06. Februar 2020 / 12:38 Uhr

Im Porträt: Kann der TSV Isernhagen wieder zu alter Stärke zurückfinden?

Im Porträt: Kann der TSV Isernhagen wieder zu alter Stärke zurückfinden?

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der TSV Isernhagen schwört sich ein.
Der TSV Isernhagen schwört sich ein. © Thomas Bork
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Einst gehörte das Erstherrenteam des TSV Isernhagen zu den Topmannschaften im hannoverschen Amateurfußball, inzwischen spielt man seit sieben Jahren in der 2. Kreisklasse. Das Trainerduo um Thomas und Robert Honisch möchte das ändern - beim TSV soll sich sportlich endlich wieder etwas bei den Fußballern bewegen.

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Die Grillhütte, die früher einmal gleich hinter dem Eingangsbereich zum rund 20 000 Quadratmeter großen Vereinsgelände gestanden hat, ist schon vor langer Zeit abgerissen worden. Irgendwann hatte sie nur noch als Relikt aus besseren Tagen, als das Erstherrenteam des TSV Isernhagen zu den Topmannschaften im hannoverschen Amateurfußball zählte und von 2002 bis 2005 in der damaligen Niedersachsenliga unter anderem gegen Eintracht Braunschweig II, den Lüneburger SK und VfL Osnabrück II spielte, ihr Dasein gefristet.

„Ein Klassiker kehrt zurück“

Seinen Zuschauern, so wenige es jetzt auch sein mögen in der 2. Kreisklasse, der er mittlerweile seit sieben Jahren angehört, würde der Klub indes einen Besuch auf seiner Anlage an der Straße Auf der Heide 32 gern wieder schmackhaft machen. Den Versuch gab es schon: „Ein Klassiker kehrt zurück“, so lautete die Ankündigung eines Heimspiels in der Hinrunde, bei dem Bratwurst und Bier ihr Comeback beim TSV erlebten.

„Wir sind dabei, wieder Schwung reinzubringen“, sagt Thomas Honisch, der Trainer des Kreisklassenteams, „damit über den TSV in der Öffentlichkeit wieder mehr gesprochen wird.“ Und zwar nicht nur darüber, wie gut die Bratwurst schmeckt. Der 38-jährige Honisch, der zusammen mit seinem Vater Robert die Mannschaft zu dieser Saison übernommen hat, will dazu beitragen, dass sich in Isernhagen auch sportlich endlich wieder etwas bei den Fußballern bewegt.

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Mellendorfs Jan-Felix Wittmund (rechts) will am Isernhagener Linus Nelius vorbeiziehen. Zur Galerie
Mellendorfs Jan-Felix Wittmund (rechts) will am Isernhagener Linus Nelius vorbeiziehen. ©

Honisch: „Acht oder neun unserer Spieler könnten auch in einer Ü32 antreten.“

Wenngleich der Altersdurchschnitt des aktuellen Kaders relativ hoch sei, wie er dazu anmerkt. „Es sind einige Familienväter dabei. Acht oder neun unserer Spieler könnten auch in einer Ü32 antreten.“ Über die beiden jungen Neuzugänge in der Winterpause freut sich der Trainer deshalb umso mehr. Omar Serhan, für das zentrale Mittelfeld eingeplant, kommt von den A-Junioren des TSV Havelse, Stürmer Mirko Wozniak spielte zuletzt in der Jugend des HSC Hannover, ehe er anschließend eine Pause einlegte.

Nicht alle Altersklassen besetzt

Um den Kader der Ersten Herren verstärken zu können, ist man in der aus etwa einem Drittel der rund 600 Mitglieder des Gesamtvereins bestehenden Sparte auf externe Zugänge auch angewiesen. Acht der zurzeit elf TSV-Mannschaften spielen zwar im Nachwuchsbereich, allerdings sind die drei höchsten Altersklassen bei den Junioren unbesetzt. Spieler, die das D-Jugendalter überschritten haben, müssten gebeten werden, zu einem anderen Verein zu gehen, so Abteilungsleiter Stefan Wagener.

