18. Mai 2020 / 13:30 Uhr

In einer neuen Liga mit dem BVB: Mit diesem Kopfball fing es für den VfL an

In einer neuen Liga mit dem BVB: Mit diesem Kopfball fing es für den VfL an

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
In der neugegründeten 2. Liga erzielte Wolfgang Matz 1974 das erste Tor für den VfL Wolfsburg.
In der neugegründeten 2. Liga erzielte Wolfgang Matz 1974 das erste Tor für den VfL Wolfsburg. © imago/Rust
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75 Jahre wird der VfL Wolfsburg alt: Grund genug, um an besondere Fußball-Momente zu erinnern – und an wichtige, kuriose und spezielle Tore. In unserer Serie „Jeden Tag ein Tor“ stellen wir jeweils einen dieser Treffer vor und erzählen die Geschichte dahinter. Heute geht’s um viele Premieren in einem einzigen Spiel.

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Die Bundesliga war längst aus den Kinderschuhen raus, der Fußball professionalisierte sich, führte 1974 die 2. Bundesliga (damals geteilt in Nord und Süd) ein. Und dank Wolfgang Matz, der „Toni“ gerufen wurde, gab es für den VfL Wolfsburg am 10. August 1974 gleich eine Vielfachpremiere. Wolfsburg gab sein Zweitliga-Heimdebüt und weil Matz als Einziger traf, war es im ersten Wolfsburger Zweitliga-Heimspiel zugleich das erste Zweitliga-Tor des VfL – es brachte den ersten Zweitliga-Heimsieg der Klubgeschichte.

„Das Tor war bestimmt nach einer Ecke oder einem Freistoß“, sagt Wölfi Krause, ein Mitspieler von damals. Der Verdacht liegt mehr als nahe, denn die Archivbilder von einst zeigen Matz auffällig oft im Luftduell. Und ein Blick ins Archiv bestätigt: Matz wuchtete den Ball damals aus gut und gerne zwölf Metern nach einer Freistoßflanke von Jürgen Dudda per Kopf in die Maschen. Vom Spielverlauf her war das hochverdient.

Mitspieler Wölfi Krause erinnert sich: „Ja, der Toni, den haben wir immer mit nach vorn geschickt bei Standards oder wenn wir ein Tor brauchten.“ Zwar traf der mit seinem Blondschopf auffällige Spieler nicht so oft, behauptete aber aufgrund seiner Stärke in der Luft vorn auch manchen hohen Ball für sein Team.

Vor 40 Jahren stieg der VfL das letzte Mal ab Bilder aus der Saison in der 2. Liga Nord.

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VfL-Kapitän Ronald Feuerhahn ©

Die 2. Liga Nord damals – heute 20-Jährigen muss sie vorkommen wie aus der Zeit gefallen. TSR Olympia Wilhelmshaven, Barmbek-Uhlenhorst, Wacker Berlin, DJK Gütersloh, Göttingen 05 und eben der VfL maßen sich da mit Hannover 96, Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund (am kommenden Samstag Bundesliga-Gast in Wolfsburg), das übrigens nicht aufstieg. 0:0 vor 6000 Fans in Wolfsburg und 2:2 vor 25.000 Besuchern im zur WM nagelneuen Stadion des BVB hatten möglicherweise entscheidende Punkte gekostet. Krause übrigens schoss beide Tore beim Überraschungspunkt in Dortmund.

Jeden Tag ein Tor: Hier gibt es alle Teile der Serie!

Dem VfL aber ging im Endspurt seiner allerersten Zweitliga-Saison langsam, aber sicher die Puste aus, er stieg am Ende als Vorletzter ab, vier Punkte fehlten zum rettenden fünftletzten Platz.

Der 1. FC Mülheim hielt als Elfter die Klasse, spielte damals unter anderem mit dem später im Ausland sehr erfolgreichen Trainer Holger Osieck, der 1990 Assistenz-Coach des DFB-Teams war, das Weltmeister wurde. Der VfL musste runter, kehrte aber nur ein Jahr später zurück in die 2. Liga,der Salzgitteraner Matz, damals 32, hörte auf.

Matz war übrigens auch bei einem legendären Elfmeterschießen dabei - es war das erste, das es je im DFB-Pokal gab - am 23. Dezember 1970 auf Schalke.

Als Matz, der über Braunschweig, wo er zum Meisterteam 1967 gezählt hatte, aus Düsseldorf 1968 zum VfL gekommen war, im November 1995 verstarb, da schmerzte das seine ehemaligen Mitspieler sehr. Er zählte zu einem Team, „das von ungeheurer Kameradschaft geprägt“ war, wie sein Mitspieler Ingo Eismann sagt. Eine Kameradschaft, die Matz mitgeprägt hatte. Krause, der später noch in Braunschweig mit ihm in der Altliga spielte: „Wir haben ihn sehr geschätzt.“ Eismann, meist der Mann auf Matz’ rechter Seite als Verteidiger: „Das war sehr traurig. Er war ein lieber Mensch und einer, von denen ich als Jüngster in der Truppe viel mitgenommen habe.“

12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg

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Zum Durchklicken: 12 Meilensteine aus 75 Jahren VfL Wolfsburg ©

Denn in dieser Truppe, da war Matz nicht nur einer der Erfahrensten, sondern auch sportlich ein Vorbild. Und ein typischer Libero jener Jahre. Sie trugen die Nummer 5, agierten meist unaufgeregt, dirigierten das Spiel, machten Vorstöße durchs Zentrum. Matz war ein ruhiger, sachlicher Spieler, dazu aber ungeheuer stark im Stellungsspiel. Er ging zu den Kopfbällen, „nahm den Torhütern wie Dieter Grünsch und Joachim ,Tanne’ Diehl manche Arbeit beim Herauslaufen ab“, erinnert sich Mitspieler Fredi Rotermund. „Er war ein Super-Libero, zu seiner Zeit vielleicht der Beste im Norden.“

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Bleibt die Frage, warum Matz „Toni“ gerufen wurde. Sicher ist: Es hing am in den 70ern sehr bekannten und mit seiner Schmalztolle sehr markanten Schauspieler Tony Curtis (spielte in „Manche mögen’s heiß“ an der Seite von Marylin Monroe). Ob es eine „gewisse Ähnlichkeit“ war, wie Eismann glaubt, oder ob er einfach ein Riesen-Curtis-Fan war, wie Rotermund (“Curtis hatte doch dunkles Haar“) meint – vielleicht war es von beidem etwas. Sicher: Matz war ein toller Fußballer, der für VfL-Premieren sorgte und der seinen Mitspielern im Herzen blieb.