07. Dezember 2020 / 16:01 Uhr

Im Lockdown: „Pünktlich zum Anpfiff“ wird SSV-Kapitän Haberecht Papa

Im Lockdown: „Pünktlich zum Anpfiff“ wird SSV-Kapitän Haberecht Papa

Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Haberecht vom SSV Vorsfelde
Haberecht vom SSV Vorsfelde © Roland Hermstein
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Er ist der Kopf der Mannschaft, sein Wort hat auf dem Platz und in der Kabine Gewicht: Der Fußball-Kapitän. In der Corona-Krise ist vieles anders, er aber nicht weniger gefordert. Wie funktioniert Zusammenhalt trotz Lockdown? Wie geht Gemeinsamkeit trotz Einsamkeit? Wie geht Fitness ohne Teamtraining? Der SPORTBUZZER fragt nach: Wie ist die Lage, Kapitän?

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Der erneute sportliche Lockdown fuhr den Landesliga-Fußballern des SSV Vorsfelde nach nur drei Partien in die Parade. Fußball wird vorerst nicht gespielt, Training ist nicht möglich - Langeweile kommt bei SSV-Kapitän Michel Haberecht aber nicht auf, seine Teamkollegen und er wissen sich zu beschäftigen. Und: Der 25-Jährige ist frisch gebackener Vater.

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Trainingseinheit Basteln

Gut zwei Wochen war der zweite Lockdown alt, da begrüßten Haberecht und seine Freundin Salina ihr Töchterchen Frieda. „Es ist alles gut gelaufen. Ich durfte zwar nicht mit auf die Station, durfte aber von Minute eins an dabei sein, als alles losging“, erzählt Haberecht, der als Logistik-Disponent arbeitet. Der kleinen Familie gehe es gut und für den Abwehrspieler war die Fußball-Zwangspause in diesem Fall sogar von Vorteil. „Sie ist am Sonntag um 15 Uhr geboren. Hätten wir gespielt, wäre es pünktlich zum Anpfiff gewesen“, so Haberecht mit einem Schmunzeln.

Mehr Serien-Teile

Mit der Kleinen ist Haberecht zu Hause entsprechend beschäftigt. Aber auch im Team-Verbund wissen sich die Vorsfelder bei Laune zu halten. „Wir haben uns einen Adventskalender ausgedacht, in dem es jeden Tag eine Aufgabe gibt, die alle machen müssen“, erklärt Haberecht. „Wer sie nicht macht, zahlt einen Euro. Und das Geld, das am Ende zusammenkommt, spenden wir dann an eine wohltätige Einrichtung.“ Am Donnerstag sei es beispielsweise darum gegangen, etwas zu basteln.

Der Austausch mit den Teamkollegen laufe vor allem über die interne WhatsApp-Gruppe. „Da ist immer was los, es wird nicht langweilig“, erzählt Haberecht. „Jeder stichelt auch mal mit jedem, da haben sich auch Neuzugänge wie Kevin Schulze und Kevin Scheidhauer gut eingefügt. Das passt – wir haben auch neben dem Platz viel Spaß miteinander.“


Zudem halten sich die SSVer mit Trainingsplänen fit, die Coach Willi Feer und Co-Trainer Frank Pichatzek ihnen mit in die Pause gegeben haben. „Wie wir sie machen wollen, ist uns aber freigestellt. Das können wir uns selbst einteilen“, so Haberecht, der seit der Geburt seiner Tochter noch nicht zu viel gekommen ist: „Ich sollte bald mal anfangen, die Weihnachts-Kilos kommen doch ein bisschen früher als geplant“, scherzt der Kapitän.

Die Binde trägt er nun in der zweiten Saison, folgte im Sommer 2019 auf den langjährigen Kapitän Marcel Weiß, der mittlerweile bei Bezirksligist WSV Wendschott kickt. Haberecht wurde als Spielführer gewählt. „Ich sehe mich aber nicht als Alphatier, das allein das Sagen hat, Justin Kick ist schließlich zweiter Kapitän – und übrigens auch Friedas Patenonkel“, so Haberecht. Der Teamgeist macht’s beim SSV also.

Tennis im Blick

Vor Corona und den Vaterfreuden stand bei Haberecht derweil stets der Sport im Vordergrund, auch anderweitig war Vorsfeldes Freistoß-Spezialist oft aktiv. „Ich unternehme gern etwas mit Freunden oder Familie, da muss dann auch immer etwas los sein wie eine Fahrradtour oder wandern im Harz.“ Zuletzt sei das natürlich weniger geworden, „aber ich möchte demnächst wieder mit dem Tennis anfangen“, so Haberecht. „Das habe ich früher viel gespielt, hätte auch weitermachen können.“ Stattdessen führte der Weg aber erst einmal in die Jugend des VfL Wolfsburg, der Fußball blieb die Nummer 1. „Über Inlinehockey, Eishockey oder Handball habe ich aber alles mal ausprobiert“, sagt Haberecht. Der SSV dürfte glücklich sein, dass der Abwehr-Chef letztlich doch dem runden Leder treu geblieben ist.

Die etwas anderen Kapitäns-Tipps in der Corona-Krise

Serie: Stromberg. "Ich bin ein Riesenfan davon, habe die Serie wohl schon sechs, sieben Mal durchgeschaut. Meine Freundin kann es schon nicht mehr hören."

Zeit nehmen: "Für sich oder die Familie, etwas zurückgeben. Auch mal für die Eltern einkaufen gehen, wenn das Risiko für sie höher ist. Kleine Gesten sind für sie manchmal ganz groß."

Durchhalten: "Wir sollten alle auf uns selbst und unser Umfeld achten. Wir sitzen alle im selben Boot. Wenn wir alles noch ein, zwei Monate durchziehen, haben wir uns schneller wieder, als wir glauben oder befürchten."