09. Juni 2021 / 15:37 Uhr

„Ich sehe die vielen Zuschauer in den EM-Stadien schon als Risiko an“

„Ich sehe die vielen Zuschauer in den EM-Stadien schon als Risiko an“

Peter Konrad
Peiner Allgemeine Zeitung
Die Nationalspieler Manuel Neuer (links) und Leroy Sane feiern nach dem Länderspiel gegen Lettland mit den Fans. 1000 waren zugelassen, bei den EM-Spiele in München dürfen jeweils 14000 ins Stadion.
Die Nationalspieler Manuel Neuer (links) und Leroy Sane feiern nach dem Länderspiel gegen Lettland mit den Fans. 1000 waren zugelassen, bei den EM-Spiele in München dürfen jeweils 14000 ins Stadion. © Federico Gambarini/dpa
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Ist es richtig, eine solche Fußball-Europameisterschaft in dieser Pandemie-Zeit auszurichten? Peiner Sportler haben unterschiedliche Ansichten dazu. Die Spiele der deutschen Mannschaft wollen aber alle Befragten verfolgen.

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Vor einem Jahr ist sie wegen der Pandemie noch ausgefallen – am Freitag, 11. Juni, nun startet die Fußball-Europameisterschaft. Gespielt wird bis zum Finale am 11. Juli in elf Ländern. Doch von Vorfreude auf dieses Ereignis ist diesmal nur wenig zu spüren und zu sehen. Stattdessen gibt es reichlich Kritik an dem Modus der Endrunde: Zehntausende Fans in den Stadien, dazu Nationalmannschaften, die für ihre Spiele zwischen Amsterdam, Bukarest oder London hin- und herreisen – etliche Gesundheitsexperten halten dies für verantwortungslos und warnen vor den Risiken. Wie Sportler und Sportlerinnen aus Peine die EM sehen und ob sie sich darauf freuen, erläutern sie im Gespräch mit der PAZ.

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1. Ist es richtig, eine solche EM in dieser Pandemie-Zeit auszurichten?

Maik Höhne (Geschäftsführer des Kreissportbundes Peine): „Das ist eine schwierige Frage, aber ich gehe davon aus, dass die Organisatoren entsprechende Konzepte ausgearbeitet haben, so dass die Veranstaltung auch sicher ist. Es wird ähnlich sein wie mit der Bundesliga. Auch die ist dank der guten Konzepte weitergelaufen – und es hat funktioniert. Deswegen halte ich es auch für vertretbar, die EM auszurichten. Zudem glaube ich, dass die EM zu einer gewissen Begeisterung und zur Unterhaltung der Menschen beiträgt – und das ist ja ebenfalls wichtig.“



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Philipp Wulfes (Trainer des TSV Adler Handorf): „Da der Profisport in den vergangenen Monaten stattgefunden hat, ist es in auch in Ordnung, dass die EM gespielt wird. Sehr kritisch sehe ich aber, dass in den Stadien so viele Zuschauer zugelassen sind. Ich bin zwar kein Gesundheitsexperte, aber ich sehe das schon als Risiko an. Die Bundesliga hat ein Jahr vor leeren Rängen gespielt und bei der EM wird das nun ganz anders gehandhabt – das kann nicht Sinn der Sache sein.“

Sabrina Wolff (Kapitänin der Bezirksliga-Fußballerinnen des VfB Peine): „Es wäre besser gewesen, die EM nicht auszurichten. Denn es kommen viel zu viele Menschen in die Stadien, von denen sicherlich nicht alle geimpft sind. Zudem werden viele auch unvorsichtig sein, so dass dadurch die Infektionsrate wieder ansteigen wird.“

Tobias Dreyer (Coach des TSV RW Schwicheldt): „Vor einem Jahr fand ich es absolut in Ordnung, dass die EM abgesagt wurde. Ob es richtig oder falsch ist, dass jetzt gespielt wird, lässt sich nur schwer beurteilen. Ich jedenfalls kann gut damit leben, dass die EM stattfindet, denn nun gibt es etwas, auf das ich mich in dieser Corona-Zeit freuen kann – und ich glaube, vielen anderen ergeht es genauso.“

