobahn 7 verunglückten, stammen aus seinem Wahlkreis. Der SPD-Politiker spielte in der Jugend selber Fußball, ist Mitglied des VfB Peine – und zieht den Hut vor Frank Mengersen, einem wahren Helden seines Sports. Denn ausgerechnet der Trainer des schärfsten VfB-Titelrivalen BSC Acosta Braunschweig schob eine viel beachtete Fair-Play-Aktion für die Peiner Jungs an und wurde dafür jetzt mit dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen ausgezeichnet. „Die Werte, für die er steht, nämlich Gerechtigkeit und Solidarität, sind mir hochsympathisch“, lobt Heil. Im Interview spricht der Minister über den Bürgerpreis-Sieger, warnt vor gesellschaftlichen Rissen und verrät, was der Politikbetrieb von einem Trainer wie Mengersen und seiner fairen Jugend-Mannschaft lernen kann.

Trainer Frank Mengersen macht beim Acosta-Training die Übungen mit.
Trainer Frank Mengersen macht beim Acosta-Training die Übungen mit. © Ralf Büchler
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Herr Minister Heil, neun Monate sind vergangen, seitdem die C-Jugend-Fußballer des VfB Peine mit ihrem Mannschaftsbus auf der Autobahn 7 verunglückten. Sie schrieben dem Team damals einen schönen Brief ...

Hubertus Heil: Ich wollte der Mannschaft meine Anteilnahme ausdrücken. Ich habe den Spielern rasche und vollständige Genesung gewünscht und gehofft, dass die Jungs einen nötigen Abstand zu diesem furchtbaren Geschehen gewinnen können und wieder auf den Fußballplatz zurückkommen. Vor allem der Mannschaftssport hilft, gemeinsam ein Unglück wie diesen Unfall zu bewältigen. Umso mehr freut es mich, dass die Jungs heute wieder auf dem Platz stehen und die Freude am Spiel wiedergefunden haben.

Für die verunglückten VfB-Jungs drohte ein Traum zu platzen, die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Regionalliga. Ausgerechnet der Trainer des schärfsten Titel-Rivalen, Frank Mengersen, startete eine deutschlandweit beachtete Fair-Play-Aktion. Er bat die restlichen VfB-Gegner darum, nicht gegen den Tabellenführer anzutreten, um den Peinern so die Meisterschaft zu ermöglich. Was haben Sie gedacht, als Sie davon lasen?

Ich fand das großartig. Frank Mengersen hat damit ein leuchtendes Beispiel der Fairness gegeben. Diese Fair-Play-Aktion zeigt Anstand, Mitgefühl und Solidarität.

Darum bekommt Fußballtrainer Frank Mengersen den BDZV-Bürgerpreis

Ganz Deutschland lobte die fairen VfB-Gegner, und Frank Mengersen wurde für die Aktion mit der Fair-Play-Medaille des Deutschen Fußball-Bunds und dem Bürgerpreis des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger ausgezeichnet ...

... und das absolut verdient. Solidarität, ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt und dass wir für einander einstehen, sind die Werte, die unserer Region und unserem Land guttun. Das ist gerade in diesen Zeiten wichtig, in denen sich gesellschaftliche Risse zeigen und Extremisten von rechts spalten. Frank Mengersens Verhalten tut nicht nur dem Sport gut, sondern uns allen.

Das Porträt

Sie haben in der Jugend bei Adler Hämelerwald selber Fußball gespielt. Wie hätten Sie es gefunden, wenn Ihr Trainer plötzlich verkündet, die Adler-Mannschaft verzichtet auf die Meisterschaftschance und leitet eine Fairness-Aktion für den schärfsten Konkurrenten ein?

In Situationen wie diesen sollte der eigene Vorteil im Wettbewerb keine Rolle spielen. Daher hätte ich die Entscheidung unterstützt. Siege und gewonnene Titel bringen nur Freude, wenn man sie aus eigener Kraft erspielt und nicht durch ein Unglück einer gegnerischen Mannschaft erreicht.

