07. Dezember 2021 / 10:02 Uhr

Im Archiv geblättert: Als die Bornaer dem FC Bad Lausick die Daumen drückten

Im Archiv geblättert: Als die Bornaer dem FC Bad Lausick die Daumen drückten

Hans-Peter Weiske
Leipziger Volkszeitung
Trainer Rene Vierig (l.) setzt auf eine Mischung aus jung und erfahren – und das mit Erfolg.
Trainer Rene Vierig (l.) setzt auf eine Mischung aus jung und erfahren – und das mit Erfolg. © sbf
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Seit dem Aufstieg in die Bezirksliga waren neun Jahre ins Land gegangen, als beim FC Bad Lausick mit Trainer Rene Vierig frischer, junger Wind einkehrte. Die Saison 2005/06 war geprägt von einer funktionierenden Mischung, widrigen Witterungsverhältnissen und einem spannenden Finale.

Bad Lausick. Vierigs Vorgänger Wolfgang Fischer setzte bei der Auswahl der Kicker auf Erfahrung – es sei nur an Dietmar Kreysler, Friedhelm Großmann, Jörg Thalmann, Udo Rietzschel, Jörg Engelmann, Ronny Lippmann oder Steffen Ziffert erinnert. Sein Nachfolger auf der Bad Lausicker Trainerbank hingegen konnte ab 2003 auf seine junge Garde ehemaliger A-Junioren zurückgreifen.

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Topduell gegen Delitzsch

Rund um die erfahrenen Sven Fischer (39), Falk Bauer (31) und Tino Kleinert (29) formierte er Spieler zwischen 20 und 25 Jahren – also im besten Fußballer-Alter. Dass Ausschläge in beide Richtungen nicht ausbleiben würden, zeigte sich bereits in den Pokalrunden zu Saisonbeginn, als dem unerwartet klaren 5:2 in Krostitz das klägliche Aus in Runde zwei beim SV Gleisberg (1:2) folgte.

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Zum Auftakt der Punktspiele ging es nach Stötteritz. An sich nichts besonderes. Aber dort saß Helmut Friedel auf der Trainerbank, der am letzten Spieltag der vergangenen Saison noch in Sermuth aktiv war und die Kurstädter bestens kannte. Der SSV ging zwar in Führung, am Ende stand aber ein 4:1-Erfolg des FC in der Statistik. Das erste Heimspiel sah die SG Taucha als Gast. Nach 13 Minuten stand es 1:1, am Ende 5:3 für die Lausicker, die damit erstmals die Tabellenführung übernahmen. Am 3. Spieltag ging es wieder nach Krostitz. Und wie im Pokal überrollten die Gäste den FSV in der Startphase, führten nach 20 Minuten mit 3:0, gewannen letztlich mit 4:0.

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Zum Spitzenreiter kam am 4. Spieltag der Tabellenzweite aus Delitzsch. Wieder stand es 1:1 – doch diesmal musste nach packendem Spielverlauf ein 3:3 reichen. Der 5. Spieltag brachte ein 1:1 bei Rotation 1950 Leipzig. Ein verschenkter Sieg, weil ein halbes Dutzend bester Chancen nicht genutzt wurden, zwei klare Strafstöße nicht verhängt wurden und der Gastgeber praktisch mit dem einzigen Schuss aufs Tor (88.) den Ausgleich erzielte. Leichter war es am 6. Spieltag gegen Aufsteiger Fortuna Leipzig, das klare 4:1 sah den FC mit 14 Punkten bei 21:9 Toren weiter an der Spitze. Dann ging es erstmals nach Mehderitzsch, der nächste Aufsteiger wartete mit nicht weniger als sechs Spielern aus Tschechien auf.

Punkte verspielt

Am Sprachengewirr dürfte es aber nicht gelegen haben, dass der FC nach 20 Minuten mit 0:3 zurücklag. Die restlichen 70 Minuten waren ein einziger Sturmlauf der Gäste. Mehr als das 1:3 durch Kleinert und eine gelb-rote Karte für Sven Fischer auf der Bank sprangen aber nicht heraus. In der Tabelle überholte Nordwest Leipzig den FC. Der wiederum empfing am 8. Spieltag Blau-Weiß Leipzig zum nächsten Spitzenspiel: Zweiter gegen Dritter. Personell sah es inzwischen nicht gut aus, zum zweiten Mal hatte Vierig nur 12 Feldspieler zur Verfügung. Die Gäste suchten und fanden in teilweise ungesunder Härte die Mittel, um am Ende mit 2:1 zu gewinnen. Das bedeutete einen Platztausch in der Tabelle.

