24. Februar 2021 / 06:00 Uhr

Ilkay Gündogan über seine Top-Form, unterschätzte Schlüsselspieler und die "beste Medizin" für das DFB-Team

Ilkay Gündogan über seine Top-Form, unterschätzte Schlüsselspieler und die "beste Medizin" für das DFB-Team

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Interview spricht Ilkay Gündogan unter anderem über seine starke Form.
Im Interview spricht Ilkay Gündogan unter anderem über seine starke Form. © IMAGO/PA Images (Montage)
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Ilkay Gündogan blüht in neuer Rolle im Starensemble von Manchester City auf. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er vor dem Champions-League-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach über seine Top-Form, die öffentliche Wahrnehmung von Schlüsselspielern und das DFB-Team.

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Knapp vier Monate vor der Europameisterschaft macht sich Fußball-Deutschland Sorgen um den Zustand der Nationalmannschaft, doch es gibt durchaus auch Hoffnungsträger – einer davon ist Ilkay Gündogan, der mit seinem seit November ungeschlagenen Klub Manchester City am Mittwoch (21 Uhr, DAZN) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Borussia Mönchengladbach antritt.

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SPORTBUZZER: 13 Saisontore in 27 Pflichtspielen, dazu drei Vorlagen – sehen wir aktuell den besten Gündogan aller Zeiten?

Ilkay Gündogan (30): Ich persönlich denke, dass ich auch beim BVB im Double-Jahr 2012 sowie 2013, als wir im Finale der Champions League standen, und im Saisonendspurt 2018/2019 bei City ebenfalls auf meinem persönlichen Topniveau gespielt habe. Man sollte Fußballer nicht nur anhand der Tore messen. Ich fühle mich körperlich derzeit auch nicht besser oder schlechter als zuvor.

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Woran liegt es dann?

Meine Interpretation der Rolle ist etwas offensiver geworden und es läuft ganz gut. Aber man kann auch als Sechser extrem wichtig sein. Dafür braucht es dann einen etwas tieferen Blick ins Spiel hinein. Wer sich dann nur die dreiminütige Zusammenfassung anschaut, dem werden immer nur die direkten Assistgeber und Torschützen auffallen. Eigentlich ist das schade. Doch das scheint immer mehr der Fall zu werden. Der Stürmer und offensive Mittelfeldspieler kann auch immer nur dann glänzen, wenn hinter ihm auch alles in der Struktur stimmt.

Vieles fokussiert sich auf Torschützen oder Vorbereiter im Fußball, dabei stehen jeweils elf Leute auf dem Feld.

Genau das ist es. Es ist eine uralte Floskel, aber Fußball ist und bleibt ein Mannschaftssport. Wir schießen diese Saison zum Beispiel insgesamt gar nicht so enorm viele Tore, aber konnten trotzdem eine lange Siegesserie hinlegen, weil unsere Defensive einfach einen überragenden Job macht. Das kann man nicht oft genug betonen.

Gibt es Spieler, die aus Ihrer Sicht grundsätzlich zu wenig wertgeschätzt werden?

Als Luka Modric 2018 Weltfußballer wurde, habe ich mich ja schon etwas gefreut. Denn Modric ist kein Spieler, der ständig Tore erzielt, auch in Sachen Vorlagen ist er selten bei den Allerbesten. Aber er war in den erfolgreichen Jahren bei Real Madrid trotzdem ein absoluter Schlüsselspieler mit überragenden Leistungen. Bis dorthin wurde er sicherlich sehr stark unterschätzt.

Wie ist es bei Manchester City?

Bei uns ist zum Beispiel Rodri ein enorm wichtiger Schlüsselspieler. Seinen Job kann man kaum besser machen. Trotzdem werden ihn in Deutschland nicht allzu viele kennen, während unsere Offensiven jeder Fußballfan sofort aufzählen kann. Für unseren Erfolg ist er aber genauso bedeutend wie der Offensivspieler mit Dutzenden Torbeteiligungen.

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Auch Sie standen oft nicht im Fokus.

Ich selbst habe kein Problem damit, etwas unter dem Radar zu laufen. Aber noch ungerechter ist es im Grunde in der Abwehr. In Zusammenfassungen sieht man oft nur Abwehraktionen bei Gegentreffern. Spielst du zu null und gewinnst hoch, kommst du in einer Zusammenfassung vielleicht gar nicht vor, obwohl du sehr gut gespielt hast und keine Chance zugelassen hast. Gleichzeitig kommen Defensivreihen in der Bewertung oft sehr schlecht weg, obwohl sie vielleicht einfach nur von der Offensive in der Rückwärtsbewegung im Stich gelassen wurden.

Wie gehen Sie mit dem aktuellen Hype­ um, was hat sich verändert?

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Ich kriege die Vielzahl an Medienanfragen und -berichten natürlich mit. Dadurch, dass wir aktuell keine Zuschauer haben und auch rund um das Stadion nichts los ist, hält sich der Hype aber in Grenzen.

Sie sind jetzt 30. Welche Rolle spielen bei allem Erfahrung und das Alter?

Die hilft einem schon sehr. Ich weiß natürlich, dass es so, wie es zuletzt lief, nicht ewig laufen kann. Entsprechend kann ich das auch professionell einstufen.

Wäre Ihre neue Rolle auch etwas für das DFB-Team mit Blick auf die EM?

Die EM ist für mich gedanklich noch sehr weit weg. Wir spielen im Moment fast durchgängig alle drei Tage. Jogi (Löw, Anm. d. Red.) ist am glücklichsten, wenn seine Nationalspieler mit einer Erfolgsserie von ihren Vereinen anreisen, und nur darum geht es für mich im Moment. Erfolgreicher Klubfußball ist immer die beste Medizin auch für die Nationalmannschaft.