12. März 2021 / 17:46 Uhr

Immer noch Corona-Pause: „Vor einem Jahr nicht für möglich gehalten“

Immer noch Corona-Pause: „Vor einem Jahr nicht für möglich gehalten“

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Die Kinder (hier kickt die E-Jugend von der JSG Blumenhagen/Wipshausen gegen Pfeil Broistedt II) mussten lange pausieren. Viele befürchten das Fehlen eines Nachwuchs-Jahrgangs aufgrund der Corona-Pandemie.
Die Kinder (hier kickt die E-Jugend von der JSG Blumenhagen/Wipshausen gegen Pfeil Broistedt II) mussten lange pausieren. Viele befürchten das Fehlen eines Nachwuchs-Jahrgangs aufgrund der Corona-Pandemie. © Sönke Rathje
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Vor genau einem Jahr wurde in den Sportarten der Spielbetrieb eingestellt. Nach einer kurzen Phase der Lockerung folgte der zweite Lockdown, der Sportvereinen und -verbänden zunehmend Probleme bereitet. Vor zwölf Monaten hätte das kaum jemand so erwartet. 

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Jahrestage sind meist ein Grund zum Feiern. Dieser aber nicht: Vor genau einem Jahr haben die Sportverbände den Spielbetrieb erstmals wegen Corona eingestellt. Handball, Volleyball, Tischtennis – nichts ging mehr. Die Box-Landesmeisterschaft in der Gunzelinhalle fiel ebenfalls dem Lockdown zum Opfer. Mit kurzer Verzögerung folgten auch die Fußballer, die ihre Hoffnung auf eine Saisonfortsetzung später begraben mussten.

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Ausmaße nicht erwartet

„Dass wir heute immer noch beziehungsweise wieder im Lockdown leben, hatte ich damals nicht so befürchtet. Ich hatte gehofft, dass wir die Gefahr eher in den Griff bekommen“, sagt der Chef des Fußball-Kreisverbandes, Hans Hermann Buhmann. Auch der Spielausschuss-Vorsitzende Günter Brand ist heute schlauer: „Dass wir jetzt immer noch mit Corona zu tun haben, hätte ich vor einem Jahr nicht für möglich gehalten.“

„Nie und nimmer“ hätte der Vorsitzende der Handball-Region Süd-Ost-Niedersachsen im März 2020 eine solch lange Zeit erwartet, in der der Spielbetrieb ruht. „Das hat sich dann aber gewandelt, als wir Ende Oktober erneut abbrechen mussten“, sagt Olaf Denecke.

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Auch der Kreissportbund-Vorsitzende Wilhelm Laaf hatte die Entwicklung in den zurückliegenden zwölf Monaten „anfangs nicht für möglich gehalten – aber dann im Verlauf des Jahres befürchtet“.

Auf die Sportverbände und -vereine kamen in diesem Corona-Jahr immense Herausforderungen zu. Günter Brand hatte „schlaflose Nächte“ beim Grübeln über die Frage, wie der Fußball-Spielbetrieb geregelt werden kann. Der Übungsbetrieb wurde nicht nur im Ballsport, sondern auch bei den Gesundheitssport-Gruppen eingestellt. Die Vereine suchten Lösungen, den Kontakt zu ihren Mitgliedern zu bewahren und vor allem auch, sie in Bewegung und damit halbwegs fit zu halten. Nach den ersten Lockerungen übten Gymnastik-Gruppen auf dem Sportplatz, Übungsleiter machten sich mit technischen Lösungen für ein Online-Training vertraut, und viele Vereine investierten in die entsprechende Technik.

Technologisch fitter

Das tat auch der Kreissportbund (KSB). „Wir haben uns, was das Equipment angeht, technologisch fitter gemacht. Der Landessportbund hat uns finanziell dabei sehr geholfen. Auf Landesebene ist da viel Geld geflossen“, sagt Laaf. „Wir sind nun in der Lage, mit den neuen Medien zu operieren. Dadurch konnten wir zum Beispiel online kürzlich das Bewegungsangebot mit Hoppel und Bürste umsetzen. 300 Kinder und Eltern haben daran teilgenommen.“

Der technische Fortschritt, den auch viele Vereine gemacht haben, gehört für Laaf zu den wenigen positiven Aspekten des Corona-Jahres, ebenso die Erkenntnis, dass viele Mitglieder den Vereinen die Treue gehalten haben. Zu den negativen Auswirkungen beim Kreissportbund gehört, dass die Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen mussten. „Der KSB wurde als Anlaufstelle für die Vereine weniger frequentiert. Es gab keine Ferienfreizeiten der Sportjugend, der Bereich Weiterbildung kam zum Erliegen“, zählt Laaf auf.

Auch Buhmann sieht positive Aspekte der Corona-Zeit: „Zum Beispiel die Hilfsbereitschaft über die Grenzen des Fußballs hinaus. Vereine kümmerten sich um Leute, die das Haus nicht verlassen konnten, es gab Einkaufsdienste und auch Unterstützung für die Gastronomie.“

Die Kinder leiden

Mit den negativen Seiten werde der Verband aber noch länger zu kämpfen haben. Abgesehen vom Spielbetrieb, der bis auf September/ Oktober, nicht stattfand, können Kinder im Kreis Peine immer noch nicht trainieren, ein ganzer Jahrgang bei den Kleinsten drohe wegzubrechen. „Wir müssen nach Corona für den wunderbaren Fußballsport zum Beispiel an den Schulen werben und da die Vereine einbeziehen“, sagt Buhmann, der zusammen mit der Jugendausschuss-Vorsitzenden Heike Hansen und Gotthard Laube (Vorsitzender des Qualifizierungs-Ausschusses) eine Arbeitsgruppe bildet, die sich mit dem Thema befasst.

Auch Denecke tun die Kinder und Jugendlichen leid. „Sie mussten am meisten leiden. Viele haben ein ganzes Jahr kein Spiel machen und auch kaum trainieren können.“ Ziel sei es jetzt, wenigstens im Freien mit dem Training zu beginnen, damit der Nachwuchs mal wieder „einen Ball in die Hand nehmen“ kann. Außerdem sollen die fünf Landkreise und drei Städte im Regionsbereich angeschrieben werden mit der Bitte, die Sporthallen in den Sommerferien nutzbar zu machen.

Die Handball-Region habe versucht, die Vereine finanziell zu entlasten. „Wir haben nur die Hälfte der Meldegelder eingezogen, weil wir ja die Abgaben an den Landesverband zahlen müssen. Die andere Hälfte brauchen die Vereine aber nicht zu bezahlen“, sagt Denecke.

Sparen ist auch beim Kreissportbund angesagt. „Wir werden dieses Jahr 75 Jahre alt. Um das zu feiern, hatten wir Geld zurückgelegt, aber die Feier fällt aus. Der Mitgliederrückgang in den Vereinen – vergangenes Jahr betrug er 3,5 Prozent – wird sich auch bei uns bemerkbar machen. Ich hoffe, dass wir das durch Einsparungen und auch durch die Kurzarbeit kompensieren können“, sagt Laaf.

Von Matthias Press und Lukas Everling