„Unser wichtigstes Ziel ist es, dass wir alle Altersklassen wieder besetzen und über den Breitensport auch wieder die Richtung Leistungsfußball einschlagen können“, sagt er. Hinsichtlich der Bildung eines A-, B- und C-Jugendteams als Unterbau führe der TSV mit mehreren Vereinen aus der Nachbarschaft derzeit Gespräche über eine Spielgemeinschaft.

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2005/2006 zerbarsten in Isernhagen die letzten Hoffnungen

Das Amt des Spartenleiters hatte Wagener zu jener Zeit angetreten, als in Isernhagen die letzten Hoffnungen zerbarsten, trotz eines kaum zu kompensierenden personellen Aderlasses doch noch Fuß zu fassen. In der Rückrunde der Landesliga-Saison 2005/2006 bekam die aus der Niedersachsenliga abgestiegene Erste Herren aber zur später mit 0:5 gewerteten Partie gegen den ASC Nienburg keine komplette Elf zusammen, und der letzte Spieltag endete mit einem rekordverdächtigen Ergebnis: Gegen den Heeßeler SV verlor der TSV auf eigenem Platz mit 0:16.

Wagener: Keine „Spieler zusammenkaufen, die vorher wegen 100 Euro mehr zu uns kamen, denen die Spielklasse aber egal war.“

Danach einen radikalen Schnitt gemacht und sich freiwillig in die Kreisliga zurückgezogen zu haben, hält Wagener angesichts der seinerzeit „großen finanziellen Herausforderungen“ noch heute für die absolut richtige Entscheidung. „Wir wollten keine Klimmzüge mehr machen und Spieler zusammenkaufen, die vorher wegen 100 Euro mehr zu uns kamen, denen die Spielklasse aber egal war“, sagt er rückblickend.

Natürlich erinnert sich auch Wagener gern an Erfolge wie den Bezirkspokalsieg, als der TSV unter anderem über ein 5:1 bei der TSV Burgdorf sowie ein 4:1 gegen den heutigen Regionalligisten BSV Rehden das Finale erreichte und Engin Demir mit seinem Tor zum 1:0 gegen Fortuna Sachsenross im Mai 2005 den Titeltraum wahr machte. Im Kreispokal sind die Isernhagener von solchen Erlebnissen seit Jahren weit entfernt; in dieser Saison schieden sie durch ein 0:5 beim SC Langenhagen nicht zum ersten Mal in der 1. Runde aus.

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Ziel: In der 2. Kreisklasse auch wieder öffentlich wahrgenommen werden

Angesichts der damaligen Entwicklungen, die laut Wagener auch dazu führten, dass zugunsten der Erstherrenfußballer andere TSV-Sparten zurückstecken mussten, haben sich im Laufe der Zeit die Prioritäten jedoch verschoben. Zwischenzeitlich hatte es der Verein etwa einem Team von Geflüchteten ermöglicht, auf seiner Anlage zu trainieren; am 29. August richtet der TSV in diesem Jahr zum dritten Mal ein Benefizspiel zugunsten krebskranker Kinder aus, Isernhagens Altsenioren werden dann erneut gegen Mitarbeiter der Medizinischen Hochschule Hannover spielen.

Geht es nach den Verantwortlichen, so soll der TSV Isernhagen indes künftig nicht nur zu speziellen Anlässen wie dem Auftritt der Traditionself von Hannover 96 mit Steven Cherundolo oder Altin Lala zum 70-jährigen Bestehen des Vereins in 2017 seinen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung bekommen.

Thomas Honisch, der jetzt das Amt bekleidet, das früher beim TSV schon Horst Turkowski, Jürgen Rynio, Roland Kosien, Kurt Becker, Holger Bartels oder Wilfried Bergmann innehatten, will vor allem mit seinem Kreisklassenteam wieder für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Und deutlich erfolgreicher sein als in der vergangenen Saison, als die Isernhagener trotz des letzten Tabellenplatzes nicht abstiegen, weil es keinen Absteiger gab.

Honisch: „Das heißt nicht, dass wir jetzt Larifari spielen“

Den wird es übrigens in der mit nur zwölf Teams besetzten Staffel 1 auch in dieser Spielzeit nicht geben. „Das heißt nicht, dass wir jetzt Larifari spielen“, sagt Honisch. Schließlich gilt es, auch dann Zuschauer anzulocken, wenn am Spielfeldrand kein Grill aufgestellt wird.