27. November 2019 / 15:09 Uhr

In der Stadt Göttingen boomt es, in der Region sieht es eher mau aus

In der Stadt Göttingen boomt es, in der Region sieht es eher mau aus

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Auch der Nachwuchs der BG 74 Göttingen (hier beim Miniturnier im Juni) ist beim Advents-Cup dabei. Da stehen Spaß und Erfahrung sammeln im Vordergrund.
Auch der Nachwuchs der BG 74 Göttingen (hier beim Miniturnier im Juni) ist beim Advents-Cup dabei. Da stehen Spaß und Erfahrung sammeln im Vordergrund. © Swen Pförtner
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Im Basketball-Jüngstenbereich gibt es ein Stadt-Land-Gefälle. Während die Vereine in Göttingen Zulauf haben, haben die Klubs in der Region Probleme. In Herzberg, Bovenden und im Eichsfeld sind längst nicht alle Altersklassen besetzt. Gemeinsam spielen die Jüngsten am Sonntag den Advents-Cup.

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Deutschlandweit genießt das Basketball-Miniturnier der BG 74 Göttingen hohes Ansehen. Damit der regionale Nachwuchs bis zur Altersklasse bis U12 eine weitere Möglichkeit erhält, sich sportlich zu messen und Turniererfahrung zu sammeln, wurde der Advents-Cup aus der Taufe gehoben. Am Sonntag, 1. Dezember, beginnt die Premiere in den beiden Hallen des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums um 9.30 Uhr.

Weil in der Region immer weniger Kinder im Verein Basketball spielen, haben der Gründer des Miniturniers, Wessel Lücke (BG 74), und Andreas Scheede, Jugendtrainer Schule und Verein des Bundesligisten BG Göttingen, ein Treffen organisiert, zu dem Vereinsvertreter der Hardegsen Baskets, des SCW Göttingen, Bovender SV, MTV Herzberg, der BG 74 und des ASC 46 gekommen waren. „Der Vorschlag, ein Turnier für die Mädchen und Jungen, die ausschließlich auf Kreisebene Basketball spielen, anzubieten, kam gut an“, berichtet Scheede. „Wir freuen uns , dass es von allen Seiten so einen tollen Zuspruch gibt und blicken gespannt auf die Premiere des Advents-Cups, bei dem für uns die Kinder im Mittelpunkt stehen“, fügt der langjährige Jugendtrainer an.

Bei SCW bringen Spieler Freunde mit

Lisbeth Fischer vom SCW Göttingen freut sich auf das Turnier. Die Jugendtrainerin kommt mit der U12 aus der Nordstadt. „Wir haben in den vergangenen zwei, drei Monaten so viele Anmeldungen wie noch nie gehabt. Jetzt müssen wir schauen, ob wir in der kommenden Saison nicht auch eine U10-Mannschaft melden.“ Erklären kann sie den Boom nicht. „Da bringen Spieler ihre Freunde mit. Es kommen mehr Jungen als Mädchen“, erzählt die aus Hamburg stammende Basketballerin, die selbst für die zweite Damenmannschaft des SCW aufläuft. Das neue Turnier bezeichnet sie als „eine gute Idee“. Man kenne sich. „Das baut Gemeinschaft auf, alle helfen mit und die Kinder können Erfahrung sammeln. Ich finde es toll, dass es Leute gibt, die so etwas anstoßen.“

Ähnlich äußert sich auch Sebastian Förster, Fachbereichsleiter Basketball im ASC 46 Göttingen: „Dieses Turnier ist ganz wichtig. Bislang wurde davon immer nur im Konjunktiv gesprochen, jetzt werden Pläne in die Tat umgesetzt.“ Auch die Königsblauen können sich über Zulauf nicht beklagen. „Unsere Strukturen machen es möglich, dass auch schon ganz junge Kinder aus den Kindertagesstätten und Bewegungskindergärten zum Basketball kommen. Inzwischen haben wir eine U8-Gruppe“, sagt Förster. Ihn drückt der Schuh woanders: „Es sind genügend Übungsleiter da, aber bei der Hallensituation stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen. Zum Glück überlässt uns das Hainberg-Gymnasium schon frühe Hallenzeiten, wenn dort kein Sportunterricht mehr stattfindet.“ Der Advents-Cup übernehme eine Leuchtturm-Funktion. „Turniere sind immer ein Erlebnis, haben einen besonderen Stellenwert.“

Düstere Perspektiven in Herzberg

Auch Adi Musalf, seit 20 Jahren Jugendtrainer des MTV Herzberg, kommt mit zwei U12-Mannschaften am Sonntag nach Göttingen. Er kann von der komfortablen Situation der Stadtvereine nur träumen. „Bei uns werden es immer weniger Kinder. In zwei, drei Jahren wird es ganz finster bei uns aussehen.“ Längst sind beim MTV nicht mehr alle Altersklassen besetzt, fehlen ganze Jahrgänge. „Ich starte regelmäßig Flyer-Aktionen in den Grundschulen. Aber das ist schwierig, Basketball hat in Herzberg einfach keine Tradition.“ Die Strahlkraft der beiden Göttinger Bundesliga-Teams reicht nicht bis in den Harz.

