10. Juni 2019 / 19:20 Uhr

I. SC Göttingen 05 verliert Endspiel bereits in erster Hälfte

I. SC Göttingen 05 verliert Endspiel bereits in erster Hälfte

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Der I. SC Göttingen 05 (gelbe Trikots), hier mit Grzegorz Podolczak, muss im Endspiel zu häufig den Ball aus dem eigenen Netz holen.
Der I. SC Göttingen 05 (gelbe Trikots), hier mit Luca Bock, muss im Endspiel zu häufig den Ball aus dem eigenen Netz holen. © Richter
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Tag der offenen Tür beim I. SC Göttingen 05: Nicht nur wollten rund 800 Zuschauer das Endspiel des Fußball-Bezirkspokals im Maschpark sehen, sondern es fielen auch noch zehn Tore. Allerdings unterlag 05 dem Landesligakonkurrenten SV Lengede mit 4:6 (1:4).

Dabei hatte die Partie für den Gastgeber bei besten äußeren Bedingungen verheißungsvoll begonnen. Spielertrainer Gerbi Kaplan wurde auf der linken Seite per Steilpass vom jungen Innenverteidger Luca Bock geschickt, und Kaplans Hereingabe verwertete Stürmer Grzegorz Podolczak am langen Pfosten in Torjägermanier zur 1:0-Führung (4.).

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Kaplan lief trotz noch nicht ganz auskuriertem Muskelfaserrisses auf, lief dabei alles andere als rund und spielte gleichsam überraschend hinten links. „Es war ein Risiko, aber Gerbi ist eben auch ein sehr guter Spieler“, sagte 05-Trainer Philipp Käschel später. „Lengede hat in der Liga gegen uns sehr hoch gespielt, und Gerbi sollte die Bahn aufmachen. Das hat in den ersten 15 Minuten auch gut funktioniert.“

DerI. SC Göttingen 05 unterliegt im Bezirkspokalfinale dem SV Lengede mit 4:6

Was in der ersten Hälfte nach diesen 15 Minuten folgte, war für die 05-Fans grausam. Jannis Ernst stand für Nils Holzgrefe im Tor, weil er in der nun abgelaufenen Saison der „Pokaltorwart“ (Käschel) der 05er war. Der Druck, der im Endspiel auf ihm lastete, war dem Keeper allerdings anzumerken.

Im ersten Kapitel stand er bei einem Freistoß von Folchmann zwar in seiner Torwartecke, packte aber nicht richtig zu, sodass der Ball an den langen Pfosten trudelte, wo er von Kudlek zum 1:1 verwertet wurde (30.). Dann, im zweiten Kapitel, versäumte es Ernst, eine Freistoßflanke von Lenke zu pflücken, sodass Mulic am langen Pfosten problemlos einköpfen konnte – 1:2 (36.).

I. SC Göttingen 05 - SV Lengede, Bezirkspokalfinale 2019

I. SC Göttingen 05 - SV Lengede, Bezirkspokalfinale 2019 Zur Galerie
I. SC Göttingen 05 - SV Lengede, Bezirkspokalfinale 2019 © Richter

Göttingen verlor nun völlig die Ordnung und im Endeffekt in dieser Phase das Spiel. Folchmann, bester Akteur auf dem Platz, spielte einen Doppelpass und dann einen Ball zu Giesemann – das Tor konnte Kaplan nur verhindern, indem er sich Holzgrefe-mäßig quer legte. Resultat: Treffer per Handelfmeter durch Folchmann (39.). Und als Giesemann völlig ungestört quer auf Mulic passen konnte und dieser per Hechtkopfball das 1:4 erzielte, war es für kurze Zeit tatsächlich still im 05-Fanblock (43.).

