01. Dezember 2016 / 20:45 Uhr

In der VW-Spitze wird über Allofs gelästert

In der VW-Spitze wird über Allofs gelästert

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
In der VW-Spitze wird über Allofs gelästert
In der VW-Spitze wird über Allofs gelästert
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Diskussion gerät langsam zum Schmierentheater

Die Diskussion um Sparmaßnahmen und um eine mögliche strategische Neuausrichtung des VfL droht in Richtung Schmierentheater abzurutschen. In einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wurde am heutigen Donnerstag „ein Mitglied aus der Konzern-Führungsetage“ mit Äußerungen zum Wolfsburger Fußball-Bundesligisten und zu Manager Klaus Allofs zitiert – anonym.

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„In der Führungsetage des Mutterkonzerns Volkswagen wird derzeit viel geschimpft“, heißt es im Bericht, „nicht nur wegen der Folgen des selbstverschuldeten Abgasskandals. Auch wegen der sportlichen Krise des VfL, der sich binnen weniger Monate von einem Champions-League-Viertelfinalisten zu einem Abstiegskandidaten entwickelt hat.“ Das anonyme  Konzernführungsmitglied kommt mit dem Satz „Gerade wo es VW schlecht geht, spielt auch noch der VfL scheiße“ zu Wort.   

In dem Bericht wird außerdem behauptet: „Hinter vorgehaltener Hand wird bereits geunkt, Allofs habe wohl keine Lust mehr.“ Und: „Die Kritik auch in der Konzernspitze lautet Insidern zufolge: Allofs habe in der jüngeren Vergangenheit unglückliche Entscheidungen getroffen, notwendig sei ein ,Strategiewechsel‘.“

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Es ist nicht nur unklar, ob das zitierte Mitglied der VW-Konzernführung direkt oder indirekt etwas mit dem VfL zu tun hat, Aussagen und Andeutungen lesen sich zudem auch noch wie eine Attacke nach Heckenschützenart auf den VfL-Manager. Was steckt dahinter? Weder Allofs noch VW-Vertreter wollten sich gestern dazu äußern. Nach WAZ-Informationen sind sich die Entscheidungsträger bei VW derzeit uneinig, wie es mit dem VfL weitergehen soll: Ist Allofs noch der Richtige? Muss gespart werden? Muss der VfL seine sportlichen Ziele nach unten korrigieren? Und wenn er das tut: Geht Allofs diesen Weg mit?

Wie uneinig man sich bei VW in Sachen Sport sein kann, zeigte unlängst das Eishockey-Beispiel: Die Marke VW kündigte an, die Förderung der Grizzlys am Saisonende einzustellen, ein paar Stunden später sprang VW als Gesamtkonzern ein. Marke und Konzern agierten in diesem Fall nicht miteinander – sondern quasi als Konkurrenten.

Von daher ist alles, was im dpa-Bericht vom heutigen Donnerstag auf  Äußerungen des „Mitglieds aus der Konzern-Führungsetage“ beruht, unter Vorbehalt zu sehen. Das gilt auch für die Aussage, dass es eine Diskussion über Kürzungen  beim VfL gar nicht gebe, VW trotz der Krise beim Mutterkonzern und des Wegfalls von bis zu 23.000 Stellen beim VfL vorerst nichts streichen wolle, die ganze  Diskussion mithin ,nicht nachvollziehbar‘ sei. Außerdem sei Platz sechs weiter das Minimalziel, bei einem Verbleib im Tabellenkeller werde es für Allofs eng – und überhaupt, so heißt es in dem Text, werde der VfL „der Rolle als positiver Botschafter für VW aktuell nicht gerecht“.

All‘ das liest sich wie ein Angriff auf Allofs. Der VfL-Manager selbst hatte derweil unlängst noch betont, dass er klare Aussagen von VW zur VfL-Zukunft erwartet. Doch bei VW und beim VfL selbst sind immer mehr Stimmen zu vernehmen, nach denen sich der Manager öffentlich und intern klarer positionieren sollte – sowohl bei der Lösung der momentanen sportlichen Krise als auch bei der Frage der mittelfristigen sportlichen Zielsetzung.

Unterm Strich verfestigt sich der Eindruck, dass die Kommunikation zwischen der Fußball-GmbH und ihrem Eigner aktuell gestört ist – und mehr übereinander als miteinander geredet wird. Angesichts der drängenden sportlichen Probleme des abstiegsbedrohten Tabellen-14. ist das keine gute Ausgangslage für eine Trendwende.