24. März 2020 / 17:15 Uhr

"In den Farben getrennt, in der Sache vereint" - Das sagen Akteure des Kieler Amateurfußballs zur Corona-Krise

"In den Farben getrennt, in der Sache vereint" - Das sagen Akteure des Kieler Amateurfußballs zur Corona-Krise

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
Das Coronavirus ist in aller Munde.
Das Coronavirus ist in aller Munde. © Repro
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Das Coronavirus hat ganz Deutschland im Griff. Schulen, Kitas und Geschäfte sind geschlossen. Das Millionengeschäft Fußball steht komplett still. Für Verbände und Vereine beginnt der Kampf um das wirtschaftliche Überleben.

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Vor knapp zwei Wochen hat es auch sämtliche Amateurvereine im nördlichsten Bundesland Deutschlands erwischt. Das Geschäftsführende Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands entschied sich, den Spielbetrieb von der Oberliga bis zu den untersten Kreisklassen bis einschließlich 19. April einzustellen.

"Es geht in erster Linie nicht um uns", so Dennis Buthmann.

Eine Entscheidung, die Funktionäre, Trainer und Spieler der Vereine unterstützen und für mehr als sinnvoll halten. „Da muss man einfach Verständnis zeigen. Es gibt momentan einfach wichtigeres als unseren Fußball. Und wenn wir mit dieser Maßnahme nur einen kleinen Teil dazu beitragen können die Verbreitung des Virus einzudämmen und zu verlangsamen, dann sollten wir das alle tun. Es geht dabei in erster Linie nicht um uns und unsere Altersgruppe, aber wir sollten uns auch alle verantwortlich für die Älteren und Vorerkrankten unter uns fühlen, für die der Virus eine ernsthafte Gefahr darstellen kann. Daher sollten wir alle zusammenhalten und uns solidarisch zeigen“, meint Mittelfeldspieler Dennis Buthmann vom Landesligisten SV Tungendorf.

"Der SVT hat alle Aktionen sofort eingestellt", berichtet Marco Frauenstein.

Dem pflichtet SVT-Mannschaftskapitän Andreas Stölting bei und ergänzt: „Da ich im Gesundheitswesen arbeite, beschäftige ich mich ohnehin intensiver mit dem Thema, so wie es inzwischen aber jeder tun sollte. Ein Großteil von uns wird irgendwann erkranken, die Frage ist lediglich wann“, weiß der 29-Jährige Innenverteidiger. Die Tungendorfer haben, wie viele andere Teams auch, den Trainingsbetrieb bis auf weiteres eingestellt. „In Neumünster gab es eine Anordnung der Stadt, dass man nicht mehr auf den öffentlichen Plätzen trainieren soll. Unser Vorstand hat daraufhin in allen Sparten das Training und die Wettkämpfe einstellen lassen“, verrät SVT-Chefcoach Marco Frauenstein, dessen Team auch indirekt mit der Corona-Krise in Kontakt gekommen ist. „Ein Mittelfeldspieler von uns war in Südtirol im Urlaub und musste nach der Rückkehr in Quarantäne. Er weist keinerlei Symptome auf und ist kerngesund. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme bestätigt Frauenstein, der gespannt ist, wann und wie die Saison zu Ende gespielt wird. „Da lasse ich mich überraschen. Aber egal, welche Regelung da gefunden wird, du kannst es im Endeffekt keinem Team, das um den Aufstieg oder Abstieg spielt, gerecht machen“, so der 37-Jährige.

"Wenn Spieler nicht mehr zur Arbeit dürfen, kann ich nicht verlangen, dass sie zum Training kommen", meint Mark Hungerecker.

