03. September 2020 / 09:15 Uhr

Teurer Eissport in Leipzig: So läuft die Finanzierung von Eishallen in anderen Städten

Teurer Eissport in Leipzig: So läuft die Finanzierung von Eishallen in anderen Städten

LVZ-Sportbuzzer
Leipziger Volkszeitung
Das erste Spiel in der neuen Eishalle im Leipziger Kohlrabizirkus haben am 30. September 2018 die IceFighters Leipzig gegen die Hannover Indians gespielt.
Ohne kommunale Unterstützung wird nirgendwo eine Eishalle betrieben: Leipzig ausgenommen. © Dirk Knofe
Anzeige

Die Zukunft der IceFighters und des Eissports in Leipzig bleibt weiterhin offen. In vielen Städten fließen Steuermittel in die Spielstätten. Der Betrieb von Eissportanlagen zählt zu den teuersten Engagements von Städten und Gemeinden im Bereich Freizeit und Sport.

Anzeige

Leipzig. Die Debatte um eine Eishalle in Leipzig hat mit dem Streit um die Zukunft des Eissports im Kohlrabizirkus wieder an Fahrt aufgenommen. Die Beteiligten hoffen nun vor allem auf Hilfe der Stadt Leipzig. Bis Freitag muss eigentlich die „Kuh vom Eis“ sein, dann fällt die Entscheidung über die Oberligalizenz für die Icefighters, die ihrerseits eine Spielstätte nachweisen müssen. Im Frühjahr hatte der private Hallenbesitzer dem Betreiber den Mietvertrag gekündigt. Seither sitzt das Team von Trainer Sven Gerike auf dem Trockenen.

Eine jährliche Förderung der Hallen-Betriebskosten aus Steuermitteln erfolgt seitens der Stadt Leipzig bislang nicht. Seit 2018 wurden lediglich die Umzugskosten der Eissportler von Taucha nach Leipzig mit 200 .000 Euro unterstützt.

Mehr zu IceFighters Leipzig

Wir haben uns umgehört, wie das Betreiben von Eishallen/Eissport in anderen Städten funktioniert. Ergebnis der Recherche: Ohne kommunale Unterstützung wird nirgendwo eine Eishalle betrieben. Sicher ist auch, dass der Betrieb von Eissportanlagen zu den teuersten Engagements von Städten und Gemeinden im Bereich Freizeit und Sport zählt. Man muss sich dies leisten können und wollen – so der Tenor der angefragten Stadtsprecher.

Berlin:

Während die meisten Sportstätten über die Bezirksverwaltungen gemanagt werden, sind die vier Eishallen zentral der Senatsverwaltung unterstellt. Der DEL-Club Eisbären Berlin zahlt als Profimannschaft Nutzungsgebühren, die Eisbären Juniors dürfen die Eissportstätten kostenfrei nutzen. Festgelegt ist dies im Sportförderungsgesetz. Liegt die Nutzung durch Sportler im öffentlichen Interesse, so fallen erst bei Veranstaltungen mit mindestens 3000 Zuschauern Gebühren an.

Dresden:

Die Arena wird durch den Eigenbetrieb Sportstätten Dresden betrieben. 2019 betrugen Aufwendungen zur Betreibung der Arena ca. 5,7 Mio. Euro. Diese werden aus den Erträgen der Arena (2,8 Mio. Euro) und aus den Zuschüssen der Stadt Dresden an den Eigenbetrieb Sportstätten zum Verlustausgleich für die Betreibung aller kommunalen Sportstätten der Stadt Dresden finanziert. Im Sportkomplex sind 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Chemnitz:

Die Stadt bezuschusst die Eissport und Freizeit GmbH Chemnitz für den Betrieb des Eislaufkomplexes jährlich mit ca. 1,8 Mio. Euro.

Erfurt:

Das Eissportzentrum umfasst eine 400-m-Eisschnelllaufbahn und zwei Standardflächen, wo die Black Dragons Eishockey spielen. Wegen des Olympiastützpunktes in der Gunda Nieman-Stirnemann-Halle (Eisschnelllauf) sind die Betriebskosten nicht mit anderen Städten in Mitteldeutschland vergleichbar. Der größte Kostenpunkt sind die Stromkosten zur Kälteerzeugung – ca. 600.000 Euro pro Jahr. Insgesamt ergeben sich Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro allein aus dem laufenden Betrieb, d.h. ohne Abschreibung auf Gebäude und technische Anlagen. In Erfurt steht eine Sanierung an, Gesamtumfang 10 Millionen Euro, dieses Jahr gut drei Millionen.

Halle:

Im Haushalt der Saalestadt sind etwa 620. 000 Euro pro Jahr für den Eissportbetrieb festgelegt. Zudem spendierte die Kommune aus öffentlichen Geldern für mehr als 20 Millionen Euro eine neue Halle, nachdem die alte am Gimritzer Damm durch das Hochwasser 2013 stark beschädigt wurde und 2016 abgerissen werden musste.

Wernigerode:

Die Stadt im Harz hat in ihrem Haushalt für die Schierker-Feuerstein-Arena rund 470. 000 Euro ausgewiesen. Bis 2023 steigt dieser Betrag auf 530. 000 Euro an, mit dem die kommunale Ebene den Betrieb der Eishalle unterstützt.

Crimmitschau:

Das Eisstadion am Sahnpark wird von der Stadt betrieben. Das Defizit, das die Kommune ausgleicht, lag 2019 bei knapp 400. 000 Euro.

Hannover:

Das kommunale Eisstadion am Pferdeturm wird seit 2003 an einen Gastronomen verpachtet und ist Spielstätte der Indians. Es existiert ein Erbbaurechtsvertrag. Der Betreiber erhält von der Landeshauptstadt jährlich einen Zuschuss von 120 .000 Euro. Damit verbunden sind Auflagen wie die Verpflichtung, bestimmte Zeiten für öffentlichen Eislauf vorzuhalten.

Wedemark-Mellendorf:

In der niedersächsischen Stadt spielen die Hannover Scorpions. Die Eislaufsparte der dortigen Sport & Freizeit GmbH erhält von der Gemeinde gemäß Sportförderrichtlinie einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 173.000 Euro. Den Inliner-Sport fördert die Gemeinde mit weiteren 5.000 Euro.

Rostock:

Die Hansestadt ist Eigentümerin der Eissporthalle und trägt die Betriebskosten. Das öffentliche Eislaufen ist in festgeschriebenen Zeiten an eine Marketing GmbH vergeben. Für die Vereine (Eishockey-Oberligist Piranhas und dessen zweite Mannschaft, Shorttrack, Eiskunstlauf) ist die Nutzung der Sportstätten entsprechend der geltenden Entgeltordnung nach verschiedenen Nutzergruppen differenziert. Die Belegung wird durch das Amt für Sport koordiniert.

Regensburg:

Die Stadt an der Donau bezuschusst die Eiszeiten der Regensburger Eissport-Vereine mit jährlich 580.000 Euro.

Julius Schilling