06. Oktober 2020 / 18:23 Uhr

"Instinktfußballerin" Maria Plattner wirbelt im Turbine-Zentrum

"Instinktfußballerin" Maria Plattner wirbelt im Turbine-Zentrum

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Maria Plattner kam im August von Sturm Graz zu Turbine Potsdam.
Maria Plattner kam im August von Sturm Graz zu Turbine Potsdam. © Saskia Nafe
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Der Sommer-Neuzugang will die nächste Österreicherin in Potsdam sein, die den Durchbruch in der Frauen-Bundesliga schafft. Am Mittwoch ist der SC Freiburg im "Karli" zu Gast.

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Marie Höbinger und Sarah Zadrazil – die frühere Kapitänin spielt inzwischen beim FC Bayern – haben es beim 1. FFC Turbine Potsdam vorgemacht. Nun will Maria Plattner die nächste Österreicherin sein, die beim sechsfachen Deutschen Frauenfußball-Meister aus der Brandenburger Landeshauptstadt den großen Durchbruch schafft. Die erst 19-jährige Tirolerin erfüllte sich mit ihrem Wechsel vom österreichischen Erstligisten Sturm Graz zu den Turbinen schon einen kleinen Traum. „Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet, einmal in der deutschen Bundesliga zu spielen“, bemerkt der Neuzugang, der einen Trend in der Bundesliga bestätigt: In dieser Saison sind 18 Österreicherinnen in der Liga am Ball, sie bilden den größten Block der Legionärinnen in Deutschland.

Beim viertägigen Probetraining im Trainingslager in den Alpen hatte Maria Plattner, die von Freunden nur „Mary“ gerufen wird, im Sommer quasi Heimvorteil. Den nutzte die kreative Mittelfeldspielerin. Innerhalb kürzester Zeit überzeugte sie Trainer Sofian Chahed und die Turbine-Verantwortlichen von ihren Qualitäten, die sie vor allem in der Zentrale sieht. „Sie ist eine Instinktfußballerin, macht auf dem Platz automatisch vieles richtig“, schwärmte der Coach schon kurz nach ihrer Ankunft. „Eine Woche nach dem Trainingslager bin ich nach Potsdam gekommen“, erinnert sich die Österreicherin. Natürlich habe sie nach ihrer Ausbildung an der Fußball-Akademie in St. Pölten und Stationen beim FC Bergheim (wo auch die Karriere von Zadrazil einst Fahrt aufnahm), Wacker Innsbruck und in Graz auch großen Respekt vor dem Schritt ins Ausland gehabt. Aber die Vorfreude und das große Ziel Bundesliga vor Augen hätten schließlich überwogen. Dann ging alles ziemlich schnell: Vertrag bis 2023, die Eltern halfen beim Umzug in die eigene Wohnung und im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (2:0) stand die Junioren-Nationalspielerin dann erstmals in der Turbine-Startelf.

Die Trikots von Turbine Potsdam seit 2005

<b>Saison 2005/06 (Heimtrikot)</b> Klassisch: Im blauen Jersey mit weißen Akzenten an der Seite jubeln Ariane Hingst (l.) und die Torschützin zum 1:0, Conny Pohlers (r.), am 14. Mai 2006 beim Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Ende der Saison sprang das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg für die Turbinen heraus. Zu erwähnen sei die Tordifferenz von 115:13. Allein Conny Pohlers konnte sich mit 36 Toren zur besten Torschützin der Bundesliga krönen. Zur Galerie
Saison 2005/06 (Heimtrikot) Klassisch: Im blauen Jersey mit weißen Akzenten an der Seite jubeln Ariane Hingst (l.) und die Torschützin zum 1:0, Conny Pohlers (r.), am 14. Mai 2006 beim Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Ende der Saison sprang das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg für die Turbinen heraus. Zu erwähnen sei die Tordifferenz von 115:13. Allein Conny Pohlers konnte sich mit 36 Toren zur besten Torschützin der Bundesliga krönen. ©

Es war ein Vorgeschmack auf das, was die Neu-Potsdamerin mit der Rückennummer 6 am Mittwochabend erwartet, wenn für das Spiel gegen den SC Freiburg (Anpfiff 17 Uhr) sicher auch die Flutlichtmasten am Karl-Liebknecht-Stadion aufgeklappt werden. „Im Karli herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Die Fans sind da, es ist immer laut“, hat die talentierte Fußballerin bereits festgestellt, die gern spielfreudig agiert und deshalb über die Bezeichnung des Trainers schmunzelnd sagt: „Das beschreibt mich eigentlich ganz gut.“ Sie sei eine, die der Mannschaft trotz ihrer erst 19 Jahre sofort weiterhelfen kann, schob Sofian Chahed noch hinterher.

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Dabei weiß Maria Plattner schon ganz gut, wo die großen Unterschiede zwischen der Bundesliga in ihrem Heimatland und der in Deutschland liegen. „Das Tempo ist viel höher und das Spiel ist körperbetonter“, sagt sie. Daran will sich die Österreicherin in dieser Saison schnell gewöhnen. Mitspielerin Marie Höbinger sei bei ihrem Start bei den Turbinen ein bekanntes Gesicht gewesen. „Marie kannte ich schon von der Junioren-Nationalmannschaft. Aber die Mädels sind alle super nett und haben mir das Ankommen sehr erleichtert“, sagt Maria Plattner, die mit dem Saisonstart – zehn Punkte aus vier Spielen – gut leben kann. „Wir sind gut in die Saison reingekommen und wollen gegen Freiburg versuchen, nachzulegen und die nächsten drei Punkte zu holen.“