01. September 2020 / 10:31 Uhr

Im reifen Aufstiegsalter: Hannover 96 hat den zweitältesten Kader der Liga

Im reifen Aufstiegsalter: Hannover 96 hat den zweitältesten Kader der Liga

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der neue 96-Kapitän Dominik Kaiser (links) und Mike Frantz sollen mit ihrer Erfahrung das Spiel der Roten lenken.
Der neue 96-Kapitän Dominik Kaiser (links) und Mike Frantz sollen mit ihrer Erfahrung das Spiel der Roten lenken. © Florian Petrow
Anzeige

Hannover 96 setzt in der kommenden Saison auf Erfahrung. Schon jetzt ist der Kader der Roten der zweitälteste der 2. Liga. Was sagt das aus, fast drei Wochen vor dem Ligastart?

Anzeige

Den zweiten Platz wünscht sich der 96-Chef Martin Kind (76) am kommenden Saisonende. Einen zweiten Platz hat Hannover 96 in der 2. Liga schon jetzt. Der aktuelle Kader ist mit durchschnittlich 26,15 Jahren der zweitälteste der Liga. Nur der SV Sandhausen, der frühere Klub des 96-Trainers, ist noch ein Jahr älter. Nur: Was sagt das aus, fast drei Wochen vor dem Ligastart?

Allein an der Zusammenstellung des neuen Mannschaftsrats und der Transfers zeigt sich: Kocaks Trend geht Richtung Erfahrung. Torwart Michael Esser (32), Vizekapitän Mike Frantz (33), Verteidiger Baris Basdas (30), Linksverteidiger Niklas Hult (30) – alle vier sind neu und über 30. Dazu gesellte sich der erfahrene Kinglsey Schindler (27). Der neue Kapitän Dominik Kaiser (31) kam auch erst im vergangenen Winter. Und Genki Haraguchi soll mit Routine und 29 Jahren auf der Spielmacherposition alle Fäden ziehen. Alle genannten Spieler sind Stammkräfte, während die neuen jungen 96-Profis Franck Evina (20) und Valmir Sulejmani (24) eher als Joker für den Angriff geholt wurden.

Das waren die Mannschaftskapitäne von Hannover 96 von 1986 bis heute

Dominik Kaiser (seit 2020) Zur Galerie
Dominik Kaiser (seit 2020) ©

Nachteil könnte fehlendes Tempo sein

Alter! So will 96 aufsteigen. Dabei scheint es nicht wichtig zu sein, ob die Mannschaft im Falle des tatsächlichen Aufstiegs in einem Jahr für die Bundesliga noch einmal neu zusammengestellt und verjüngt werden muss.

Eventuell kann Sportdirektor Gerhard Zuber den Altersdurchschnitt noch einmal drücken. Edgar Prib (30) und Felipe (33) können den Klub verlassen, beide durften nicht mit ins Trainingslager. Der vermutliche kommende Transfer Parick Twumasi (26) liegt genau im Altersdurchschnitt. Tendenzieller Nachteil einer Ü26-Truppe in der Liga könnte fehlendes Tempo sein. Wenn der einzige Test in Österreich gegen Hartberg neben den Abwehrwacklern (1:2) eines zeigte, dann: Das Tempo gab die Richtung vor.

Kocak hatte in der ersten Hälfte in Hartberg mit Tim Walbrecht (18), Simon Stehle (18), Niklas Tarnat (22), Sulejmani (24) und Florent Muslija (22) sehr frisch begonnen. „Die Jungs haben das gut gemacht“, sagte Ko­cak. „Das war aggressives Anlaufen, das war Pressing, das war unser Spiel, das wir durchziehen wollen.“ 96 führte 1:0 und hätte zwei weitere Chancen (Sulejmani und Muslija) nutzen müssen.

Kocak muss die richtige Mischung finden

In der zweiten Hälfte kippte die Partie, Hartberg wechselte jung, 96 ältere Stammkräfte ein. Hannover verlor prompt noch mit 1:2. Ein zweiter Test, in dem die 96-Routiniers von Anfang an hätten zeigen sollen, wie sie das Kocak-Spiel durchziehen könnten, kam nicht zustande. Zum Ärger des Trainers.

Am Samstag beim letzten Härtetest in Bremen werden Kaiser, Frantz, Hult, Schindler und Haraguchi sicher beginnen und zeigen müssen, dass sie ein ähnlich hohes Tempo gehen können wie die jungen Spieler.

Am Ende wird Kocak eine Mischung finden müssen, mit einem Übergewicht an routinierten Anführern und einer Zugabe an jugendlicher Leichtigkeit. Außerdem ist Zuber mit seinem Kader-Umbau noch nicht fertig: Ein Innenverteidiger (lang und jung), ein Sechser (älter und erfahren) und ein Stürmer (erfahren) sollen nach Twumasi ja noch kommen.

Mehr zu Hannover 96

Seit der Saison 2007/2008 (26,39) ist 96 nicht mehr so einem alten Kader in die Liga gegangen. Damals kickte Tarnats Papa Michael noch mit 38 Jahren mit, außerdem Valérien Ismaël (damals 31) und Altin Lala (31). So alt sah 96 damals unter Dieter Hecking gar nicht aus: 96 verpasste knapp den Einzug in den Europapokal.