Als Dritter und mit einigen Kickern mehr auf dem Spielbericht gab es am 9. Spieltag ein souveränes 3:0 beim Döbelner SC. Wie gewonnen, so zerronnen: Das „Leiden“ gegen den SV Tresenwald, Bad Lausick gewann die Pokalpartien, der SVT die Punktspiele, setzte sich fort. Mit 1:0 siegten die Gäste, übernahmen Rang drei, der FC war nun Fünfter. Spieltag elf führte nach Zwenkau und sah mit dem 2:0 den nächsten Auswärtserfolg. Fast schon logisch, was folgte: Am 12. Spieltag entführte ausgerechnet die Sermuther Eintracht mit 3:2 die Punkte. Dass der FC drauf und dran war das 0:3 (55.) aufzuholen, spielte letztlich keine Rolle.

Tor aus Abseitsposition

Spieltag 13 sah ein 1:1 beim Bornaer SV, hier wäre auch ein 3:3 oder 5:5 möglich gewesen. Das Tabellenschlusslicht aus Beilrode hatte beim 1:6 am 14. Spieltag keine Chance. So ging die Reise zum Abschluss der ersten Halbserie Anfang Dezember zu Spitzenreiter Nordwest Leipzig – Falk Bauers Treffer in der 85. Minuten brachte den Lausicker 1:0-Sieg und ließ die Tabellenspitze weiter zusammenrücken. Nordwest blieb mit 30 Punkten auf Platz eins, dahinter lagen die Kurstädter und Blau-Weiß Leipzig mit je 27 Zählern. Zudem hatten die Vierig-Schützlinge mit 37 Toren die meisten Treffer erzielt und die beste Auswärtsbilanz aller 16 Mannschaften. Die Rückrunde startete noch im Jahr 2005. Der SSV Stötteritz zog mit einer 2:3-Niederlage davon, die Lausicker rückten auf Platz eins, weil Nordwest auch gegen Taucha auf eigenen Platz mit 1:2 verlor.

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Der 15. Dezember wird speziell Trainer Vierig wohl noch heute in Erinnerung sein. Nicht nur weil er seinen 40. Geburtstag feierte, sondern weil ihm die Herren Jabin und Anhöck zwei vorfristige Weihnachtsgeschenke „überreichten“. Die SG Taucha gewann mit 2:1 und die beiden (!) Torschützen hatten ebenfalls am 15. Dezember Geburtstag. Besonders ärgerlich war aber, dass der entscheidende Treffer in der 89. Minute aus sonnenklarer Abseitsposition fiel.

Dennoch überwinterte der FC an der Tabellenspitze. Nicht ahnend, dass die Witterung für Monate die Regie übernehmen sollte und den weiteren Saisonverlauf auf den Kopf stellen würde. Bis Mitte März 2006 sollte es dauern, bis endlich wieder die Kugel rollte. Im Januar war das kein Thema, vielmehr überzeugten die Kurstädter auch in der Halle. Das waren damals noch echte Höhepunkte für die Fans, weil als Bezirksmeisterschaft ausgetragen. Sowohl die Vorrunde in Frohburg, als auch das Halbfinale in Radefeld gewann der FC und qualifizierte sich damit erstmals für die in Belgern ausgespielte Endrunde. Auch dort blieben die Lausicker ungeschlagen. Dies galt aber auch für Engelsdorf und Blau-Weiß Leipzig, so dass den Lausickern „nur“ Platz drei blieb.


