09. Juni 2018 / 17:40 Uhr

Ilkay Gündogan tief getroffen: So schmerzen ihn die Pfiffe der deutschen Fans

Ilkay Gündogan tief getroffen: So schmerzen ihn die Pfiffe der deutschen Fans

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ilkay Gündogan kann seine Enttäuschung nach den Pfiffen kaum verbergen.
Ilkay Gündogan kann seine Enttäuschung nach den Pfiffen kaum verbergen. © imago/Contrast
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Vor dem Abflug zur WM und nach dem schwachen Test gegen Saudi-Arabien gibt es bei der deutschen Nationalmannschaft nur ein Thema: Die Pfiffe gegen Ilkay Gündogan, die den sensiblen Star heftig getroffen haben. 

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Was waren es doch für schöne Fußballfeste, mit denen die deutsche Nationalmannschaft vor den letzten Weltmeisterschaften aus der Heimat verabschiedet wurde. 2010 gab es ein 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina, 2014 ein berauschendes 6:1 gegen Armenien, bei dem das DFB-Team gefeiert wurde. Diesmal ist die Stimmungslage vor dem Abflug nach Russland am Dienstag eine ganz andere.

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Sportlich lief auch beim 2:1-Sieg gegen Saudi-Arabien längst nicht alles rund – und es gibt tiefe Gräben vor der Mission Titelverteidigung zwischen den Fans und der Mannschaft. Auch in Leverkusen wurden Mesut Özil, der nur auf der Bank saß, und vor allem Ilkay Gündogan vom Großteil des Publikums ausgepfiffen. Offenbar haben die Anhänger den beiden türkisch-stämmigen Nationalspielern ihr Treffen inklusive Propaganda-Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan noch immer nicht verziehen. Und dieses Thema droht den Weltmeister nun auch während der Endrunde in Russland weiter zu begleiten.

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"Ich möchte nichts sagen"

Mit tief ins Gesicht gezogener Baseball-Mütze und traurigem Blick schlich Gündogan am Freitagabend aus der BayArena. „Ich bitte um Verständnis, ich möchte nichts sagen“, meinte er gegenüber dem SPORTBUZZER. Am Samstag meldete er sich dann via Twitter: „Letztes Spiel vor der Weltmeisterschaft … und immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen.“ Dazu ein Foto von ihm und seinen Mitspielern Julian Brandt, Timo Werner und Thomas Müller. Im Gegenteil zu Özil hatte sich Gündogan schon im Vorfeld offen zu der unglücklichen Aktion geäußert und seine Sicht der Dinge geschildert. Auch deshalb kamen die lauten Unmutsbekundungen überraschend. Mats Hummels gab zu: „Wir haben damit nicht gerechnet.“

So ging es wohl auch Gündogan selbst, der laut Joachim Löw völlig geknickt in der Kabine saß. Der Bundestrainer war sauer und enttäuscht über die Reaktionen der deutschen Fans: „Das hat mich schon geschmerzt. Ich kann es schwer nachvollziehen. Ilkay hat sich jetzt mehrfach gestellt und gesprochen. Ich denke, wenn ein Spieler das mehrfach tut, ist auch irgendwann Schluss.“

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Mannschaft solidarisiert sich

Auch viele Mitspieler zeigten sich genervt und sprangen Gündogan und Özil zur Seite. Kapitän Manuel Neuer sagte: „Solche Pfiffe schaden der Mannschaft. Es ist nicht schön, ausgepfiffen zu werden und natürlich macht sich Ilkay auch seine Gedanken.“ Und Hummels meinte: „Wir reden ja nicht davon, dass sich zwei Leute seit Jahren irgendwelche Ausfälle leisten, sondern sie haben eine Aktion gemacht, die bei vielen nicht gut ankommt. Aber ich denke, wenn man zu einem Spiel der Nationalmannschaft geht und da sind zwei Spieler, die schon oft für uns gespielt haben, finde ich das irgendwie nicht so glücklich.“

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In den kommenden Wochen wird nun spannend zu beobachten sein, wie es weitergeht. Özil hat sich bislang noch immer nicht zur Erdogan-Affäre geäußert, was auch DFB- und mannschaftsintern nicht gut ankam. Gündogan hingegen hatte den Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angeregt und sich „zu den deutschen Werten bekannt“. Wer den sensiblen Star von Manchester City kennt, ahnt, wie nah ihm die Pfiffe gehen dürften. Gündogan, der endlich topfit ist und seine erste WM spielt, reist mit einem XXL-Rucksack nach Russland.

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"Brauchen den Illy, brauchen den Mesut"

Sogar der Appell, den Oliver Bierhoff im Vorfeld an die Fans gerichtet hatte, verpuffte. Der Team-Manager hatte darum gebeten, das Thema „endlich abzuhaken“ und „die Spieler nicht auf ewig zu verdammen“. Der Schuss ging nach hinten los. Überhaupt verkam die PR-Strategie des DFB in der Causa eher zu einem Eigentor.

Vielleicht helfen nun aber die klugen Worte von Mario Gomez, der sagte: „Ab jetzt bitte ich die Leute einfach darum, daran zu denken, dass wir Weltmeister werden wollen. Und dazu brauchen wir den Illy, und dafür brauchen wir den Mesut.“


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