20. August 2020 / 08:26 Uhr

Tag der Entscheidung am DEB-Spielgericht: Müssen die Indians in die Regionalliga?

Tag der Entscheidung am DEB-Spielgericht: Müssen die Indians in die Regionalliga?

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wohin die Reise für Igor Bacek & Co. führt, entscheidet das DEB-Spielgericht am Donnerstag.
Wohin die Reise für Igor Bacek & Co. führt, entscheidet das DEB-Spielgericht am Donnerstag. © Florian Petrow
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Am Donnerstag ist der große Tag: Das Spielgericht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) entscheidet darüber, ob die Hannover Indians die Lizenz für die Oberliga erhalten. Die Zulassung für diese Klasse war dem ECH verweigert worden. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Anfang Juli hatte der DEB sein Prüfungsverfahren abgeschlossen. Die schockierende Nachricht für die Indians: Sie erhalten keine Lizenz. Der Verband begründete dies recht allgemein mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Weil es kein Nachprüfverfahren gab, blieb den Indians nur der Gang vor das Spielgericht als höchste Instanz des DEB.

Wann und wo findet die Verhandlung statt?

Das Gericht befindet sich in München. Der Termin der Indians ist für 14.30 Uhr angesetzt. Anwesend sind die Vertreter der Icefighters Leipzig, die ebenfalls keine Lizenz erhalten haben und am Nachmittag genauso auf die Zulassung zum Spielbetrieb klagen.

Wer reist für die Indians nach München?

Geschäftsführer Andy Gysau fährt am Donnerstagmorgen mit dem Auto in die Landeshauptstadt Bayerns. Vor Ort ist dann bereits Uwe Schlüter. Der Hauptgesellschafter der Indians reiste bereits am Mittwoch per Zug nach München, konnte die Fahrt mit einem Besuch bei seiner Tochter verbinden.

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Anwälte und Richter – wie ist die Besetzung?

Mit dem Rechtsanwalt Tobias Rommelspacher, der in einer großen Kanzlei in Ravensburg arbeitet, haben die Indians-Vertreter einen Experten an ihrer Seite. Rommelspacher vertritt vor dem Schiedsgericht, das aus dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Götz und zwei Beisitzern besteht, auch die Leipziger als Anwalt.

Kurios: Rommelspacher hat Erfahrung und weiß, wie man um Lizenzen kämpft – jedoch aus Sicht der Gegenseite. Von der DEL 2 wird er beauftragt, wenn es um Lizenzstreitigkeiten mit den Vereinen geht. Der DEB, der in dem Verfahren der Beklagte ist, wird vom Rechtsanwalt Markus Haase vertreten.

Was spricht für die Indians?

Auf Seiten der Kläger herrscht Zuversicht. „Wir sind durch unseren Anwalt gut vorbereitet und haben keine neuen Gegenargumente seitens des DEB vernommen. Daher gehen wir optimistisch in die Verhandlung“, sagt Gysau. Auch den Vorwurf seitens des Verbands, man habe Unterlagen zum Lizenzprüfungsverfahren unzureichend oder zu spät eingereicht, werde man entkräften können, „weil es einfach nicht der Wahrheit entspricht“.

Positiv auf die Stimmungslage wirkt sich auch der Rückhalt der Mannschaft aus: Um die Corona-Zeit in der, so hoffen die Indians, Oberliga wirtschaftlich einigermaßen zu überstehen, haben die Spieler laut Gysau einen 20-prozentigen Gehaltsverzicht angeboten.

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

Und was spricht gegen den ECH?

Dass der Verband die Indians „auf dem Kieker“ haben könnte. Schon im Vorjahr verschickte der DEB an den Pferdeturm keine Lizenz, tat dies erst nach dem Erhalt zusätzlich angeforderter Unterlagen. In diesem Sommer hat der Verband den ECH vorerst komplett ausgesperrt. Aus dem Umfeld des DEB war zu hören, dass er mit den Jahresabschlüssen der Hannoveraner aus den vorherigen beiden Saisons nicht zufrieden war.

Was für mehr als nur einen Denkzettel sprechen würde: Nach Informationen vom SPORTBUZZER hat der DEB-Anwalt in seiner Klageerwiderung kritisiert, wie denn die Indians bloß einen Wirtschaftsplan für die Saison vorlegen und dabei von einem Zuschauerschnitt von 2500 Besuchern ausgehen könnten – weil man diese Zahl unter Corona-Bedingungen doch niemals erreichen würde.

Der DEB hatte jedoch die Vereine im Vorfeld aufgefordert, zum Stichtag 1. Juni ihre Unterlagen für die Lizenzprüfung so einzureichen, als wenn die Saison ganz normal stattfinden würde.

Was passiert, wenn die Indians den Prozess verlieren?

Dann ist der Standort für Profi-Eishockey am Pferdeturm gefährdet. Im Fall einer Niederlage in München bliebe den Indians die Oberliga-Lizenz endgültig verwehrt, sie müssten dann eine Etage tiefer in der viertklassigen Regionalliga spielen. Letzte Hintertür: Sie könnten vor einem zivilen Gericht klagen.