Was kann der Politikbetrieb von so viel Fairness von jugendlichen Sportlern und Jugend-Trainern lernen?

Eine Menge! Wie im Sport, so muss es auch im politischen Wettbewerb hart, aber fair zugehen. Demokraten sollten wie Fußballer ehrgeizig um das bessere Ergebnis kämpfen. Sie sollten sich aber nicht als Feinde begegnen und nicht den Respekt vor den anderen verlieren. Unter Demokraten muss gelten, dass man nicht auf diejenigen einhaut, die persönlich am Boden liegen. Auch zwischen politischen Konkurrenten sollten die Regeln des Anstands und der Fairness gelten. Tatsache ist aber, dass der Ton in unserer Gesellschaft und damit auch in der Politik rauer geworden ist. Deshalb müssen wir auch in der Politik von positiven Beispielen lernen.

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Klingt so, als wäre Frank Mengersen ein Wunsch-Kandidat für ein politisches Amt...

Ich kenne seine politische Einstellung nicht und weiß auch nicht, ob er Mitglied einer Partei ist. Die Werte, für die er steht – nämlich Gerechtigkeit und Solidarität – sind mir aber hochsympathisch. Für solche Leute muss in der Politik mehr Platz sein.

Der Fahrer des VfB-Mannschaftsbusses brauchte psychologische Hilfe, um die Rückkehr ins Berufsleben und den Alltag zu schaffen. Würden Sie sich trauen, einen Mannschaftsbus für Jugendsportler zu fahren?

Ich hoffe, dass der Fahrer alle Hilfe bekommt, die er braucht. Jeder von uns kann durch einen Unfall traumatisiert werden, ob körperlich oder seelisch. Deswegen ist psychologische Hilfe und berufliche Rehabilitation so wichtig. Ich persönlich hätte aber keine Sorge, mich an das Steuer eines VW-Busses zu setzen. Das letzte Mal habe ich das im Bundestagswahlkampf gemacht, um ein Team der Jusos von Gifhorn nach Peine zu fahren. Man muss sich dabei aber seiner Verantwortung bewusst sein.

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"Wir müssen die Ehrenamtlichen von Bürokratie entlasten"

Alle am Unfall beteiligten Jugend-Fußballer haben die Rückkehr auf den Fußball-Platz geschafft – auch dank leidenschaftlichem ehrenamtlichen Engagement von Trainern und Vorstandsmitgliedern. Doch Vereine finden, dass das Ehrenamt nicht genügend gewürdigt wird und klagen über viel Bürokratie. Wo konkret würden Sie Vereine gerne bei der Arbeit entlasten?

Ob im Sport, bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei Kultur-, Jugend- und Sozialvereinen – unsere Demokratie ist ohne das Engagement der 30 Millionen Ehrenamtlichen nicht denkbar. Deshalb müssen wir die Ehrenamtlichen auch von Bürokratie entlasten. Ich bin etwa dafür, die Ehrenamtspauschale im Steuerrecht anzuheben. Meine Kabinettskollegin Franziska Giffey arbeitet derzeit mit Hochdruck an konkreten Vorschlägen, um bürgerschaftliches Engagement zu stärken.

Fußball und Hubertus Heil – da war doch mal was…: Herr Minister, ich nehme an, Sie wissen mittlerweile ganz genau, wer Martin Olsson ist?

Martin Olsson wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Heute weiß ich natürlich, dass er der Schwager von Dirk Nowitzki und Spieler der schwedischen Fußballnationalmannschaft ist. Im Stuhl bei „Wer wird Millionär“ – unter den Augen von Millionen Fernsehzuschauern – wusste ich das im vergangenen Jahr leider nicht. Da hat mir auch mein Telefonjoker Dietmar Bartsch nicht mehr helfen können. Dennoch kam eine schöne Summe für einen guten Zweck zusammen. Und als alter Fußballer freue ich mich schon auf ein Rückspiel bei Günther Jauch.