19. Mai 2020 / 10:25 Uhr

"Nehmt einen Ball und werft": Landesjugendtrainer Dietrich ruft zu Eigeninitiative auf

"Nehmt einen Ball und werft": Landesjugendtrainer Dietrich ruft zu Eigeninitiative auf

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Landesjugendtrainer Timm Dietrich glaubt, dass viele Handballer körperlich stärker aus der Zwangspause zurückkommen. Das spielerische Niveau werde allerdings erst einmal sinken.
Landesjugendtrainer Timm Dietrich glaubt, dass viele Handballer körperlich stärker aus der Zwangspause zurückkommen. Das spielerische Niveau werde allerdings erst einmal sinken. © Carsten Schlotmann
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Die Handballer müssen sich derzeit noch fit alternativ halten, da Sport in Turnhallen noch nicht wieder erlaubt ist. Der für die weibliche Jugend beim Handballverband Niedersachsen zuständige Trainer Timm Dietrich lobt die Vereine für ihren Einfallsreichtum und ruft die Spieler zur Eigeninitiative auf.

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Timm Dietrich verbringt seine Zeit seit Mitte März ausschließlich am Schreibtisch. Durch die Corona-Pandemie hat sich der Arbeitsalltag des Landestrainers für die weibliche Jugend beim Handballverband Niedersachsen (HVN) völlig verändert. „Wir arbeiten derzeit konzeptionell“, sagt Dietrich. Statt Hallentraining zu geben, schreibt er Trainingspläne für die Zeit, wenn es endlich wieder losgehen kann.

"Die, die Bock haben, bleiben dabei"

Der 30-Jährige würde am liebsten in der Halle stehen, nimmt die Zwangspause aber gelassen. „Im Gegensatz zu den Vereinen haben wir als Verband keinen Erfolgsdruck, da es für uns darum geht, Spieler zu entwickeln.“ Dietrich glaubt nicht, dass die andauernde Zwangspause sportlich betrachtet negative Folgen für den Handball haben wird. Nur im Breitensport könnten den Vereinen einige Talente verlorengehen. „Das sind die, die mehrere Sportarten betreiben. Aber die, die Bock haben, bleiben dabei.“

Um die Spieler trotz des fehlenden Hallentrainings nicht nur fit zu halten, sondern auch etwas für deren Gemeinschaftsgefühl zu tun, hätten die Vereine einen unglaublichen Ideenreichtum, freut sich der Landestrainer. Die Angebotspalette reicht von unzähligen Trainingsvideos bis zu ersten gemeinsamen Einheiten im Freien, da inzwischen die Nutzung der Sportplätze wieder erlaubt ist. „Ich finde toll, was sich tut“, sagt Dietrich.

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Da ausschließlich im athletischen Bereich gearbeitet wird, vergleicht Dietrich die Zeit seit dem Saisonabbruch mit einer Saisonvorbereitung. Vor allem die leistungsorientierten Spieler würden viel investieren und im körperlichen Bereich stark zulegen, was während des Wettkampfbetriebes in dieser Form nicht möglich sei. Spielerisch werde das Niveau dafür vorübergehend sinken.

Dietrich rät zu Wurfbewegungen

„Im Gegensatz zu Verletzungspausen trifft das aber diesmal alle, deswegen ist das nicht so schlimm“, glaubt Dietrich, zumal man wegen der besseren körperlichen Voraussetzungen nach dem Neustart die Trainingsinhalte ändern könne, so dass der Ball mehr im Mittelpunkt steht.

Um Verletzungsproblemen vorzubeugen und, wenn es erlaubt ist, sofort voll einsteigen zu können, fordert der Landestrainer alle Spieler auf, Wurfbewegungen in ihr persönliches Programm einzubauen: „Nutzt die Bolzplätze, nehmt einen Ball und werft.“

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Um die Vereine auf dem Weg zum heiß ersehnten Tag X vorzubereiten, hat der Deutsche Handballbund (DHB) unter dem Titel „Return to play im Amateursport“ einen „8-Stufen-Plan zur Wiederaufnahme des Handballsports“ verfasst. Für den 18. Mai hätte der Plan des DHB den Start von Kleingruppentraining in der Halle vorgesehen. Aufgrund der Vorgaben der Politik verschiebt sich dieser Zeitpunkt.

Vereine kriegen klare Struktur an die Hand

Dietrich hat trotzdem viel Lob für das Konzept übrig: „Ich finde gut, dass wir ein transparentes Schema haben.“ Ob wie erhofft im Juli mit Zweikampftraining begonnen werden kann, hängt letztlich von der Entwicklung der Pandemie ab. Eine Frage, die der Handball natürlich nicht beantworten kann. Allerdings gibt das 23-seitige Konzept den Vereinen zumindest eine klare Struktur an die Hand, wie sie unter Einhaltung der Hygienerichtlinien den Wiedereinstieg in den Trainingsalltag gestalten können.

Dietrich begrüßt es, dass viele Dinge bis in die letzte Kleinigkeit geregelt sind. „Es geht darum, die Leute zu sensibilisieren. Je mehr Dinge wir einhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der normale Spielbetrieb beginnen kann.“