14. Juni 2020 / 13:45 Uhr

Social Distancing, Dusch-Verbot und große Gesten: So läuft Amateurfußball in Corona-Zeiten

Social Distancing, Dusch-Verbot und große Gesten: So läuft Amateurfußball in Corona-Zeiten

Robin Seidler
Leipziger Volkszeitung
Frohburgs André Spranger entwischt der Grätsche von Macherns Marko Pietsch.
 In Sachsen wurde nach der Corona-Zwangspause erstmals wieder Amateurfußball gespielt.
Frohburgs André Spranger entwischt der Grätsche von Macherns Marko Pietsch. In Sachsen wurde nach der Corona-Zwangspause erstmals wieder Amateurfußball gespielt. © Robin Seidler/Montage #GABFAF
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Am Wochenende haben im Muldental im Leipziger Land die ersten Amateurfußball-Spiele nach der Corona-Pause stattgefunden. Doch die Mannschaften mussten in Machern, Hartha und Nischwitz mit einigen Hindernissen kämpfen. Trotzdem wollen in wenigen Tagen weitere sächsische Kreisverbände mit Pokalspielen nachziehen. Eine Reportage.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Das Fußball-Wochenende werden die Amateurfußballer im Leipziger Land wohl so schnell nicht mehr vergessen: Temperaturen über der 30-Grad-Marke, drohende Gewitter am Horizont und nicht zuletzt viele Einschränkungen vor und nach den Spielen – der Neustart nach der Corona-Pause verlief ungewöhnlich: Zuschauer auf den Sportplätzen? Nicht gestattet. Bier und Wurst als kleiner Snack zwischendurch? Tabu. Duschen nach dem Spiel? Offiziell untersagt. Aber die Vereine selbst hielten zusammen.

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So auch bei der Partie zwischen B-Kreisligist FSV Machern und Kreisoberligist Einheit Frohburg (0:11). Sportlich war der Vergleich eine klare Angelegenheit zugunsten des Favoriten. Daran hätte wohl auch eine spätere Austragung nichts geändert. "Ich wäre dennoch dafür gewesen, dass wir eine Woche später mit den Pokalspielen anfangen", sagt der Macherner Vereinschef Dirk Strehle. "Am Montag öffnen die Freibäder und zwei Tage zuvor dürfen die Fußballer hier nicht duschen. Das ist doch Unsinn." Erst zu Beginn der Woche wurden die Pokalspiele kurzfristig angesetzt. "Wir hatten wenig Zeit, alles umzusetzen. Schließlich sind wir alle Ehrenamtler." Die Maskenpflicht im Kabinentrakt sei aufgehoben, so der Vereinschef.

Zuschauer waren auf dem Sportplatz – wie in allen anderen Sportstätten – ohnehin nicht zugelassen. Dennoch fanden sich hinter den Absperrbändern rund 50 Schaulustige ein. Die reisefreudigen Frohburger Fans zeigten sich vor dem Anpfiff spendabel und übergaben den Macherner Sportfreunden sogar eine Kasse mit gesammeltem Kleingeld. Beide Vereine wollten zudem die restlichen Schiedsrichterkosten untereinander aufteilen. Eine Hälfte übernimmt wie bei allen anderen Spielen der Verband. Die Macherner stellten ihren Gästen zudem noch Trinkbecher zur Verfügung. Jeder Spieler trank somit aus seinem eigenen.

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Frohburgs Toni Frank (vorn) setzt sich gegen den Macherner Marius Reinicke durch
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Frohburgs Toni Frank (vorn) setzt sich gegen den Macherner Marius Reinicke durch . © Robin Seidler

"Das Duschen nach dem Spiel wurde uns ausdrücklich untersagt"

Bei der Kreispokal-Begegnung zwischen dem BC Hartha und dem SV Klinga-Ammelshain gestaltete sich die Situation für die Spieler auch schwierig. Denn die Akteure mussten auf das Duschen nach dem Abpfiff verzichten. "Wir haben der Stadt ein Hygienekonzept vorgelegt. Aber das Duschen nach dem Spiel wurde uns ausdrücklich untersagt", sagt der Präsident des BC Hartha, Mathias Scheidig.

Während die Harthaer Kicker die eigenen Kabinen nutzten, stellten sie ihren Gästen als Umkleidemöglichkeit die Räume in der benachbarten Hartharena zur Verfügung. Auch in den Kabinen galt ein striktes Abstandsgebot. Scheidig selbst war am Samstag gespannt, ob die Gäste überhaupt anreisen werden. Im Raum stand auch, dass die Klingaer nicht zum Pokalspiel antreten. Letztlich gewannen die Kicker von der Autobahn nach Verlängerung.

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Auch die Partie zwischen dem SSV Thallwitz-Nischwitz und dem SV Ostrau stand unter verschärften Hygienevorschriften. "Dass wir heute spielen, finde ich in Ordnung. Aber die Vorgaben einzuhalten, ist ein Riesenaufwand für unseren kleinen Verein", sagt der Thallwitzer Vereinsvorsitzende Mathias Spors. Während der Partie war der Eingang zum Sportplatz sogar abgeschlossen. Die Zaungäste, die die Partie von außerhalb verfolgten, durften immerhin einzeln die Toiletten benutzen. Dafür mussten sie direkt am Eingang die Hände desinfizieren. "Es sind rund 30 Zuschauer. Wenn sie aufs Gelände dürften, hätten wir gut 60 Euro mehr in der Kasse", moniert Spors.

Für die Abkühlung zwischendurch lagen Gartenschläuche bereit

Auch für die Spieler wurde vorgesorgt. Der SSV stellte Stühle mit passendem Mindestabstand bereit, die Ostrauer zogen sich in der angrenzenden Sporthalle der Grundschule um. Für die Abkühlungen in den Pausen lagen zwei Gartenschläuche bereit. Sobald der Schiedsrichter zur Pause pfiff, wurde das Wasser aufgedreht.

"Die Thallwitzer haben das hier sehr gut gelöst, da kann ich nur ein Kompliment aussprechen", sagt der Ostrauer Kapitän Felix Zschockelt, der beim 3:1-Auswärtssieg zwei Treffer erzielte und froh ist, wieder auf Torejagd gehen zu können. Offiziell war das Duschen für die Spieler in Thallwitz ebenfalls untersagt, doch hier hatte kurz nach Abpfiff der Wettergott Erbarmen. Er eröffnete seine Schleusen und schickte einige Liter Wasser nach unten.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©

Trotz der vielen ungewöhnlichen Umstände haben viele Verantwortliche den Neustart begrüßt, die Spieler ohnehin. Einige Gewohnheiten aus "alten Tagen" konnten sie aber nicht abstellen. Das Abklatschen nach Torerfolgen war oft zu sehen, allerdings keine ausgelassenen Torjubel im Rudel.

Am kommenden Wochenende ziehen dann weitere sächsische Kreisverbände mit Pokalspielen nach. Dann werden unter anderem die Wettbewerbe in Mittelsachsen und im Erzgebirge fortgesetzt.