03. Dezember 2019 / 18:25 Uhr

Im freien Fall? So wappnen sich Sportvereine aus der Region Göttingen für die Zukunft

Im freien Fall? So wappnen sich Sportvereine aus der Region Göttingen für die Zukunft

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
20.11.2019, Hamburg: Trampolinturner Daniel Schmidt trainiert im Margaretha Rothe Gymnasium für die Weltmeisterschaft. Für Trampolinturner Daniel Schmidt geht es bei der WM in Japan auch um seine sportliche Zukunft. Nur mit einer Topplatzierung qualifiziert sich der Hamburger für die World Games 2021. 

Als Trampolin-Turner wirbelt Daniel Schmidt durch die Luft. Foto: Axel Heimken/dpa - ACHTUNG: Dieses Foto hat dpa bereits im Bildfunk gesendet - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Nachrichten für Kinder +++ dpa-Nachrichten für Kinder +++
Geht der Weg weiter nach unten oder wieder nach oben: Das haben die Sportvereine selbst in der Hand, wie einige Beispiel aus der Region Göttingen zeigen. © dpa
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Wie können Sportvereine neue Mitglieder werben? Wie können sie sich neu aufstellen? Und müssen sie das überhaupt? Mit der Zukunft der Sportvereine hat sich das Sportforum des Kreissportbundes Göttingen-Osterode befasst. Wir haben uns dazu an der Basis umgehört. Ergebnis: Es gibt viele Probleme, aber auch findige Wege aus der Krise.

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Michael Schaschek, Vorsitzender Turn- und Sportverein Bad Sachsa

„Wir haben vor allem Probleme, Vorstandsposten zu besetzen, also Leute zu finden, die bereit sind, ein Amt und Verantwortung zu übernehmen. Derzeit sind zwei Vorstandsposten offen, und das bereits seit März dieses Jahres. Wir suchen händeringend nach einer Lösung. Das Hauptproblem ist aber, dass heutzutage viele nur noch an sich denken. Ein weiteres Problem ist, dass unsere Mitgliederzahl stetig abnimmt. Wir hatten mal 600 Mitglieder, derzeit liegen wir bei etwa 470. Das hat viele Gründe, einer sind sicherlich die Ganztagsschulen. Die Kinder sind bis 16 Uhr in die Schule, da bleibt kaum noch Kraft und Zeit für den Sportverein. Auch der bürokratische Aufwand wird immer größer. So hat der Zusammenschluss der beiden Landkreise Göttingen und Osterode dazu geführt, dass ich ein Jahr im Voraus alle Hallenzeiten beantragen muss. Früher konnte man auch schon mal mit dem Hausmeister auf dem kurzen Dienstweg einen Engpass beheben. Das ist aber nicht mehr möglich, seitdem unsere Schulen zentral verwaltet werden. Angesichts dieser Probleme müssen wir versuchen, uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren. Der Turn- und Sportverein Bad Sachsa war im Breitensport schon immer gut aufgestellt, wir haben uns nie auf kostenintensive Mannschaftssportarten konzentriert. Reine Fußballvereine ohne Sponsoren gehen eben schnell kaputt. Wir wollen stattdessen weiter auf den Breitensport setzen, wobei mehr als 50 Prozent der Angebote im Kinder- und Jugendbereich angesiedelt sind. In erster Linie wollen wir dabei gesunde Bewegung und Spaß am Sport vermitteln, ohne Leistungsdruck.“

Dennis Bobbert, Vorsitzender SV Seeburg

„Wir haben wie viele andere Vereine auch mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen zu kämpfen, der Nachwuchs fehlt einfach. Außerdem war früher der Zusammenhalt besser. Der Verein hatte mal etwa 350 Mitglieder, jetzt haben wir noch um die 200. Auch die Ehrenämter zu besetzen, wird schwieriger. Ich bin 32 Jahre alt und erst seit einem Jahr Vorsitzender, habe aber vorher schon diverse Ehrenämter übernommen. Vor einem Jahr hat dann der ehemalige Vorsitzende aufgehört, und weil es sehr schwer geworden wäre, jemanden zu bekommen und mir das Amt Spaß macht, habe ich mich als Nachfolger angeboten. Es wird zwar immer schwieriger, Leute zu finden, die einen dabei unterstützen, aber es hilft ja nichts. Wir haben uns daher zum Ziel gesetzt, neue Sportarten und Aktivitäten anzubieten und vor einem Jahr zum Beispiel den Bogensport etabliert. Das kommt sehr gut an, wir haben sogar einen 3D-Parcours. Das hat uns bereits rund 40 neue Mitglieder beschert. Das ist ein absoluter Erfolg. Und es macht klar: Man darf heutzutage nicht mehr nur auf den Fußball setzen, sondern muss den Breitensport fördern.“

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Friedrich-Georg Rehkop, stellvertretender Vorsitzender DSC Dransfeld

„Wir stecken seit etwa drei Jahren voll im Thema Vereinsentwicklung, haben Informationsangebote des Landes- und Kreissportbundes angenommen und an Schulungen zum Vereinsmanager und Vereinskoordinator teilgenommen. Wir haben den gesamten Verein unter die Lupe genommen, sind in die einzelnen Gruppen reingegangen und haben uns umgehört, welche Probleme es gibt und was besser werden muss. Zwei große Themen habe sich dabei ergeben: Die Wertschätzung der Arbeit jedes einzelnen und der Informationsfluss. Darauf basierend haben wir sogenannten Arbeitsplatzbeschreibungen erstellt für Posten im Vorstand oder Übungsleiter. Was sind deren Aufgaben, welche Qualifikationen benötigt man dafür und wie hoch ist der Zeitaufwand? Solche Fragen werden darin geklärt. Jeder Übungsleiter bekommt zudem einen Begrüßungsordner, da steht nicht nur alles Wichtige zum DSC drin, sondern auch Informationen zu Kontakten, Versicherungen und Steuern. Außerdem haben wir Leuten, die wir nach einem Engagement im Verein gefragt haben, projektbezogenes und zeitlich befristetes Arbeiten angeboten. Viele haben ja Angst, dass sie mit Haut und Haaren gefressen werden, wenn sie einmal als Ehrenamtlicher einsteigen. Wir haben zum Beispiel eine Frau in Elternteilzeit gefragt, ob sie das Eltern-Kind-Turnen nicht erst mal für ein Jahr übernehmen möchte. Das ist eine überschaubare Zeit, und oft bleiben die Leute dann trotzdem länger dabei, weil es sich toll entwickelt und sie von anderen großartig unterstützt werden. Weil wir auf diese Weise viele Ängste nehmen konnten, haben wir neue Leute hinzugewonnen, rund 25 neue Ehrenamtliche innerhalb von drei Jahren. Das ist absolut gegen den Trend und bestätigt uns in unserer Arbeit. Früher haben Vorstände Vereine nur verwaltet, wir aber wollen den Verein voranbringen, neue Wege gehen und neue Angebote machen. So sind wir derzeit dabei, eine eigene Vereinsapp zu entwickeln. Ich bin ja schon lange dabei, aber die Arbeit macht derzeit riesigen Spaß, jeder bringt sich ein, und das bringt neuen Schwung. Das merkt man auch an den Mitgliederzahlen. Wir waren mal 1500 Mitglieder, dann 2017 nur noch gut 1000, und jetzt liegen wir wieder bei rund 1100 Mitgliedern. Der neue Weg zahlt sich also auch aus.“

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