25. März 2021 / 18:00 Uhr

Infos und Stimmen zum Regionalliga-Saisonabbruch, der nicht allen Akteuren gefällt

Infos und Stimmen zum Regionalliga-Saisonabbruch, der nicht allen Akteuren gefällt

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Zweikampf am Mittwochabend im Werner-Seelenbinder-Stadion: Hier duellieren sich Aaron Bogdan (l., FSV Luckenwalde) und Vassilios Polichronakis (Optik Rathenow).
Das war's mit Zweikämpfen: Für Aaron Bogdan (l., FSV Luckenwalde) und Vassilios Polichronakis (Optik Rathenow) ist die Saison beendet - wenn auch noch nicht offiziell. © Nico Rosenberger
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Die Saison in der Fußball-Regionalliga Nordost ist de facto beendet, offiziell stimmen alle Vereine für den Abbruch der Spielzeit – Fürstenwalde-Trainer Matthias Maucksch kritisiert die Entscheidung.

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Die Regionalliga soll nach dem Wunsch der 20 Vereine aus dem Gebiet des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) vorzeitig abgebrochen werden. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

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Wie fiel die Abstimmung aus?

Offiziell einstimmig! Alle 20 Vereine seien sich einig gewesen, dass die Saison abgebrochen werden soll, teilte der NOFV mit. „Ich war selbst überrascht. Am Ende hat die Vernunft gesiegt und ich denke, dass uns diese Entscheidung ein Stück weit mehr zusammengeschweißt hat“, sagte NOFV-Präsident Hermann Winkler.

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Allerdings meinte Fürstenwaldes Trainer Matthias Maucksch auf SPORTBUZZER-Anfrage: „Ich finde den Vorschlag, die Saison abzubrechen, eher unglücklich. Wir sind Berufssportler und wollen spielen. Aber gerade vor dem Hintergrund, dass drei Berliner Vereine den Abbruch wollten, war eine andere Option nicht möglich.“

Was wurde entschieden?

Offiziell noch nichts, weil die Vereine dazu nicht befugt sind. Nach der zweistündigen Videokonferenz bekam aber der Spielausschuss des NOFV den Auftrag, beim Präsidium einen Antrag auf Beendigung der Saison zu stellen. Das Präsidium tagt wieder am 16. April und wird sich dem Wunsch der 20 Vereine kaum verweigern. De facto ist der Saisonabbruch damit beschlossen.

Wie wird die Saison gewertet?

Die Vereine verständigten sich darauf, dass Viktoria Berlin als souveräner Tabellenführer – die Berliner gewannen alle ihre elf Saisonspiele – in die 3. Liga aufsteigen darf. Auch das muss der NOFV noch offiziell beschließen. Genauso steht noch nicht final fest, wie mit dem Abstieg umgegangen wird.

Allerdings gab es auch da das klare Votum, dass es keine sportlichen Absteiger geben soll – für Fürstenwaldes Coach Maucksch die falsche Entscheidung. „Die Auf- und Abstiegsregelung widerspricht dem Wettbewerbsgedanken“, kritisierte er.

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Was passiert mit der Oberliga?

Aktuell ist die Regionalliga schon von 18 auf 20 Teams aufgestockt, da es in der vergangenen Spielzeit bereits keine Absteiger gab. Sollte der 1. FC Magdeburg aus der 3. Liga absteigen und es zwei Oberliga-Aufsteiger geben, wären es 2021/22 sogar 22 Teams, was zur Folge hätte, dass es 42 Spieltage in der Regionalliga gäbe. „Das würde ganz schön fett werden“, sagt Dirk Heinze, Vorsitzender des FSV 63 Luckenwalde.

Nach SPORTBUZZER-Informationen stimmten die Regionalligisten dafür ab, dass es keine Aufsteiger aus der Oberliga geben soll, weil sonst die Liga in der neuen Spielzeit zu groß werden würde. „Der Nichtabstieg aus der Regionalliga ist wichtiger zu bewerten als ein Aufstieg aus der Oberliga“, sagt Björn Laars, Vorsitzender des SV Babelsberg 03, ergänzt allerdings: „Ich habe natürlich Verständnis, dass die Oberligisten enttäuscht wären, wenn sie sportlich nicht aufsteigen dürfen.“

In der Oberliga Süd steht derzeit der FC Eilenburg auf dem ersten Platz, in der Nordstaffel Tasmania Berlin. „Natürlich wollen wir aufsteigen, entweder sportlich oder nach einem Saisonabbruch“, sagt Tasmania-Chef Almir Numic. „Der Verein hat schon 250 000 Euro investiert, um das Stadion fit zu kriegen, der Bezirk Neukölln steht auch hinter uns.“ Rechtlich sieht Numic keinerlei Probleme: „In den Statuten des NOFV ist klar verankert, dass es Aufsteiger geben wird.“ Der NOFV berät zu diesem Thema noch.

Was passiert mit dem Brandenburger Landespokal?

Mit dem SV Babelsberg 03, Energie Cottbus, FSV 63 Luckenwalde und Union Fürstenwalde stehen noch vier der fünf Brandenburger Regionalligisten im Landespokal-Viertelfinale. Bislang steht noch nicht fest, wie der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) mit dem Wettbewerb umgeht.

Am Montagabend ist eine Videokonferenz des FLB-Krisenstabs geplant, dort könnte auch über die Zukunft des Pokals entschieden werden. In der vergangenen Saison wurde das Halbfinale und das Finale – nach längerer Corona-Pause – kurz vor Beginn der Spielzeit 2020/21 ausgetragen. Der DFB hat für den 22. Mai 2021 den deutschlandweiten Finaltag der Amateure terminiert, bis dahin müssten – theoretisch – Viertel- und Halbfinale in Brandenburg über die Bühne gehen.

Ob das so kommt, ist wohl fraglich, da mit dem MSV Neuruppin, SV Frankonia Wernsdorf und dem 1. FC Frankfurt drei Brandenburgligisten und mit dem Ludwigsfelder FC ein Oberligist im Viertelfinale stehen, die – nicht wie die Regionalligisten – momentan allesamt kein Mannschaftstraining absolvieren dürfen.

Wie geht es für die Spieler weiter?

Viele Vereine, wie beispielsweise der SV Babelsberg 03, haben ihre Akteure in Kurzarbeit geschickt. Zuletzt gab es vermehrt Testspiele, da ursprünglich das Osterwochenende für den Re-Start auserkoren wurde. Luckenwalde und der SVB trainieren auch weiter, weil die Entscheidung über die Fortsetzung des Landespokals noch aussteht. „Wir überlegen, ob wir eine andere Vorbereitung als üblich angehen. Wir könnten uns vorstellen, die Grundlagenausdauer der Jungs besser zu trainieren, was sonst durch die begrenzte Zeit nicht möglich ist“, sagt SVB-Präsident Laars über die nun anstehende Pause bis zur neuen Spielzeit.

Wann beginnt die neue Saison?

Laut Rahmenterminplan des NOFV startet die neue Regionalliga-Spielzeit am 23. Juli. Offenbar ist auch ein früherer Saisonstart eine Überlegung. Ingo Kahlisch lehnt das ab: „Wir können nicht früher anfangen, im Juli ist Sommerurlaubszeit“, sagt der Trainer des FSV Optik. Interessanterweise hat der NOFV den Terminplan sowohl für eine 20er- als auch für eine 22er-Liga erstellt, beide starten am gleichen Wochenende, beide würden am Wochenende des 14./15. Mai 2022 enden.