16. Juli 2021 / 08:39 Uhr

Erst Olympionikin, dann Brautjungfer: Auf Hochspringerin Imke Onnen warten besondere Wochen

Erst Olympionikin, dann Brautjungfer: Auf Hochspringerin Imke Onnen warten besondere Wochen

Josina Kelz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ist heiß auf die olympischen Spiele in Tokio: Hochspringerin Imke Onnen.
Ist heiß auf die olympischen Spiele in Tokio: Hochspringerin Imke Onnen. © IMAGO/Chai v.d. Laage
Anzeige

Olympia in Tokio steht vor der Tür und auf viele Sportlerinnen und Sportler wartet ein besonderes Highlight. Auch Hochspringerin Imke Onnen, die zwischen Döhren und Waldhausen wohnt, wird in Japan mit dabei sein. Das Selbstvertrauen der 26-Jährigen ist jedenfalls groß: "Ich weiß, was in mir schlummert. Und da es dieses Jahr noch nicht rausgekommen ist, ist es gut möglich, dass es in Tokio explodiert."

„Hach, was ist das schön hier“, sagt Imke Onnen (26), während sie auf den Maschsee Richtung Rathaus blickt. In zehn Tagen geht es weit weg aus ihrer geliebten Heimatstadt Hannover – nach Tokio. Am 5. August tritt Onnen bei Olympia an, am 7. August könnte sie im Finale stehen. Dieser Tag wäre gleichzeitig das Finale der Olympischen Spiele 2021, ein besonderer Ansporn.

Anzeige

Ein Stückchen Zuhause nimmt sie mit: Mama Astrid Fredebold-Onnen (65). Da sie ihre Trainerin ist, darf sie ihre jüngste Tochter trotz Corona-Bestimmungen begleiten. Auch ihr ältestes Kind, Sohn Eike Onnen (38), war bei Olympia dabei. 2016 in Rio. Da durfte sie nicht mitkommen. „Ich glaube, sie ist aufgeregter als ich“, sagt Imke und lacht.

Gut gelaunt: Imke Onnen freut sich über ihren Abstecher zum Maschsee. Am letzten Tag der Olympischen Spiele will sie im Hochsprungfinale stehen. 
Gut gelaunt: Imke Onnen freut sich über ihren Abstecher zum Maschsee. Am letzten Tag der Olympischen Spiele will sie im Hochsprungfinale stehen.  © Florian Petrow

Der große Bruder als Vorbild

Und wenn sie das tut, lacht sie über das ganze Gesicht, zeigt ihre Zähne, lässt ihre Augen strahlen. Onnen lacht viel und gerne, ihre Offenheit und Positivität dürfte bei einem so wichtigen Wettkampf wie Olympia helfen. „Ich meditiere und mache viel mentales Training und Atemübungen, um nicht zu nervös zu werden. Nützt ja keinem was, wenn ich jetzt schon nicht mehr schlafen kann.“

Onnens großer Bruder war stets ihr Vorbild. Dass sie es selbst mal so hoch hinaus schaffen würde wie er, war für sie „weit weg und nicht greifbar“. Dennoch habe sie keine Spiele im Fernsehen verpasst, „ich habe mir nachts oft den Wecker gestellt“.

Das nächste Highlight wartet schon

Vielleicht ist es das Familienband, das den Onnens so viel Kraft gibt. Wenn Imke über die anstehende Hochzeit ihrer Schwester Maie Onnen (32) im August spricht, reicht ihr Grinsen fast von Ohr zu Ohr. „Die Feier ist nur zwei Wochen nach den Spielen, als Brautjungfer fehle ich also bei vielen Vorbereitungen. Aber sobald ich wieder da bin, gebe ich doppelt Gas.“ Fast wirkt es, als würde Onnen die bevorstehende Familienfeier nervöser machen als Olympia. „Nach dem sportlichen Highlight wartet jedenfalls ein privates Highlight.“

Und wie sieht’s bei ihr in der Liebe aus? Onnen ist seit vier Jahren in einer Beziehung mit dem Leverkusener Hochspringer Falk Wendrich (26), der die Olympia-Qualifikation knapp verpasst hat. „Ich habe in letzter Zeit häufig in Leverkusen trainiert, da konnte ich praktischerweise bei meinem Freund schlafen. Meine Mutter musste sich ein Hotel nehmen“, erzählt die Sportlerin – und lacht. Zu Hause in Hannover läuft das anders: Onnen hat ein Einzimmerapartment über der Wohnung ihrer Eltern zwischen Döhren und Waldhausen. „Sehr praktisch, besonders wenn’s ums Essen geht, diesen Vorteil nutze ich oft und gerne“, gesteht sie. „Und als ehemalige Sportlerin kocht meine Mutter zum Glück sportgerecht.“


Mehr Berichte aus der Region

"Alle Kräfte müssen jetzt für Tokio gesammelt werden"

Als Hochspringerin muss Onnen besonders auf ihre Linie achten. Haben Kraftathleten Mühe, auf ihren hohen Kalorienbedarf zu kommen, liegt die Herausforderung der Hochspringer darin, leicht zu bleiben. „Die Läuferinnen bemitleiden uns immer, weil wir nicht so viel essen dürfen wie sie.“ Trotzdem: „Gestern habe ich mir eine Pizza gegönnt, ich esse einfach zu gerne“, gibt die 1,90 Meter-Frau (66 Kilo) mit den schier endlosen Beinen zu und seufzt.

Nicht nur die Kalorienzufuhr, sondern auch das Training hat sie zurückgefahren. „Alle Kräfte müssen jetzt für Tokio gesammelt werden.“ In dieser Saison lief es nicht immer rund für die Hannoveranerin. „Das war eine der herausforderndsten Saisons, mental war es extrem hart.“ Das ist aber kein Grund, negativ zu denken: „Ich weiß, was in mir schlummert. Und da es dieses Jahr noch nicht rausgekommen ist, ist es gut möglich, dass es in Tokio explodiert. Es kitzelt jedenfalls in meinen Füßen.“