Auswärts weiter gut

Da weitere Spielausfälle drohten, mietete der FC Mitte März den Grimmaer Kunstrasen und gewann gegen Mehderitzsch mit 2:0. In der Tabelle waren die Lausicker allerdings nur noch auf den fünften Platz zu finden – zeitweise hatte man fünf Partien weniger als der inzwischen auf Platz eins gerückte Bornaer SV ausgetragen. Da die Partie in Delitzsch verlegt worden war und das nächste Match bei Blau-Weiß Leipzig in den „Matsch“ fiel, war der FC erst wieder Mitte April beim 2:0-Heimsieg gegen Döbeln am Ball – das erste Heimspiel nach vier Monaten. Zu Ostern 2006 entführte Rotation Leipzig durch einen Treffer in der Nachspielzeit die Punkte, diesem 1:2 folgten in Tresenwald und bei Fortuna Leipzig zwei eigene 2:1-Siege. Gefolgt vom nächsten 1:2, das diesmal aber die Zwenkauer als Gewinner sah.

Zuhause na ja, auswärts weiter spitze – es folgte ein 2:0 in Sermuth, wobei ab der 75. Minute nur noch acht Spieler des Gastgebers zu bespielen waren (dreimal gelb-rot). Am 27. Spieltag kamen 350 Zuschauer ins Stadion am Bad. Sie sahen einen 2:0-Erfolg des Bornaer SV, der damit in der Tabelle am FC vorbeizog und mit 51 Punkten auf Platz drei rückte. Die Kurstädter kamen mit einen hart erkämpften 2:2 im Nachholspiel bei Blau-Weiß aus Leipzig zurück, unterlagen am 29. Spieltag allerdings in Beilrode mit 1:2. Ein Sieg, der dem Gastgeber allerdings nicht nützte, man stieg in die Bezirksklasse ab.

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Als bereits feststehender Tabellenvierter hätte man es am 30. Spieltag im Heimspiel gegen Nordwest Leipzig ruhig angehen lassen können. Wäre da nicht der Fakt gewesen, dass die Gäste bei einem Sieg mit drei Toren Differenz Spitzenreiter Borna überholen konnten. Damals galt noch nicht die heute übliche Festlegung, dass am letzten Spieltag alle Spiele zeitgleich ausgetragen werden müssen. Und so hatten die Kurstädter ungewohnte Unterstützung aller mit dem Bornaer SV verbundenen Fans und Offiziellen unter den 250 Zuschauern. Auch wenn es Nordwest im eigenen Spielbericht anders darstellte – an Schiedsrichter Peter Funke lag es gewiss nicht, dass sie letztlich mit 1:3 unterlagen.

Bornaer SV steigt auf

Der Aufstieg in die Landesliga entschied sich erst in den Tagen nach dem Spiel. Taucha hatte bereits vor der Saison mitgeteilt, nicht hoch zu wollen. Dies hatten auch der BSV und die Kurstädter hinterlegt. Nordwest wollte, war aber nur noch Dritter – letztlich wurde doch der Bornaer SV zum Aufsteiger erklärt.

Ein Blick noch auf die anderen Mannschaften der Kurstädter, es liest sich aktuell wie ein Blick in längst vergangene, goldene Zeiten. Die zweite Männermannschaft belegte in der 1. Muldentalklasse (heute Kreisliga A) den 6. Platz (9-9-8) mit 36 Punkten und 57:44 Toren. Lausicks Nachwuchs war komplett im Bezirksmaßstab vertreten.

Abschlusstabelle und Jugendplatzierungen

1. Bornaer SV 60 Punkte / 66:38 Tore

2. SG Taucha 57 / 71:40

3. SV Leipzig Nordwest 57 / 60:36

4. Bad Lausick 55 / 64:38

A-Junioren: Platz acht Bezirksklasse, 27 Punkte (8-3-11), 41:40 Tore

B-Junioren: Platz zehn Bezirksklasse, 24 Punkte (7-3-12), 48:50 Tore

C-Junioren: Platz vier Bezirksklasse, 37 Punkte (12-1-7), 79:40 Tore

D-Junioren: Platz fünf Bezirksklasse, 34 Punkte (11-1-8), 103:46 Tore

E-Junioren: Platz elf Bezirksklasse, zehn Punkte (3-1-18), 26:122 Tore

F-Junioren: Platz eins Muldentalliga Süd, 37 Punkte (12-1-1), 70:14 Tore.