20. Mai 2021 / 18:27 Uhr

Impfen vor Olympia: Scoccimarro hat den Piks hinter sich, für Almas muss er in den Zeitplan passen

Impfen vor Olympia: Scoccimarro hat den Piks hinter sich, für Almas muss er in den Zeitplan passen

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Olympia ruft, aber wann klappt's mit der Impfung? Judo-Ass Giovanna Scoccimarro hat den Piks erhalten, bei Deniz Almas muss er in den Zeitplan passen.
Olympia ruft, aber wann klappt's mit der Impfung? Judo-Ass Giovanna Scoccimarro hat den Piks erhalten, bei Deniz Almas muss er in den Zeitplan passen. © IJF/DPA
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Der Kampf um Olympia: VfL-Sprinter Deniz Almas will nach der Staffel-Quali auch das Einzel-Ticket über die 100 Meter lösen. Was das Rennen ums Tokio-Ticket nicht einfacher macht: Die Impf-Frage für Spitzensportler. Wann gibt's den Piks, damit vor allem die Quali für oder auch die Vorbereitung auf die Spiele nicht gestört wird? Die Antwort fällt auch Wolfsburgs deutschem Meister nicht leicht. Beantwortet ist die Frage hingegen schon bei Judo-Ass Giovanna Scoccimarro aus Lessien.

Klar, Impfen hilft, das eigene Ansteckungsrisiko zu senken und die Pandemie einzudämmen. Dabei möchte Almas nur allzu gern helfen. Allerdings steckt der Sprinter des VfL in einer Zwickmühle. Der 23-Jährige kämpft noch ums Einzel-Ticket für Olympia. Ein guter Tag, ein gutes Rennen kann da entscheiden, sein Terminplan ist eng bestückt. Deshalb ließ Almas, der die Möglichkeit hat, sich über die Bundeswehr und über den Sport vor Corona zu schützen, die ersten Impf-Termine verstreichen. "Sie haben zeitlich nicht gepasst. Wenn es mit den Nebenwirkungen unglücklich läuft, ich eine Nacht schlecht schlafen sollte oder Schüttelfrost bekomme und dann beispielsweise am nächsten Tag im Ausland laufen soll, um Punkte für die Weltrangliste zu sammeln, macht das für mich keinen Sinn."

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Deshalb möchte sich Almas zunächst einmal für Olympia qualifizieren. Die Spiele starten am 23. Juli, die Leichtathletik-Wettbewerbe eine Woche später, der Qualizeitraum endet am 29. Juni: "Ich brauche die Punkte oder die Norm, ich will nach Tokio. Deshalb warte ich das Impfen erst einmal ab." Um eins klarzustellen: Der Wolfsburger weiß um die Corona-Gefahr, eine Erkrankung bedeutet für ihn neben dem gesundheitlichen auch das Risiko, Tokio komplett zu verpassen. Deshalb achtet er im Alltag akribisch auf alle möglichen Gefahrenherde. "Wir werden relativ oft getestet und ich bin kein Mensch, der sich jeden Tag in die Stadt begibt, unter Menschenmassen geht. Im Gegenteil: Ich sehe kaum Leute, da ist das Risiko sich zu infizieren, dann doch auch sehr gering", sagt der Wolfsburger und fügt hinzu: "Wir leben in der Leichtathletik alle in einer guten Bubble."

Mehr heimischer Sport

Allerdings, bei der Hallen-EM - bei der Almas nicht am Start war - hatten sich Sportler verschiedener Nationen mit dem Virus infiziert. "Ja, da gab es Probleme, aber bei der Staffel-WM war das schon wieder vom Verband anders und besser gelöst. Unter anderem mit eigenen Bussen", sagt der 23-Jährige.

Nach der Quali fällt das Impfen leichter

Sportlich weiter geht's für ihn am Samstag. Bei der Kurpfalz-Gala in Weinheim. Dort, wo er im vergangenen Jahr mit 10,08 Sekunden seine Bestzeit lief. Zur Olympia-Norm fehlen ihm noch drei Hundertstel. Knackt er sie, fällt auch das Impfen leichter. Denn selbst der Zeitraum zwischen Quali-Ende und Wettbewerbsstart lässt - je nach Wirkstoff - noch Zeit genug, um sich vor Corona zu schützen.

Andere Situation bei Scoccimarro

Anders ist die Situation bei Giovanna Scoccimarro. Bei ihr geht es jetzt nur noch um die nationale Entscheidung im Duell mit Miriam Butkereit (TSV Glinde) - und da liegt sie deutlich vorn. Das Judo-Ass aus Lessien hat sich über die Rangliste längst für Olympia qualifiziert. Dieser große Druck, den Almas noch spürt, ist also weg. Vier Tage nach nach ihrer Silber-Medaille beim Grand Slam in Kazan (Russland) gab's dann die Impfung. Bei ihr reichte ein Stich, da es sich um Johnson & Johnson handelte - den gab's am 10. Mai, einem Montag.

"Tatsächlich hätte ich mir lieber gewünscht am Freitag geimpft zu werden, da bin ich aus Kazan wiedergekommen und hätte mich übers Wochenende erholen können", sagt die 23-Jährige, die dann zum Wochenstart gern wieder ins Training eingestiegen wäre. Dass klappte dann nicht. "Ich habe am Dienstag leicht erhöhte Temperatur bekommen und hatte Mega-Kopfschmerzen. Ich habe zwar noch gearbeitet, danach aber fast die ganze Zeit nur geschlafen." Ab Mittwoch war aber wieder alles normal. "Da habe ich Glück gehabt." Jetzt läuft die Vorbereitung auf die WM in Ungarn (6. bis 13 Juni). In Budapest geht's dann für die Athletin des MTV Vorsfelde wieder auf die Matte.


80 Prozent geimpft

Von den rund 1400 potenziellen deutschen Athleten, Trainern, Betreuern und Ärzten bei den Olympischen Spielen in Tokio sind inzwischen rund 80 Prozent gegen das Coronavirus geimpft worden. Dies gab Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, am Montag bei einem digitalen Fachgespräch der CDU/CSU zum Thema „Startschuss für den Neustart im Spitzen- und Breitensport“ bekannt.

Für die deutschen Mannschaftsärzte und Mitglieder des Organisationsteams gebe es eine Impfpflicht. „Wir gehen damit einen Schritt weiter als das Internationale Olympische Komitee, das keine Impfpflicht vorgeschrieben hat“, betonte Hörmann. In den nächsten beiden Wochen werde der Punkt kommen, an dem alle aus dem Team D und alle paralympischen Sportler geimpft sein würden, die das Angebot angenommen hätten oder annehmen wollten.

Dass die Olympia-Anwärter die Priorisierung beim Impfen respektiert und den Bedürftigen den Vortritt gelassen haben, ist für Stephan Mayer der richtige Weg gewesen. „Natürlich ist es ein sensibles Thema“, sagte der für den Sport im Bundesinnenministerium zuständige Parlamentarische Staatssekretär und CSU-Politiker. „Zu dem Zeitpunkt, an dem es gut vermittelbar war, haben wir in einer konzertierten Aktion die Athleten und Betreuer geimpft.“