15. Mai 2020 / 17:22 Uhr

In zwei Wochen gegen Köln: VfL-Frauen bereiten sich auf ihren Re-Start vor

In zwei Wochen gegen Köln: VfL-Frauen bereiten sich auf ihren Re-Start vor

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Stephan Lerch und die VfL-Frauen haben das Mannschaftstraining wieder aufgenommen.
Stephan Lerch und die VfL-Frauen haben das Mannschaftstraining wieder aufgenommen.
Anzeige

Das Okay der Politik fehlt noch, aber auch die Frauen-Bundesliga bereitet sich auf ihren Re-Start vor. Für Meister VfL Wolfsburg könnte es am 29. Mai mit einem Live-Spiel auf Eurosport gegen den 1. FC Köln wieder losgehen.

Anzeige

Im Büro von Stephan Lerch am Wolfsburger Elsterweg hängt ein Kalender. Eingetragen sind die wichtigen Termine der Saison - vom Bundesligaspiel bis zum Champions-League-Finale, das nächste Woche in Wien hätte stattfinden sollen. "Ab und zu", so der Trainer der VfL-Fußballerinnen, "schauen wir da mal hin und denken: Da wäre jetzt dieses Spiel gewesen und dann wäre da das Halbfinale dran... Aber das ist immer nur ein kleiner Moment. Wir leben im Hier und Jetzt."

Heißt: Statt in diesen Tagen vielleicht die ersten Titel einzusammeln, bereitet sich der deutsche Meister seit einer Woche wieder mit Mannschaftstraining auf den Re-Start der Liga vor. Der soll in zwei Wochen erfolgen, so hat es der DFB beschlossen. Allerdings: Das Go der Politik steht noch aus. Wie ihre männlichen Kollegen auch, arbeiten die VfL-Frauen nach einem strengen Hygiene-Konzept. Lerch selbst trägt auf dem Gelände Mundschutz, wenn er nicht gerade im Büro oder auf dem Trainingsplatz steht, Team und Trainer haben bereits mehrere Corona-Tests hinter sich.

Party mit den Fans nach dem Spiel - Die besten Bilder

Die VfL-Frauen feiern das Double mit den Fans vor dem AOK-Stadion Zur Galerie
Die VfL-Frauen feiern das Double mit den Fans vor dem AOK-Stadion ©

"Körperlich", so freut sich der Coach, "ist das Team in einem sehr guten Zustand", der Übergang vom Kleingruppen- ins Mannschaftstraining ist gelungen. Lediglich Nationalspielerin Sara Doorsoun muss mit Knieproblemen kürzertreten, Winter-Neuzugang Madelen Janogy ist aus privaten Gründen in ihrer schwedischen Heimat.

Die Frauen-Bundesliga könnte nach den Männer-Bundesligen die nächste Liga sein, die wieder spielt - ohne Zuschauer. Aktuell wird zwischen DFB und Rechte-Inhabern diskutiert, wie man alle Spiele im TV oder per Internetstream live übertragen kann. Bisher waren es in der Regel nur drei bis vier der sechs Spieltags-Paarungen, die es auf dem Bildschirm zu sehen gab. Lerch: "Die Reichweite, die wir vielleicht erzielen könnten, ist in Anreiz und eine Riesenchance." Man schaue "genau hin", wie es bei den Männern läuft - und hofft, dass da alles gut geht. Vorfälle wie die um Herthas Salomon Kalou und Augsburg-Trainer Heiko Herrlich machen ihn darum "erst einmal ein bisschen sprachlos", aber "es ist nicht so, dass wir davon abhängen und Auswirkungen auch auf den Frauenfußball befürchten."

Herrlich, Kalou und Co.: Diese Fußballer und Trainer haben gegen Corona-Maßnahmen verstoßen

Während der Corona-Zwangspause musste sich auch die Fußballer an teils strikte Quarantäne-Maßnahmen halten. Allerdings haben sich nicht immer alle daran gehalten. Der <b>SPORT</b>BUZZER gibt einen Überblick über prominente Verstöße. Zur Galerie
Während der Corona-Zwangspause musste sich auch die Fußballer an teils strikte Quarantäne-Maßnahmen halten. Allerdings haben sich nicht immer alle daran gehalten. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über prominente Verstöße. ©

Was für Lerch wichtig ist: "Dass wir womöglich in zwei Wochen wieder spielen können, liegt auch daran, dass wir jetzt als Profiliga gesehen werden. Das ist eine Anerkennung, die wichtig ist und die uns in den nächsten Jahren nach vorn bringt - auch wenn wir natürlich wissen, dass wir nicht in allen Mannschaften der Liga nur Berufsfußballerinnen haben."

Wenn die Liga wie erhofft wieder starten kann, ist der 1. FC Köln Auftaktgegner des VfL. Erste Planspiele sehen vor, dass es diese Partie am Freitagabend (29. Mai) live auf Eurosport zu sehen gibt. Danach werden englische Wochen erst einmal zur Regel, um die Liga und zwei Pokalrunden bis Ende Juni über die Bühne zu bringen. Das Pokalfinale soll - wie das der Männer - am 4. Juli stattfinden.

Mehr zu den VfL-Frauen

Ist der VfL dann in diesem Finale dabei, sind arbeitsrechtliche Details zu klären. Denn die Verträge der Spielerinnen die Wolfsburg verlassen, laufen Ende Juni aus - darunter sind mit der Isländerin Sara Gunnarsdottir (nach Lyon) und der Schweizerin Noelle Maritz (Arsenal hat Interesse) auch zwei Top-Spielerinnen. Wolfsburg hat im Gegenzug unter anderem das deutsche Top-Talent Lena Oberdorf (SGS Essen) und die polnische Nationaltorhüterin Katarzyna Kiedrzynek (Paris) an der Angel. Wann die Transfers offiziell vermeldet werden, ist offen.

Bis dahin wird Lerch auch die Folgen seiner Achillessehnenverletzung zum größten Teil überwunden haben, aktuell muss der Trainer noch einen Spezialschuh tragen. "Der Heilungsprozess ist sehr gut verlaufen, ich kann mich auf dem Platz frei bewegen." Und dort freut er sich "dass wir da wieder alle gemeinsam sind" - und gemeinsam darauf warten, dass der Re-Start der Liga bestätigt wird und der VfL dann sein vorgeschriebenes einwöchiges Quarantäne-Trainingslager beziehen kann. "Und wenn die Termine stehen", so Lerch schmunzelnd, "dann passen wir auch die Einträge in unserem Kalender an..."