25. November 2021 / 22:04 Uhr

Impf-Debatte, Lewandowski-Titel, Investoren-Warnung: Kahn zieht erste Bilanz als Bayern-Boss

Impf-Debatte, Lewandowski-Titel, Investoren-Warnung: Kahn zieht erste Bilanz als Bayern-Boss

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Oliver Kahn hat in einer Rede auf der Jahreshauptversammlung Bilanz gezogen.
Oliver Kahn hat in einer Rede auf der Jahreshauptversammlung Bilanz gezogen. © imago images/ActionPictures
Anzeige

Erstmals als Vorstandschef des FC Bayern hat Oliver Kahn am Donnerstagabend auf der Jahreshauptversammlung der Münchener Bilanz gezogen. Der FCB-Boss fand klare Worte zur Impf-Debatte um Joshua Kimmich, den Ballon-d'Or-Chancen von Robert Lewandowski und der Gefahr durch Investoren.

In seiner ersten Rede bei einer Jahreshauptversammlung des FC Bayern München als der neue Vorstandsvorsitzende hat sich Oliver Kahn am Donnerstagabend über die wichtigsten Themen des deutschen Rekordmeisters geäußert. Unter anderem der Impfstand der FCB-Profis, die Rekorde von Robert Lewandowski und die Warnung vor Investoren-Geld waren die Themen - und auch sein persönlicher Einstand. "Es war relativ schnell ein Gefühl von heimkommen, von Heimat", sagte Kahn zu Beginn seiner Rede. Im Verein muss er aktuell einige Probleme lösen.

Das bestimmende Thema beim FC Bayern ist aktuell der Umgang mit der Corona-Pandemie. Mit dem ungeimpften Joshua Kimmich und Eric Maxim Choupo-Moting haben sich kürzlich nach Niklas Süle und Josip Stanisic zwei weitere FCB-Stars mit Corona infiziert. Auch die Schlüsselspieler Serge Gnabry und Jamal Musiala befinden sich als ungeimpfte Corona-Kontaktpersonen in Quarantäne: "Wir stecken in der vierten Welle und diese vierte Welle trifft alle Klubs – auch den FC Bayern – sehr hart. Denn ab sofort können wir unsere Spiele nur noch mit 25 Prozent der Zuschauer austragen. Und steigt die Inzidenz über 1000 müssen wir unsere Spiele vor komplett leeren Rängen austragen", mahnte Kahn. "Aber trotzdem muss es weiter gehen. Und damit dieser Alptraum endlich zu einer schlechten Erinnerung wird, ist es das beste Mittel, sich impfen zu lassen."

Bei allen Mitarbeitern und Spielern würde Kahn mit seinen Kollegen Überzeugungsarbeit leisten: "Natürlich wird jetzt der ein oder andere Fragen: Ja warum haben sich denn dann nicht alle Spieler impfen lassen? Die Antwort ist ziemlich einfach: Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland. Und das Recht des einzelnen, sich nicht impfen zu lassen, respektieren wir." Ähnlich wie Präsident Herbert Hainer nahm auch der 52-Jährige Kimmich in Schutz und wünschte ihm gute Besserung: "Joshua ist ein verantwortungsvoller ein absoluter Weltklasse-Spieler, der alles gibt für den Klub, der alles für die Mannschaft gibt. Corona hat uns mit etwas konfrontiert, das wir so alle noch nicht erlebt haben. Und das führt bei vielen Menschen zu Unsicherheiten. Und ich sehe keinen einzigen Grund, warum das im Fußball anders sein sollte."

Anzeige

Kahn warnt vor Investoren-Geld: "Fundamentalster Wandel"

Gleichzeitig warnte Kahn hat bei seiner Premierenrede vor dem Gebaren der Investoren-Klubs in Europa gewarnt. "Wir erleben gerade den fundamentalsten Wandel, den der Fußball je erlebt hat. Deshalb kämpfen wir an vorderster Front, dass es nicht sein kann, dass Investoren unbegrenzt Geld in Klubs pumpen können", so der Boss deutlich. "Bei uns bestimmt keine Investorengruppe oder ein Multimillionär", betonte Kahn, der den Mitgliedern versprach: "Wir werden auch weiter unseren eigenen Bayern-Weg gehen." Die von einigen internationalen Topklubs wie Real Madrid, FC Barcelona oder Juventus Turin immer noch angestrebte "European Super League" sei jüngst zurecht "innerhalb von 48 Stunden kollabiert", sagte der Bayern-Chef in seiner Rede: "Denn das wäre das Ende des Fußballs gewesen, wie wir ihn kennen."

Ein weiteres Thema, das Kahn anschnitt: Die Top-Leistungen von Rekordtorjäger Robert Lewandowski. Der Stürmer knackte in der vergangenen Saison mit 41 Saisontreffern den von der im August verstorbenen Bayern-Legende Gerd Müller in der Saison 1971/72 aufgestellten Torrekord (40 Treffer). "Was mich wirklich sehr beeindruckt hat, war die große Geste von Robert, seinen 40. Treffer dem leider im August verstorbenen Gerd Müller zu widmen", lobte Kahn. "Für die 41 Tore hat er ja übrigens auch nur 29 Spiele gebraucht. Man muss immer vorsichtig sein, aber ich glaube damit hat er eine Bestmarke aufgestellt, die nie mehr gebrochen wird – außer vielleicht von ihm selbst. Er ist nun mal der beste Stürmer der Welt." Wenn am Montag in Paris die Auszeichnung Ballon d’Or für den weltbesten Fußballer vergeben wird, wird Kahn mit Lewandowski vor Ort sein: "Es würde mich zutiefst enttäuschen, wenn er diesen Ballon d’Or jetzt nicht auch gewinnt. Ich glaube, keiner hat es mehr verdient als er", so der Bayern-Boss

Der ehemalige Weltklasse-Keeper Kahn ist seit Ende Juni der neue Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. Der frühere DFB-Kapitän, der seit Januar 2020 dem Vorstand angehört, ist damit der Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge. Eigentlich sollte Kahn Rummenigge erst zum Jahresende ablösen, allerdings zog sich der 66-Jährige bereits früher als geplant zurück. "Es ist der strategisch sinnvollste und logische Zeitpunkt", erklärte Rummenigge, der auf der JHV ursprünglich verabschiedet werden sollte aber kurzfristig abgesagt hatte, kurz vor dem Machtwechsel beim FCB.