2. Welche Spiele schauen Sie sich an und wo?

*Maik Höhne: * „Ich werde mir zu Hause einige Spiele anschauen, und Kollege Ralf Klemm hat mir schon angeboten, dass wir hier zusammen in der Geschäftsstelle die Spiele, die um 15 Uhr beginnen, angucken können. Und ich bin jemand, der sich nicht nur auf die deutsche Mannschaft fixiert, sondern wenn es bei mir zeitlich passt, gucke ich jedes Spiel, weil mich alle Mannschaften interessieren.“

Philipp Wulfes: „Ich werde mir die Spiele privat anschauen, wobei ich nicht alle gucken werde. Die der deutschen Mannschaft werde ich auf jeden Fall verfolgen und mir dann noch die Highlights herauspicken. Ohnehin hält sich bei mir die Vorfreude in Grenzen – das habe ich auch bei anderen registriert. Klar, bei den Spielen mit Deutschland bin ich dabei, aber ansonsten ist das derzeit alles noch ein bisschen komisch. Ich freue mich viel mehr darüber, dass meine Mannschaft nun endlich wieder trainieren darf.“

*Sabrina Wolff: * „Alles werde ich mir nicht angucken, weil mir dazu die Zeit fehlt, denn ich habe selbst wieder Training. Die Spiele der deutschen Mannschaft schaue ich mir aber auf jeden Fall an. Und auch bei Portugal werde ich zuschauen, weil dort mit Raphael Guerreiro ein Spieler von Borussia Dortmund dabei ist.“

*Tobias Dreyer: * „Generell schaue ich mir bei einer EM und WM alles an. Aber da ich seit knapp neun Monaten Vater einer Tochter bin, muss ich erst einmal schauen, wie ich da durchkomme – drei Spiele an einem Tag wird nun schwer (lacht). Grundsätzlich gucke ich mir die Spiele gerne von meinem Sofa aus in Ruhe an. Bis auf die Spiele mit Deutschland, da mache ich gerne mit einigen Kumpels eine kleine Grill-Runde. Ob das dieses Jahr aufgrund der Pandemie auch möglich ist, müssen wir erst noch klären.“

3. Wie weit kommt die deutsche Mannschaft?

Maik Höhne: „Ich glaube, dass sie gute Chancen hat, den Titel zu holen oder zumindest bis ins Finale zu kommen, auch wenn die Vorrundengruppe extrem schwer ist. Wenn sie die übersteht, wovon ich ausgehe, traue ich der deutschen Mannschaft enorm viel zu. Zum einen ist sie personell sehr gut aufgestellt, zum anderen befinden sich viele große Nationen wie Spanien, Italien oder Portugal ein bisschen im Umbruch, so dass es keinen klaren Favoriten gibt. Mein Geheimtipp ist England. Ich würde allerdings Jogi Löw zu seinem Abschied den Titel gönnen, auch wenn ich nicht immer ein Verfechter von ihm war.“

*Philipp Wulfes: * „Die Deutschen werden alle überraschen und ein gutes Turnier spielen, weil sie keiner so richtig auf der Rechnung hat. Ich glaube, dass sie ins Finale einziehen.“

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*Sabrina Wolff: * „Es wird sehr schwer für das Team, die Vorrunde zu überstehen, weil die Portugiesen und die Franzosen mehr Qualität haben als Deutschland. Deshalb glaube ich auch, dass die deutsche Mannschaft ausscheidet.“

Tobias Dreyer: „Das ist eine gute Frage, die jedoch nur schwer zu beantworten ist, weil man das kaum einschätzen kann. Ich bin aber trotzdem zuversichtlich und gehe davon aus, dass die deutsche Mannschaft mindestens das Halbfinale erreicht. Denn durch die Nominierung von Mats Hummels und Thomas Müller hat das Team einen Schub bekommen. Dass alle gut kicken können, steht außer Frage, aber Hummels und Müller sind Mentalitätsmonster – und genau solche Typen braucht die Mannschaft. Dennoch wird es in der Vorrunde enorm schwer für die Deutschen – dort sind für mich die Franzosen der absolute Favorit.“

Von Peter Konrad