30. Oktober 2019 / 10:01 Uhr

Integration beim SV Blau-Weiß Grana: Kreisliga-Gegner treten nicht an - Vorwürfe gegen Flüchtling Jawara

Integration beim SV Blau-Weiß Grana: Kreisliga-Gegner treten nicht an - Vorwürfe gegen Flüchtling Jawara

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Mannschaft des SV Blau-Weiß Grana steht hinter ihrem Spieler Momodou Jawara (Mitte, weiße Mütze).
Die Mannschaft des SV Blau-Weiß Grana steht hinter ihrem Spieler Momodou Jawara (Mitte, weiße Mütze). © Jan Sternberg
Anzeige

Die Geschichte von Kreisliga-Fußballer Momodou Jawara schlägt hohe Wellen. Der Spieler des SV Blau-Weiß Grana soll auf dem Platz mehrere Fußballer absichtlich verletzt haben. Erst wurde der Flüchtling für ein Jahr lang gesperrt. Doch nach einer weiteren Verhandlung darf der 29-Jährige vorerst wieder spielen. Und das sorgt bei vielen Vereinen für Unmut.

Anzeige
Anzeige

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Kreisliga-Kicker Momodou Jawara vom SV Blau-Weiß Grana durfte in den vergangenen Wochen keinen Fußball mehr spielen. Der 29-Jährige soll mehrere Gegenspieler böse gefoult haben. Das Sportgericht des Kreisfachverbandes Burgenlandkreis sperrte den Zwei-Meter-Mann aus Gambia für ein Jahr. Der Klub Grana aus Sachsen-Anhalt und der Landesfußballverband legten Berufung ein. Jetzt darf der Flüchtling wieder auflaufen. In einer Reportage des RedaktionsNetzwerk Deutschland wird dieses Thema aufgegriffen (zur kompletten Reportage geht es hier).

Mehr zu #GABFAF

Ein „Pressschlag“, wie es Grana-Trainer Mario Schettig beschrieb, war der Auslöser einer langen Debatte. Jawaras Gegenspieler brach sich im Kreispokal-Spiel das Schien- und Wadenbein. Dem Flüchtling wurde vom VSG Löbitz Absicht unterstellt, die Schiedsrichterin gab dem 29-Jährigen keine Karte und vermerkte die Aktion nicht im Spielbericht. „Beide Spieler haben gegen den Ball getreten, ein klassischer Pressschlag“, sagte Granas Kapitän und Vorstandsmitglied Johannes Heger.

Mario Schettig trainiert den FC Blau-Weiß Grana.
Mario Schettig trainiert den FC Blau-Weiß Grana. © Jan Sternberg
Anzeige

Nach dem Spiel brach eine Empörungswelle aus. In Zeitungsberichten und in den sozialen Medien wurde negativ über den Mann aus Gambia geschrieben. Es folgten auch rassistische Beleidigungen. Viele Vereine aus der Kreisliga 2 des Burgenlandkreises forderten eine lebenslängliche Sperre für Jawara. Der SV Teuchern trat nach dem Vorfall gegen Löbitz im Meisterschaftsspiel nicht an – nachdem die Akteure den Namen des Flüchtlings aus Gambia in der Aufstellung sahen.

Jochen Breyer erklärt #GABFAF in 60 Sekunden

Der Kreisfußballverband Burgenland sperrte den Amateurfußballer zuletzt für ein Jahr. Grund ist ein brutales Foul. Jawara war in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit nach einer Roten Karte gegen ihn in den Rücken eines Gegenspielers gesprungen. Damals wurde das Verfahren eingestellt. Ende September erfolgte dann die Kehrtwende.

Grana und der Landesfußballverband legten Berufung ein. Das Urteil torpedierte einen mühsam ausgehandelten Kompromiss zwischen den Vereinen, nach dem Jawara drei Spiele pausiert, und dann wieder antritt. Vergangene Woche gab es noch einmal ein Treffen der Kapitäne aller Ligamannschaften. Sie haben vereinbart, direkt vor jedem Spiel gegen die Mannschaft, die aus vielen Flüchtlingen besteht, über mögliche Probleme zu sprechen.

Momodou Jawara unterstützte sein Team zuletzt als Zuschauer.
Momodou Jawara unterstützte sein Team zuletzt als Zuschauer. © Jan Sternberg

Jawara stand zuletzt gegen Osterfeld II wieder im Kader. Doch der Gegner reiste mit zu wenigen Spielern an, offiziell wegen Krankheit. Am Donnerstag könnte der 29-Jährige im Liga-Spiel beim VfB Zeitz wieder auf den Platz zurückkehren – vorerst. Denn das Verbands-Sportgericht muss entscheiden, wie es mit Jawara weitergeht.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt