17. Februar 2021 / 11:58 Uhr

Individuelle Fehler, Schwierigkeiten im Spielaufbau: RB Leipzig gegen Liverpool mit untypischen Problemen

Individuelle Fehler, Schwierigkeiten im Spielaufbau: RB Leipzig gegen Liverpool mit untypischen Problemen

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Marcel Sabitzer weiß genau, dass er das 0:1 von Mohamed Salah selbst aufgelegt hat.
Marcel Sabitzer weiß genau, dass er das 0:1 von Mohamed Salah selbst aufgelegt hat. © imago / Matthias Koch
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Es ist eine alte Weisheit: Je höher das Niveau, desto brutaler werden Fehler bestraft. RB Leipzig musste das gegen den Liverpool FC einmal mehr auf die harte Tour lernen, unterlag im Achtelfinale der Champions League 0:2 (0:0). Die Ausgangsposition für das Rückspiel ist damit denkbar schlecht, aber nicht unmöglich, wie Coach Julian Nagelsmann betonte.

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Budapest. Für RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann muss sich Einiges am Dienstagabend vertraut abgefühlt haben, wenn auch nicht in positiver Weise. Denn als er am 23. August 2017 mit der TSG Hoffenheim beim Liverpool FC antrat, passierte Ähnliches wie jetzt mit RB Leipzig. Innerhalb von 12 Minuten lag sein Team damals 0:3 hinten. Im nun gespielten ersten von zwei Achtelfinalpartien der Champions League ging es in der zweiten Halbzeit auch ganz schnell. Fünf Minuten, zwei dicke Abwehrpatzer, 0:2. Das war dann auch der Endstand einer Begegnung, die für RB mit einem Fast-Tor von Dani Olmo so verheißungsvoll begonnen hatte.

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Instabile Defensive

Und das, wo doch gerade die Defensive in den vergangenen Ligaspielen der Roten Bullen so gut gestanden und kaum gefährliche Situationen zugelassen hatte. Das Team, das so oft wie kein anderes in der Bundesliga ohne Gegentor blieb, kann in der Champions League zumindest gegen englische Mannschaften hinten nicht so richtig dicht machen. In Budapest leisteten sich die Messestädter in der Abwehrarbeit und auch im Spielaufbau untypisch viele Fehler, agierten zeitweise beinahe fahrlässig und leiteten die Treffer für den LFC so selbst ein.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Hinspiel aus der Puskas-Arena

RB Leipzig unterliegt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nach zwei schweren individuellen Patzern dem FC Liverpool mit 0:2. Zur Galerie
RB Leipzig unterliegt im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nach zwei schweren individuellen Patzern dem FC Liverpool mit 0:2. ©

Der erste Patzer unterlief Kapitän Marcel Sabitzer, als er einen Ball in Richtung Lukas Klostermann nach hinten spielen wollte, dabei aber Mohamed Salah nicht im Blick hatte und ihm so eine perfekte Vorlage lieferte – Klostermann konnte mit dem Speed des besten gegnerischen Torschützen nicht mithalten und schon stand es 0:1. Sabitzer wusste wohl um seine Rolle, schlug noch im Zurücklaufen die Hände vor's Gesicht. Den zweiten Fehler hatte Nordi Mukiele zu verantworten, der völlig falsch stand und so den Weg für Sadio Mané freimachte. Über diese Situation sagte selbst LFC-Trainer Klopp: „Der war zwar unglücklich, aber für Mukiele war das ein echter Drecksball zu verteidigen.“

Gulacsi frustriert

Nicht nur der Franzose wird in der Nacht nach dem Spiel schlecht geschlafen haben. Auch Landsmann Dayot Upamecano, dessen Sommer-Wechsel zu den Bayern am Wochenende offiziell gemacht worden war, lieferte eine fragwürdige Leistung ab. Der Franzose ließ sich von den Engländern überspielen, konnte vor allem mit Salahs Tempo oft nicht mithalten und produzierte auch im Spielaufbau einen Fehler nach dem anderen. Julian Nagelsmann erklärte die Gesamt-Leistung in der Abwehr unter anderem mit der Qualität des Gegners. Aber: „Ich habe keine extreme Verunsicherung oder Nervosität in meiner Mannschaft wahrgenommen.“ Mehr Stabilität in den Verteidigungsreihen kehrte erst nach der Einwechslung von Willi Orban (kam in der 64. Minute für Mukiele) ein.

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"Es ist eine Schande, dass wir die Gegentore kassiert haben, weil sie das Spiel komplett auf den Kopf gestellt haben“, wurde RB-Keeper im Nachgang Peter Gulacsi ungewohnt deutlich. „Wir haben gegen ein sehr gutes Team gespielt, das uns für unsere Fehler bestraft hat. In den zehn Minuten, in denen wir die Gegentore kassiert haben, schien sich alles gegen uns gewendet zu haben“, so der Torwart. „Es waren zwei sehr unglückliche Situationen, die wir normalerweise zu verhindern wissen."

Und wieder die Chancenverwertung

Die Roten Bullen spielten sich im Endeffekt selbst aus. Da halfen auch die mitgebrachten Fan-Banner in der ungarischen Puskas-Arena nichts. Der Coach war dennoch einigermaßen zufrieden mit der Leistung seiner Jungs. Denn nach dem 2:0 sammelten sich seine Kicker wieder etwas, griffen besser an, agierten aggressiver. Die Partie war körperlich intensiv, Schiedsrichter Slavko Vinčić musste sechsmal nach der gelben Karte greifen – viermal sahen sie RB-Spieler.

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Nagelsmann, der während der 90 Minuten im leeren Stadion bestens zu hören war und seiner Unzufriedenheit Luft machte, war nach dem Abpfiff deutlich gefasster. In erster Linie bemängelte der 33-Jährige dann auch nicht die Fehler im Defensivverhalten, sondern einmal mehr die nicht genutzten Möglichkeiten. „Wir haben in der zweiten Halbzeit viele hochkarätige Chancen herausgespielt, aber leider sehr selten das Tor getroffen. Alisson Becker hat einen Ball halten müssen, alles andere haben wir vorbeigeschossen.“ Die Ausgangsposition für das Rückspiel ist nicht leicht, das weiß Nagelsmann. „Es ist aber auch nicht unmöglich. Wir werden alles reinhauen und nach wie vor probieren, in die nächste Runde einzuziehen.“ Dafür müssten die Sachsen aber nicht nur die Fehler in der Verteidigung abstellen, sondern auch im Angriff endlich effektiver werden.