„Ich kenne ganz viele Leute, die sich für den Verein den Arsch aufreißen. Ich möchte heute so nicht rausgehen, also reißt euch den Arsch auf!“, gab der Stadionsprecher den 05ern lautstark mit auf den Weg in die zweite Hälfte. Das Defensivproblem war behoben, indem 05-Vizepräsident Daniel Washausen, der zwei Wochen lang gefehlt und deshalb nicht von Anfang an gespielt hatte, das Team als Außenverteidiger verstärkte (Hillebrecht wechselte dafür auf die linke Seite, und Kaplan rückte ins Mittelfeld vor).


Polizeieinsatz im Maschpark nach dem Bezirkspokalfinale.
Polizeieinsatz im Maschpark nach dem Bezirkspokalfinale. © R

Nach der Partie gab es noch einen Polizeieinsatz: Wie aus Vereinskreisen des I. SC Göttingen 05 verlautete, soll es seitens der Lengeder Besucher rassistische Beleidigungen gegen 05-Spieler gegeben haben, woraufhin 05-Fans Lengeder Gäste bedroht haben sollen. Es habe kleinere Rangeleien gegeben, hieß es. Im Anschluss hätten Lengede-Spieler die Polizei gerufen, nach deren Eintreffen sich die Lage beruhigt habe.

Doch hätte es nicht zwei Gastgeschenke gegeben, die der zwei Minuten zuvor eingewechselte Bartels innerhalb von einer Minute ausnutzte, wäre die Partie trotzdem gelaufen gewesen. „Genau das hatten wir eigentlich vermeiden wollen“, sagte Gästetrainer Dennis Kleinschmidt später. Zwar blieb Ernst ein Unsicherheitsfaktor, und bei einem Lattenkopfball von Omelan hatte 05 Glück (63.). Doch vorn boten sich Hillebrecht (73.) und Washausen (73.), der nur noch vor dem gegnerischen Gehäuse zu finden war, Chancen zum Ausgleich.

Es folgte eine dramatische Schlussphase mit achtminütiger Nachspielzeit, die eines Pokalendspiels würdig war. Erst verpasste Förtsch eine hundertprozentige Möglichkeit zum Ausgleich, dann rempelte Bock im direkten Gegenzug Folchmann an, der dramatisch zu Boden ging. Schiedsrichter Tobias Geismann zeigte auf den Punkt – eine Entscheidung aus der Kategorie Fehlentscheidung. Lemke traf zum 5:3 (90.+2), doch noch war nicht Schluss.

Kurz darauf wurde Förtsch erst von Bartels bedient und dann von SV-Torwart Scheer von den Beinen geholt. Geismann zeigte erneut auf den Punkt, und Förtsch traf zum 4:5 (90.+4). Als jedoch Folchmann per Freistoß zum 6:4 netzte (90.+7) war kurz darauf wirklich Schluss, und Lengede, das 2007 im Finale gegen Germania Breitenberg verloren hatte, jubelte.

Käschel ärgert sich über Gegentreffer nach Standards

„Wir fressen drei Standards in der ersten Hälfte“, ärgerte sich Käschel, machte jedoch Ernst keine Vorwürfe: „Er hat uns ins Finale gebracht.“ In der Halbzeit habe man sich „fürs Weitermachen entschieden“, und Förtsch „muss in der Nachspielzeit zwei Meter vorm Tor das 4:4 machen“. Hat er aber nicht, und im direkten Gegenzug gab es Strafstoß. So ist Fußball manchmal...

I. SC 05: Ernst – Hillebrecht, Förtsch, Bock, Kaplan (63. Dähling) – Bruns, Wenzel – Paramarajah (46. D. Washausen), Mohebieh, Drazic – Podolczak (54. Bartels). – Tore: 1:0 Podolczak (3.), 1:1 Kudlek (30.), 1:2 Mulic (36.), 1:3 Folchmann (39./HE), 1:4 Mulic (43.), 2:4, 3:4 Bartels (56., 57.), 3:5 Lemke (90. +2/FE), 4:5 Förtsch (90.+4/FE), 4:6 Folchmann (90.+7).