27. Mai 2021 / 17:51 Uhr

„Ich würde gern weiter Handball spielen, merke jedoch das zunehmende Alter“

„Ich würde gern weiter Handball spielen, merke jedoch das zunehmende Alter“

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Huch! Sandra Wilck machte den Fotospaß mit und ließ sich ein Dutzend Bälle gleichzeitig aufs Tor werfen.
Huch! Sandra Wilck machte den Fotospaß mit und ließ sich ein Dutzend Bälle gleichzeitig aufs Tor werfen. © Ralf Büchler/Archiv
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Sandra Wilck hört auf. Die Torhüterin der Landesliga-Damen der HSG Nord Edemissen geht diesen Schritt allerdings mit einigen Bauchschmerzen. Wie schwer es ihr fällt, schildert sie im Interview.

Nur noch knapp zwei Jahre fehlen, dann hätte sie quasi ein „silbernes Jubiläum“ als Torfrau der HSG Nord feiern können. Die Rede ist von Sandra Wilck, die 1999 vom TVJ Abbensen zur Edemisser Handball-Spielgemeinschaft wechselte, bei der sie seitdem zum „festen Inventar“ zählt. Kürzlich gab die 49-Jährige bekannt, mit dem Handball spielen aufzuhören. Im PAZ-Gespräch erläutert sie Gründe dafür, blickt auf ihre Karriere zurück und erläutert, wie sie die gewonnene Freizeit nutzen will.

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Frau Wilck, ist es Ihnen schwer gefallen, sich zum Rücktritt durchzuringen?

„Ja, denn mein Herz brennt immer noch. Ich würde gern weiter Handball spielen, merke jedoch das zunehmende Alter. So überlegte ich lange hin und her, es war ein Wechselbad der Gefühle. Letztlich hat der Verstand gesiegt. Jetzt sagen meine Mitspielerinnen und Trainer: ’Wie schade, dass Sandra aufhört.’ Schlimm wäre es, wenn später einmal über mich erzählt würde, sie hat immer noch nicht gemerkt, dass ihre Zeit vorbei ist.“

Kann die Mannschaft Ihren Abgang kompensieren?

„Wir haben mit Lea Goldmann und Fiona Schneider zwei Torwart-Talente, die sich sehr gut ergänzen. Lea ist eine sogenannte Steherin, sie wartet ab, reagiert erst, wenn der Ball kommt. Fiona ist agiler, sie spekuliert oft darauf, in welche Ecke geworfen wird.“

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Torwart-Trainerin von Lea Goldmann und Fiona Schneider – könnte das eine Option für Sie werden?


„Nein. Ich bin ja schon Torwart-Trainerin der weiblichen D-und B-Jugend der HSG Nord. Alleinverantwortlicher Trainer zu sein, käme allerdings nicht für mich in Frage. Dafür habe ich nicht genug Ahnung von technischen und taktischen Dingen.“

Welchen Trainer während Ihrer Karriere würden Sie als den besten bezeichnen?

„Da gibt es keinen, der herausragt. Ich hatte viele gute Trainer. Aber fest steht, dass Norbert Ahlers mich am meisten beeindruckte. Ein Jahr nach meinem Wechsel vom Dorfverein Abbensen zur HSG Nord rückte ich in Edemissens Oberliga-Kader hoch. Norbert machte ein professionelles Training, so etwas kannte ich vorher gar nicht. Er trainierte mit uns bis zum Anschlag. Nichtsdestotrotz erlebte ich rückblickend damals meine schönste Zeit bei der HSG, wir spielten in der Oberliga oben mit. Toll war auch das Jahr, in dem Bianca Staats und Martin Staats als Trainer einsprangen. Die meisten Spielerinnen hatten die Mannschaft im Frühsommer verlassen. Bianca und Martin schafften es trotz der schlechten Lage, Neuzugänge zu holen beziehungsweise Leute zu reaktivieren. Und dann haben wir mit dem zusammengewürfelten Haufen eine richtig gute Saison gespielt.“

Von größeren Verletzungen blieben Sie in all den Jahren verschont. Woran liegt’s?

„Erst einmal hatte ich einfach Glück. Dazu kommt, dass Handball-Torhüter so gut wie nie Körperkontakt zum Gegner haben. Außerdem blieb ich immer fit. Das liegt wohl auch daran, dass ich außerhalb des Trainings jede Woche 30 bis 40 Kilometer laufe. Das werde ich beibehalten.“

Und sonst? Ist eine Handball-Saison angelaufen, kann man als Spielerin der Damen-Landesliga überschlagsmäßig einplanen, dass jede Woche mindestens zehn Stunden für Spiel, Training und das Drumherum draufgehen. Was werden Sie mit der gewonnenen Zeit anfangen?

„Ich werde zu Hause unseren Garten umgestalten. Er soll naturnaher werden. Außerdem bin ich ja noch zusammen mit Selina Hofmeister Damen-Wartin der HSG Nord. Und bei den Heimspielen der Edemisser Landesliga-Damen werde ich sicher oft auf der Tribüne sitzen.“

Das dürfte noch mehrere Monate dauern. Haben Sie Bammel vor dem Moment, wenn sie „Ihrer“ Mannschaft das erste Mal zusehen?

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„Na klar, nichts ist schlimmer, als nur zugucken zu können. Und ich werde sicher nicht emotionslos dabei sein. Aber das ist normal. Ich fühle mich wohl bei der HSG Nord. Hier ist meine Heimat, hier ist meine Familie.“