Auch in der Landeshauptstadt Kiel und Umgebung beherrscht „Corona“ die Diskussionen bei den Fußballvereinen. „Man ist natürlich auch im privaten Bereich sehr eingeschränkt. Alle Vorkehrungen des SHFV machen Sinn. Man muss dem einfach entgegenwirken. Ich vermute sogar, dass wir die Saison gar nicht zu Ende spielen werden. Wenn Spieler von mir nicht mehr zur Arbeit gehen sollen und zum Home Office übergehen, dann kann ich ja nicht verlangen, dass sie abends auf dem Trainingsplatz stehen“, zeigt sich SVE-Comet Kiel-Trainer Mark Hungerecker solidarisch. „Ich hoffe einfach, dass meine Jungs sich mit ein paar Läufen fit halten“, grinst der 38-jährige Übungsleiter.

"Wir Menschen müssen zusammenrücken", so Jirka Heine.

Auch Co-Trainer Jirka Heine vom Verbandsligisten Preetzer TSV zeigt sich einsichtig und hofft, dass diese schwere Zeit die Menschen zusammenführt. „Ich finde es wichtig, dass der Fußball sich hier solidarisch zeigt und eine Weiterverbreitung des Virus eingedämmt wird. Letztendlich geht es um den Schutz unserer Mitmenschen. Leider muss aber in unserer Gesellschaft erst immer etwas passieren, damit man handelt. Es ist aber heftig, dass das alltägliche Leben zum Erliegen kommt. Schizophren finde ich, dass die sozialen Kontakte und Großveranstaltungen ausfallen sollen, aber in den hiesigen Supermärkten und Bauhäusern sind mehr Menschenansammlungen, als bei friday for future-Demonstrationen. Wahrscheinlich sind wir auf solche Situationen nicht vorbereitet. Wir Menschen müssen zusammenrücken und zwar nicht nur in solchen extremen Situationen. Es gibt in meinen Augen Wichtigeres als Fußball, aber auch schon vor Corona“, bezieht der 35-Jährige klar Stellung.

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"Der DFB hat ein trauriges Bild abgegeben", sagt Timo Federwisch.

Auch Torjäger Timo Federwisch vom Verbandsligisten TSV Stein nimmt das Thema sehr ernst und geht sogar noch einen Tick weiter. „Das Problem ist aber auch unserer heutigen Gesellschaft. Jeder Laie meint, zu jedem Thema seinen Senf beitragen zu müssen und somit überflüssige Panik und Hysterie zu fördern. Aber im Zeitalter der sozialen Medien ist das wohl ein Übel, dass sich nicht mehr vermeiden lässt“, argumentiert der 34-jährige Angreifer und fügt hinzu: „Zu den Spielausfällen kann ich nur sagen, dass der DFB mal wieder ein sehr trauriges Bild abgibt. Ich hätte mir einfach mal eine klare Anweisung von den Verantwortlichen gewünscht. Stattdessen kocht jeder Verband sein eigenes Süppchen. Der SHFV geht nun voran und sagte alles ab. Wenn die Gesundheit der Spieler durch die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes gefährdet ist, dann ist diese Entscheidung auch vollkommen richtig. Diese hätte jedoch der DFB als oberstes Gremium flächendeckend für alle Spiele in ganz Deutschland aussprechen müssen“, konstatiert Federwisch.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). Zur Galerie
Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). ©

"Fußball ist nur unser Hobby", weiß Finn Grapatin.

„Fußball ist immerhin nur ein Hobby unser aller. Vielleicht ist es nicht gefährlich für die meisten Leute die auf dem Platz stehen, dennoch sollte versucht werden die Ausbreitung des Virus zu verhindern“, fügt Abwehrspieler Finn Grapatin von der Probsteier SG 2012 hinzu. Die Ausmaße der Corona-Krise ist noch nicht absehbar, jedoch zeigt sie eindeutig, dass die Vereine getreu dem Motto: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“, an einem Strang ziehen. Marco Frauenstein vom SV Tungendorf sagte abschließend sehr treffend: „Fußball ist und bleibt einfach die schönste Nebensache der Welt.

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