14. Oktober 2019 / 09:12 Uhr

Kommentar zu Emre Can und Ilkay Gündogan: Erste Baustelle für DFB-Boss Fritz Keller

Kommentar zu Emre Can und Ilkay Gündogan: Erste Baustelle für DFB-Boss Fritz Keller

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Emre Can (l.) und Ilkay Gündogan stellen den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller vor die erste große Herausforderung - meint SPORTBUZZER-Mitarbeiter Patrick Strasser.
Emre Can (l.) und Ilkay Gündogan stellen den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller vor die erste große Herausforderung - meint SPORTBUZZER-Mitarbeiter Patrick Strasser. © imago images/Nordphoto/ZUMA Press/Montage
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Mit ihrem später zurückgenommenen Instagram-"Like" für den türkischen Salut-Jubel sorgten Ilkay Gündogan und Emre Can für Wirbel. Beide erklären ihre Beweggründe glaubhaft - dennoch ist der neue DFB-Boss Fritz Keller als Krisenmanager gefragt, meint SPOTZBUZZER-Mitarbeiter Patrick Strasser.

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Ein in der ersten Halbzeit gruseliger Kick und zwei verhängnisvolle Klicks. Für den DFB war der Sonntag im beschaulichen Tallinn ein doppelter Rückfall in vergangene Zeiten – spielerisch und abseits des Platzes. Die deutsche Nationalmannschaft konnte nach einer ganz dünnen Leistung im EM-Qualifikationsspiel gegen Gastgeber Estland erst nach der Pause noch mit 3:0 gewinnen. Schadensvermeidung gegen einen Underdog, die Nummer 102 in der FIFA-Weltrangliste. Dabei erinnerte das Spiel der DFB-Elf an die mauen Leistungen bei der WM 2018 in Russland. Nach Rekord-Rot für Emre Can traf Ilkay Gündogan doppelt, Deutschland bleibt klar auf Kurs zur EM 2020.

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Internationale Pressestimmen zum DFB-Erfolg gegen Estland

Ilkay Gündogan hat die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Toren zum wichtigen Sieg in Estland geschossen - nachdem er zuvor für eine Kontroverse gesorgt hatte. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengestellt. Zur Galerie
Ilkay Gündogan hat die deutsche Nationalmannschaft mit zwei Toren zum wichtigen Sieg in Estland geschossen - nachdem er zuvor für eine Kontroverse gesorgt hatte. Der SPORTBUZZER hat die Reaktionen der internationalen Presse zusammengestellt. ©

Überschattet wurde die Partie in Tallinn von einem erneuten politischen Fehltritt. Am Nachmittag herrschte Aufregung im DFB-Lager, weil die türkisch-stämmigen Ilkay Gündogan und Emre Can bei Instagram ein Foto des ehemaligen Frankfurter Bundesliga-Profis Cenk Tosun mit einem "Like" versehen hatten. Darauf zu sehen: Türkische Nationalspieler beim militärischen Gruß nach Tosuns 1:0-Siegtor gegen Albanien. Dazu schrieb der Stürmer des FC Everton: „Für unsere Nation, vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren.“ Gemeint sind die Soldaten, die den Krieg des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen die Kurden in Nordsyrien ausführen. Noch vorm Anpfiff zogen beide Profis ihre Sympathie-Bekunden online wieder zurück.

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Die Rechtfertigungen klangen ehrlich, die Klicks hätten nichts mit Politik zu tun, beteuerten beide Profis, seien lediglich ein Dokument der Freundschaft zu Tosun gewesen. Gündogan stellte klar: „Emre und ich sind beide gegen jeglichen Terror und Krieg.“ Glaubhaft. Beide wirkten erschrocken über die Welle der Reaktionen. Dennoch hätten sie besser wissen müssen, was ein solches "Like" auslösen kann. Denn das Foto mit dem militärischen Salut der türkischen Spieler war alles andere als zweideutig. Can und Gündogan, die nachweislich gerne für die deutsche Nationalelf spielen, wollten wohl durch einen Impuls-Klick ihren Fans, die ebenfalls türkisch-stämmige Wurzeln haben, gefallen. Mit ihren Entschuldigungen gestehen sie den oberflächlichen Umgang mit Social Media – generell ein gefährliches Unterfangen. Also: erst denken, dann klicken.

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Patrick Strasser hat die Leistungen der DFB-Akteure im Spiel gegen Estland für den SPORTBUZZER bewertet. Zur Galerie
Patrick Strasser hat die Leistungen der DFB-Akteure im Spiel gegen Estland für den SPORTBUZZER bewertet. ©

Bundestrainer Joachim Löw nahm seine Spieler in Schutz, das muss er. Der Verband will das Thema mit Can und Gündogan besprechen – oder doch wieder aussitzen wie vor, während und nach der WM als Mesut Özil und Gündogan für ein gemeinsamen Fotos mit Erdogan posiert hatten? Das würde nicht zum Profil des neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller passen.
Das aktuelle Krisenmanagement in diesem Fall ist eine seiner ersten Herausforderungen.