Die jüngsten Basketballer, die Johannes Ballhausen trainiert, sind zwölf Jahre alt – allerdings erreicht die Zahl keine Mannschaftsstärke. Der Coach des Herren-Bezirksoberligisten SG Hilkerode/Birkungen betreut in Duderstadt eine 15-köpfige Gruppen, in der auch Mädchen dabei sind. Außerdem unterstützt er Niklas Rusalo und Simon Kohlrautz beim TV Germania Gieboldehausen, wo Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren aktiv sind. „Die Altersspanne ist zu groß, als Jugendmannschaft kann ich die nicht melden. Ich denke darüber nach, eine zweite Herren-Mannschaft zu organisieren. Einige Spieler sind sehr talentiert und die würde ich gern allmählich heranführen.“

In Konkurrenz mit Fußball und Handball

„Wir stecken gerade in einem Loch“, sagt Uwe Aderhold, Abteilungsleiter des Bovender SV. Er wird mit den U10-Kindern (“Sie sind sehr motiviert, aber auch noch sehr jung“) am Advents-Cup teilnehmen. Den Trainingsbetrieb in den älteren Jahrgängen U12/U14 musste er in der vergangenen Woche gerade einstellen. Im neuen Jahr werde er wieder Schnupperaktionen organisieren. „Basketball ist in Bovenden nicht so beliebt wie Fußball und Handball, da haben wir einen schweren Stand. Hinzu komme, dass Talente abwandern, wenn sie die Gelegenheit haben, in höheren Leistungsklassen zu spielen. „Dafür habe ich Verständnis, das kann ich in Bovenden nicht bieten. Ich finde es nur schade, dass die die es nicht schaffen oder sich überschätzt haben, dann nicht zurückkommen. Bei uns steht die Tür immer offen.“

Die BG 74 Göttingen ist im Jungenbereich von der U9 bis zur U12 in allen Atersklassen vertreten, der Mädchenbereich wird gerade wieder aufgebaut, hier gibt es eine U12-Mannschaft. „Die, die zu uns kommen, bleiben auch“, haben Abteilungsleiterin Silke Bruns und die Trainer festgestellt. Oft müsse den Eltern die Sorge genommen werden, dass die Schule unter den sportlichen Aktivitäten leide. „Das höre ich immer mehr“, sagt Bruns. Die BG rührt die Werbetrommeln in den Schulen, muss aber feststellen, dass Basketball nach wie vor eine Randsportart ist. „Und im Mädchenbereich ist Basketball sogar noch mehr Randsportart als bei den Jungen.“

Turnier ohne Sieger aber mit großem Spaßfaktor

Der Advents-Cup wird in beiden Hallen des Felix-Klein-Gymnasiums von 9.30 Uhr bis ca. 16 Uhr im 3x3-Modus gespielt. Da es keinen Turniersieger oder Platzierungsspiele gibt, sind die Teams, was die Spielzeiten angeht, flexibel. Die Schiedsrichter sind angehalten, „die Spiele mit Empathie“ zu leiten, weil in den Mannschaften viele Anfänger auf dem Feld stehen werden.

Als Startgebühr bringt jedes Team einen Kuchen oder belegte Brötchen mit, der Catering-Stand wird in Zeitblöcken von den Mitgliedern und Eltern der BG 74, des Bovender SV und des ASC 46 betreut. Der Erlös aus dem Verkauf von Essen und Getränken fließt in die Jugendarbeit des Kreisfachverbandes.

Der Nikolaus und Zuffi, das Maskottchen des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen, schauen im Laufe des Turniertages vorbei, stehen für Teamfotos zur Verfügung und bringen Überraschungen mit. Ein Teil der FKG I-Halle wird dazu genutzt, um kleine Wurfspiele und einen Parcours mit Lichtschranke aufzubauen. Am Ende wird ein gemeinsames Abschlussfoto gemacht und alle Kinder erhalten eine Erinnerungsmedaille.

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